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Auf dem Gelände einer alten Fabrik in Feldafing (Kreis Starnberg) sind über Nacht über 80 Flüchtlinge untergebracht worden. Überall suchen die Behörden nach Unterkünften – auch die Kirchen sind gefragt.

Klöster, Pfarrheime, Bildungsstätten

Asyl-Unterkünfte: Was machen die Kirchen?

München - Die Flüchtlingskrise schlägt hohe Wellen – überall wird nach Unterkunftsmöglichkeiten für Asylbewerber gesucht. Immer häufiger wird die Frage gestellt: Was machen die Kirchen?

Hektische Betriebsamkeit allerorten. Überall suchen die Behörden nach Schlafplätzen für Flüchtlinge. In Feldafing (Kreis Starnberg) ist am Dienstagabend in einer Art Nacht- und Nebelaktion ein Auffanglager in einer alten Fabrikhalle eingerichtet worden. Bis zu 150 Menschen sollen dort untergebracht werden.

Könnten denn nicht die beiden großen Kirchen in viel größerem Maße Asylbewerbern ein Dach über dem Kopf gewähren etwa in Pfarrheimen oder Bildungsstätten? „Derzeit sind 670 Flüchtlinge in 34 kirchlichen Unterkünften untergebracht“, erklärt Bernhard Kellner, Pressesprecher des Erzbistums München und Freising, auf Anfrage. In Wohnhäusern der Kirche, in leerstehenden Pfarrhäusern.

Generalvikar Peter Beer hatte alle Pfarrgemeinden angeschrieben mit der Bitte, Wohnraum zur Verfügung zu stellen. „Das passiert auf freiwilliger Basis, das entscheidet die Gemeinde vor Ort. Es ist nicht so, dass das Erzbistum den Pfarreien vorschreibt, was sie bereitstellen sollen.“ Weitere 20 Objekte werden derzeit auf ihre Eignung geprüft. „Wir wollen da auch weiter dranbleiben“, betont Kellner. Allerdings seien auch nicht alle Objekte geeignet. Das fange schon bei der räumlichen Ausstattung an. „Bei Pfarrzentren ist es nun mal so, dass sie – anders als Turnhallen – keine ausreichenden sanitären Anlagen haben. Es gibt zwar Toiletten, aber auch nicht in dem Umfang, dass man dort viele Menschen unterbringen kann“, so der Pressesprecher. Zwar könne man mobile Anlagen aufstellen, aber das seien Entscheidungen der Pfarrgemeinden.

Bei Klöstern ist das Erzbistum nicht zuständig

Was leerstehende oder nahezu verwaiste Klöster betrifft, ist das Erzbistum rechtlich nicht zuständig. Orden sind „exemt“, unterstehen also nicht dem Ortsbischof. „Die Orden sind eigenverantwortlich. Da muss man mit den Orden sprechen. Das Erzbistum denkt sehr offen über alle Möglichkeiten nach, um das bereits bestehende Engagement für die Flüchtlinge noch auszuweiten. Es gibt bei uns keine Denkverbote.“ Und es gibt auch den Beschluss im Ordinariat, dass man die Klöster als kirchliche Orte behalten will. „Grundsätzlich sind wir als Christen gerufen, hier zu helfen. Das entspricht auch unserem Auftrag und das nehmen wir sehr ernst.“

Und das zeigt sich auch in der finanziellen Hilfe: In diesem Jahr hat das Erzbistum zum Beispiel allein dem Caritasverband 540 000 Euro bereitgestellt für 15 weitere Beratungsstellen zur Betreuung von Flüchtlingen. Der Generalvikar hat gerade erst angekündigt, dass hier noch weitere erhebliche Mittel fließen sollen – das muss aber erst noch der Diözesansteuerausschuss absegnen. Verraten wird nur so viel: „Wir wollen unser Engagement hier massiv ausweiten.“ Derzeit gibt es bei der Caritas im Erzbistum 125 Stellen für Hauptamtliche, die Asylbewerber beraten und betreuen. Hinzu kommen über 1000 Ehrenamtliche.

Kardinal Marx: Die Bemühungen reichen nicht aus

Es passiert auch viel in Pfarrgemeinden: Im katholischen Kindergarten in Vierkirchen (Kreis Dachau) wird voraussichtlich eine Notunterkunft eingerichtet, im Birgittenkloster in Altomünster werden unbegleitete minderjährige Flüchtlinge aufgenommen. In Poing (Kreis Ebersberg) sind das ehemalige Pfarrhaus und das frühere Wohnhaus des Mesners mit drei Asylbewerbern belegt. Auch Pfarreien in Ottobrunn, Putzbrunn und Ebenhausen haben Flüchtlinge aufgenommen. Im Bistum Augsburg wurde in Dillingen das ehemalige Studienseminar für Flüchtlinge zur Verfügung gestellt, derzeit wird eine Klosteranlage im Kreis Donau-Ries auf die Eignung überprüft.

Betroffen von der aktuellen Lage in den Krisengebieten und den Unterbringungs-Problemen zeigt sich auch die Evangelische Landeskirche in Bayern. „Wir versuchen zu helfen, wo wir können“, versichert Pressesprecher Michael Mädler.

Die Landeskirche habe dem Freistaat vor einem halben Jahr etwa 30 leerstehende Immobilien angeboten – doch nur die Hälfte wurde als geeignet beurteilt. „Einige waren zu weit abgelegen im ländlichen Bereich, deswegen wurde die Nutzung für diesen Zweck abgelehnt.“ In der Tat hätten auch schon einzelne Kirchenvorstände geprüft, ob nicht Gemeindezentren geeignet sind. Auch hier kam man zu der Erkenntnis, „dass eine Unterbringung in diesen Räumen allein schon an den fehlenden oder nicht ausreichenden sanitären Einrichtungen scheitern würde“.

Wie hat der Münchner Kardinal Reinhard Marx erst kürzlich beim bundesweiten Caritas-Sonntag anlässlich der wachsenden Flüchtlingszahlen in München gemahnt? Die Bemühungen reichten noch nicht aus. „Wir werden uns neu anstrengen müssen, und das geschieht auch.“ Die Menschen werden ihn beim Wort nehmen.

Claudia Möllers

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