Unterrichtsausfall: Spaenle verspricht Besserung

München - Kultusminister Ludwig Spaenle hat dem Unterrichtsausfall den Kampf angesagt. Dafür sollen Mittel in „deutlichem Umfang“ geschaffen werden. Die Lehrerverbände sind jedoch weiterhin skeptisch.

Das Schuljahr war noch keinen Monat alt, da stand Kultusminister Spaenle bereits Ärger ins Haus. Eltern von Gymnasiasten beklagten massive Stundenausfälle für ihre Kinder. „Wir haben zu wenige Mittel für Vertretungen“, gaben die Schulen die Schuld ans Ministerium weiter (wir berichteten). Spaenle sagte dazu am Donnerstag: „Von einem Notstand kann keine Rede sein.“ Dennoch sieht auch der Minister Handlungsbedarf. Zusätzliche Ressourcen müssten geschaffen werden, „das ist völlig klar“.

Die meisten im vergangenen Schuljahr ausgefallenen Unterrichtsstunden schlagen an den Gymnasien zu Buche, die mit 3,9 Prozent eine beinahe doppelt so hohe Ausfallquote aufweisen als der schulartübergreifende Durchschnitt (zwei Prozent). Diese Zahlen beziehen sich auf ersatzlos ausgefallene Stunden. Ein Grund dafür, dass es davon an den Gymnasien besonders viele gab, sei die Belastung durch den doppelten Abiturjahrgang, sagte Spaenle. Zu den ausgefallenen kommen außerplanmäßig erteilte Lehrerstunden, wie etwa Vertretungen oder ersatzweiser Unterricht in einem anderen Fach. Diese Stunden miteingerechnet, ergibt sich an den Gymnasien eine Quote nicht stundenplangemäß gehaltener Stunden von 7,6 Prozent.

Spaenle beabsichtigt, das Problem von mehreren Seiten aus anzugehen. Der Minister will zum einen die sogenannte mobile Reserve an den Gymnasien stärken. Das ist ein Pool von momentan bayernweit 110 Lehrern, aus dem bei längerfristigem Unterrichtsausfall Fachvertretungen gewonnen werden. Weiterhin sollen die Eigenbudgets der Schulen für Personal steigen, die aktuell – je nach Schulgröße – zwischen 20 000 und 40 000 Euro liegen. Auch die bezahlte Mehrarbeit von Lehrern soll aufgestockt werden. Konkrete Zahlen möchte der Minister dazu jedoch nicht nennen, bevor das Kabinett im November einen Haushalt festgesetzt hat.

Von Seiten der Lehrerverbände erntete Spaenle für seine Pläne Kritik. Sie gingen nicht weit genug. „Eine mobile Lehrerreserve, die bereits am ersten Schultag voll verplant ist, verdient ihren Namen nicht“, erklärte Max Schmidt, Vorsitzender des Bayerischen Philologenverbands. Zudem würden den Schulen momentan nur „maximal 50 Prozent“ des Ersatzbedarfs zugewiesen. Klaus Wenzel, Präsident des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands BLLV, sieht sogar Spaenles Glaubwürdigkeit in Gefahr. Die setze der Minister aufs Spiel, wenn er individuelle und intensive Förderung in Aussicht stelle, aber bei der Bereitstellung von Ressourcen kneife.

Rubriklistenbild: © dpa

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