Unterernährt und vernachlässigt: Bub schwebt in Lebensgefahr

Fürth/Nürnberg - Ein unterernährter und vernachlässigter Bub (4) ist in Fürth in ein Krankenhaus gebracht worden. Der Vierjährige schwebte nach Polizeiangaben in aktuter Lebensgefahr.

Ein abgemagerter und augenscheinlich vernachlässigter Bub ist in Fürth ins Krankenhaus gekommen und hat auch einen Tag später noch mit dem Tod gerungen. Der schwerstbehinderte Vierjährige liege seit Dienstag auf der Intensivstation, sagte ein Sprecher des Klinikums Fürth am Mittwoch. Die Polizei nahm die Mutter des Kindes und ihren Lebensgefährten noch im Krankenhaus fest. Gegen die Mutter wurde wegen des Verdachts der Misshandlung Schutzbefohlener Haftbefehl erlassen. Dem Fürther Jugendamt war der Bub nach eigenen Angaben nicht bekannt. Während der 31 Jahre alte Freund der Mutter nach der Vernehmung wieder freigelassen wurde, muss die 29-Jährige in Untersuchungshaft. Wie die Staatsanwaltschaft am Abend mitteilte, wird sie verdächtigt, das Kind mehrere Wochen nicht ausreichend mit Nahrung versorgt zu haben. Am Dienstagmorgen habe sie dann selbst den Rettungsdienst gerufen, weil der Junge an Durchfall gelitten habe.

Die Notärztin veranlasste - alarmiert vom Zustand des Vierjährigen - die sofortige Einweisung in die Klinik. Man habe keine Hinweise auf eine mögliche Vernachlässigung bekommen, sagte der Fürther Jugendamtschef Josef Lassner der Nachrichtenagentur dpa. Die Familie habe man gar nicht gekannt. Seine Behörde sei erst, als das Kind ins Krankenhaus kam, eingeschaltet worden. “Wir wundern uns auch, dass das niemanden aufgefallen ist“, sagte Lassner. Der Vierjährige brauche wegen seiner geistigen und körperlichen Behinderung eigentlich rund um die Uhr Pflege. Wegen der Behinderung des Kindes hätte die Mutter auch regelmäßig einen Arzt kontaktieren müssen. Nach Polizeiangaben waren die Frau und ihr von Geburt an schwerstbehinderter Sohn erst im Frühjahr aus einem anderen Bundesland nach Fürth gezogen, wo sie mit dem Lebensgefährten der Mutter in einer Wohnung lebten. Am Mittwochabend schwebte das Kind noch immer in Lebensgefahr.

Die Ärzte stabilisierten in vergleichbaren Fällen zunächst die Vitalfunktionen wie Kreislauf und Körpertemperatur, beschrieb der Chefarzt der Kinderklinik im Klinikum Nürnberg, Jan Holger Schiffmann, die Akutbehandlung. “Oft haben unterernährte Kinder ein hohes Flüssigkeitsdefizit, das dann durch Infusionen in eine Vene ausgeglichen wird“, sagte Schiffmann der dpa. Zudem würden frühzeitig mögliche Infektionen und Lungenentzündungen behandelt. Dem Arzt seien Fälle bekannt, bei denen schwerbehinderte Kinder die schlecht essen oder nicht richtig schlucken - dann helfe oft nur die Ernährung durch eine Sonde. Viele Eltern seien der Versorgung eines behinderten Kindes nicht gewachsen, sagte Katharina Weimar von Verein Lebenshilfe in Fürth. Sie müssten sich plötzlich mit Behörden auseinandersetzen, hätten kaum finanziellen Spielraum und müssten ihre persönlichen Wünsche und Pläne hinten anstellen: “Das überfordert viele.“ Die Familie des Buben sei ihr aber nicht bekannt, betonte sie. Erst 2009 hatte der Fall der dreijährigen Sarah weit über Mittelfranken hinaus für Schlagzeilen gesorgt. Auch sie war stark unterernährt ins Krankenhaus eingeliefert worden - die Hilfe kam aber zu spät. Ihre Eltern müssen sich ab Oktober vor dem Landgericht Nürnberg-Fürth verantworten. Die Anklage lautet auf gemeinschaftlichen Mord und Misshandlung von Schutzbefohlenen.

dpa

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