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Peter Klüpfel (2.v.l.) führt auf Kluftingers Spuren durch Altusried.

Unterwegs auf Kluftingers Spuren

Altusried - In diesen Tagen erscheint der neue Fall des Allgäuer Kult-Kommissars Kluftinger. In seinem Heimatdorf Altusried gibt es für alle Häuser und Stätten aus dem Krimi reale Vorbilder. Ein munterer Spaziergang mit Autoren-Vater Peter Klüpfel.

War er da nicht grad eben?! Peter Klüpfel, Vater von Buchautor Volker Klüpfel, ist sich nicht ganz sicher. Vielleicht war das ja grad der VW-Passat von Kommissar Kluftinger. Wär aber auch zu schade, wenn er ausgerechnet jetzt schnell aufs Revier nach Kempten müsste. Aber ein Mord kommt immer unverhofft.

„Fragen wir halt schnell seine Frau Erika“, schlägt Klüpfel vor und marschiert auf ein Mehrfamilienhaus mit roten Geranien zu. „He, Erika“, ruft er zum Balkon. „Wo ist Dein Mann?“ Auf dem Balkon erscheint eine Frau mit dunklem Schopf, zirka 50 Jahre alt, mit Kittelschürze und Lockenwicklern im Haar. „Der muaß auf Kempten“, ruft sie leicht mürrisch runter und verschwindet wieder im Wohnzimmer. Peter Klüpfel seufzt. „So schad’ aber auch“, meint er schulterzuckend. „Dann tua i eich halt führa.“

Das ist wirklich bedauerlich. Denn zu gern hätte man ihn mal kennengelernt, den beleibten, gemütlichen Oberallgäuer Kommissar mit seiner Vorliebe für Kasspatzn. In Altusried, ihrem Heimatdorf, haben ihn Volker Klüpfel und Michael Kobr zum Leben erweckt. In diesen Tagen kommt das sechste Buch mit dem Titel „Schutzpatron“ auf den Markt. Am kommenden Mittwoch wird es offiziell im Circus Krone in München vorgestellt.

Weil mittlerweile schon Gästegruppen ins Allgäu reisen, um „Klufti“ kennenzulernen, bieten die Altusrieder Dorfführungen samt kleiner Schauspiel-Einlagen an. Denn fast jeder Krimi-Schauplatz hat reale Vorbilder - zum Beispiel die Polizeistation: Einst gab es in Altusried nämlich drei Polizisten, heute befinden sich Wohnungen in dem Haus. Papa Peter Klüpfel kann sich aber noch gut erinnern, wie es war, als die Gesetzeshüter im Dorf mit Fahrrädern präsent waren: „Beim Schwarzfischen mussten wir aufpassen“, sagt er schmunzelnd. „Aber heute“, fügt er mit schelmischem Grinsen hinzu, „sind wir in Altusried viel krimineller als vorher.“

Auf den ersten Blick ist Altusried ein Dorf wie viele andere auch. Es gibt eine Kirche und zwei Wirtshäuser, die Seniorenwohnanlage „Kastaniengarten“ und den Jugendclub „Wamboo“ sowie Bäcker und Metzgereien. Wer aber mit aufmerksamen Augen durch den Weiler bummelt, stellt fest, dass das Feuerwehrhaus eigentlich die Volksschule ist und Kluftis „Mondwirt“ als Gasthaus Sonne tatsächlich existiert. Der Wirtsgarten ist vollbesetzt.

„Ich hätt’ nie gedacht, dass die Leut‘ wegen dem Kommissar zu uns kommen“, sagt Peter Klüpfel im sympathischen Oberallgäuer Dialekt. „Aber plötzlich standen die Busse vor der Tür.“ Im Sommer führt er alle zwei Wochen Touristen durch Altusried. Vor zehn Jahren war es völlig undenkbar, dass sich Fremde fürs Milchwerk interessieren würden - bis dort ein „Mord“ passierte. Im ersten Krimi „Milchgeld“ steht das Werk eigentlich in Krugzell, aber in Wahrheit ist es in Altusried. „Die Firmenleitung hat sich erstmal beschwert, was ihr da angedichtet wurde“, erzählt Klüpfel. Mittlerweile „müssen“ die beiden Autoren zu jeder Weihnachtsfeier kommen.

Höhepunkt jeder Führung ist aber die Villa von Arzt Dr. Langhammer, Kluftingers Erzfeind. Eine Altusrieder Familie hat sich bereiterklärt, ihr Wohnhaus dazu zur Verfügung zu stellen: Das schmucke, neumodische gelbe Haus im sogenannten Toskana-Stil steht in der Zugspitzstraße.

Der Rasen ist millimeterkurz geschnitten; jede Rose, jeder Busch scheint perfekt in Form gebracht. Daneben beginnt der „Blenderweg“. Ein Schelm, wer glaubt, dass hier alles mit rechten Dingen zugeht.

Christiane Mühlbauer

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