Unterwasserauge rettet Mann vor dem Ertrinken

Dinkelsbühl/Schongau - Ein automatisches Überwachungssystem hat im Dinkelsbühler Hallenbad einem Mann das Leben gerettet. Das System ist nicht sehr verbreitet. In Schongau wird es demnächst installiert.

20 Sekunden liegt der Mann unter Wasser. Bewegungslos. Das „Rettende Auge“ schlägt Alarm. 13 Sekunden später hat der Bademeister den 50-Jährigen aus dem Becken gezogen. Er schafft es, den Badegast wiederzubeleben.

„Wenn wir das System nicht gehabt hätten, wäre der Mann gestorben“, sagt der Dinkelsbühler Bürgermeister Christoph Hammer. Er hatte beim Schwimmen einen Herzinfarkt erlitten, liegt nun im künstlichen Koma. „Nicht wegen des Ertrinkens, sondern wegen der Folgen des Infarkts“, so Hammer.

Dieses Mal konnte der Bademeister dank des automatischen Warnsystems ein Leben retten. Vor drei Jahren kam er zu spät. Damals ertrank ein Kind beim Schulschwimmen. „Danach wollten wir die Sicherheit verbessern“, erklärt Hammer. Für 60 000 Euro installierte die Stadt 2005 das Sicherungssystem. Damals war es bundesweit erst das zweite „Rettende Auge“ – neben dem in einem Bad in Stuttgart.

Der Zwischenfall am Wochenende war der erste Ernstfall in Dinkelsbühl. Der Bürgermeister ist nun noch mehr von dem Überwachungssystem überzeugt. Denn den Kameras entgeht nichts. Zwölf sind am Beckenrand installiert, sie überwachen jeden Millimeter des Beckens. Auf Monitoren kann der Bademeister verfolgen, was im Wasser geschieht. Zusätzlich schlägt ein Piepser Alarm, wenn sich ein Badegast länger als 20 Sekunden nicht mehr bewegt hat. Auf dem Monitor blinkt die Stelle im Becken auf, an der jemand verunglückt ist.

Auch in Schongau musste erst ein Kind sterben. Im Oktober ist der kleine Enes S. beim Schulschwimmen ertrunken. Seitdem setzt sich „Plantsch“-Chef Andreas Kosian für ein „Unterwasserauge“ ein. Im September soll das Bad nun eine automatische Überwachung bekommen. 47 000 Euro kostet sie, 8000 Euro an Spenden liegen vor, die Stadt Schongau bezahlt den Rest. Das System funktioniert ähnlich wie in Mittelfranken: Sechs Kameras werden das Becken überwachen. Das Aufsichtspersonal bekommt eine Armbanduhr, die im Ernstfall Alarm schlägt, auf dem Display erscheint der genaue Unglücksort im Becken. Außerdem erfolgt eine Alarmierung auf einem großen Display über dem Becken.

Aglaja Adam

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