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Versteckte, raffinierte Ritterburg: das Grafenloch, auch Luegsteinhöhle genannt, bei Oberaudorf.

Unsere Denkmäler: Das Grafenloch

München - Serie "Unsere Denkmäler": Um sich vor Angreifern zu schützen, konstruierten Menschen im Mittelalter raffinierte Burgtypen.

So sicherten Gräben und Wehranlagen Wasserburgen ab, während steil abfallendes Gelände und weite Fernsicht die Höhen- und Gipfelburgen vor plötzlichen Übergriffen schützten. Lediglich von der Eingangsseite her waren „Höhlenburgen“ einem Angriff ausgesetzt. Eine solche versteckte Festung ist im Landkreis Rosenheim noch zu besichtigen.

In einer Felswand oberhalb des Luegsteinsees bei Oberaudorf befindet sich mit dem „Grafenloch“, auch „Luegsteinhöhle“ genannt, eine der seltenen mittelalterlichen Höhlenburgen. Funde belegen, dass derartige Anlagen bereits seit der Steinzeit als Zufluchtsorte genutzt wurden. Grabungen der Universität Jena haben 2008 ergeben, dass die Oberaudorfer Burg wahrscheinlich im 11. Jahrhundert errichtet und im 13. Jahrhundert wieder aufgegeben worden ist. Es wird vermutet, dass die günstiger gelegene Auerburg das Grafenloch schon bald abgelöst hat.

Der Anblick der spektakulären Lage in senkrechter Wand lässt das abenteuerliche Ritterleben nur vermuten. Den in sechs Metern Höhe gelegenen Eingang mussten die Herrschaften über eine schmale „Himmelsleiter“ erreichen. Eine Mantelmauer, etwa einen Meter dick, schirmte das Höhleninnere vom Außenbereich ab. Eindrucksvolle Mauerreste sind noch zu bewundern.

Wer die Burg erbauen hat lassen, ist unbekannt. Wie es in einer Sage heißt, hatte der Auer Graf durch die Ermordung seiner Eltern große Macht erlangt. Darum sagte ihm eines Tages eine Zigeunerin den baldigen Tod durch Blitzschlag voraus. Als tatsächlich im Turm seiner Burg ein Blitz einschlug, zog sich der Graf in eine Berghöhle zurück. Als wieder ein Gewitter aufzog, schaffte er es nicht mehr rechtzeitig, seinen Zufluchtsort über die steile Leiter zu erklimmen, und ließ sein Leben.

Für Besucher lohnt sich der Weg hinauf zur Burg über den Audorfer Höhlenweg. Zunächst gelangt man am Fuße der Luegsteinwand in den Bereich unterhalb der einstigen Wehrmauer. Diese verschloss die 14 Meter breite, sieben Meter hohe und 25 Meter tiefe Höhle. In den vergangenen Jahren wurde das denkmalgeschützte Mauerwerk saniert und gesichert. Nach einer kurzen Kletterpartie über eine Leiter erreichen die Ausflügler den Eingang und werden mit einem beeindruckenden Blick ins Inntal und aufs Kaisergebirge belohnt.

Corinna Erhard

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