Herbert Behlert ADAC-Chef in Nordbayern

Untreue, Sex, Mobbing: ADAC Nordbayern trotzt allen Vorwürfen

Nürnberg - Die nach einer Untreue-, Sexismus- und Mobbingaffäre in die Kritik geratene Führung des ADAC Nordbayern sieht derzeit keinen weiteren Aufklärungsbedarf. Die von 25 Mitarbeitern erhobenen Vorwürfen könnten nicht überprüft werden, weil sie anonym eingegangen seien, sagte ADAC-Anwalt Gero Himmelsbach nach einer turbulent verlaufenen Mitgliederversammlung am Samstag in Nürnberg.

Ohne dass Roß und Reiter genannt würden, sei eine Aufklärung schwierig.

Der nordbayerische ADAC-Vorsitzende Herbert Behlert kündigte in einer Pressemitteilung dennoch „Veränderungen“ an. Ein Antrag von Mitgliedern, die von einer Ombudsfrau gesammelten Mitarbeitervorwürfe dem ADAC-Ehrenrat zur unabhängigen Überprüfung zuzuleiten, hatten 225 der rund 230 Delegierten abgelehnt. Das ADAC-Präsidium habe für den Fall, dass der Antrag eine Mehrheit gefunden hätte, mit seinem Rücktritt gedroht, berichteten Versammlungsteilnehmer. Dem Ehrenrat gehört auch der Rechtsanwalt Herbert Gabler an, der den Vorsitzenden Behlert für die Affäre mitverantwortlich macht. Der ADAC selbst sprach nach der Abstimmung von einem Vertrauensbeweis für das Führungsteam um Behlert. Enttäuscht zeigten sich unterdessen einige ADAC-Mitglieder und Mitarbeiter. Der Vorstand sei nicht bereit, die Vorwürfe aufzuarbeiten, hieß es nach der Mitgliederversammlung. Zugleich erneuerten Mitarbeiter am Wochenende ihre Vorwürfe, Kollegen seien von Chefs massiv gemobbt worden. Es habe auch sexistische Übergriffe gegeben. Ein ADAC-Mitglied erklärte dagegen nach der Versammlung, er fühle sich nun gut informiert und hoffe, dass nun Ruhe beim ADAC Nordbayern einkehre.

Die Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth ermittelt seit Monaten gegen einen früheren ADAC-Mitarbeiter und drei Komplizen; sie stehen im Verdacht, den Automobilclub um mehr als 400 000 Euro geprellt zu haben. Der 47 Jahre alte Hauptverdächtige sitzt wegen des Verdachts auf Untreue in Untersuchungshaft. Ferner liegen der ADAC-Geschäftsführung Hinweise vor, dass Vorstandssitzungen jahrelang mit einer versteckten Web-Kamera im Sitzungssaal aufgezeichnet wurden. Hinweise auf Wanzen in ADAC-Büros habe man aber bislang nicht, sagte ADAC-Anwalt Himmelsbach.

Zum Eklat wäre es bei der Versammlung am Samstag beinahe gekommen, als Mitarbeiter eines Sicherheitsdienstes auf angebliche Anordnung der ADAC-Führung einem Mitglied die Rückkehr in den Saal verweigern wollten. Er habe vor der Tür wartenden Journalisten Interviews gegeben. Die Anordnung wurde aber widerrufen. Auch ein Antrag, zwei unliebsame Mitglieder von der Versammlung auszuschließen, wurde von ADAC-Anwalt Himmelsbach im letzten Moment gestoppt. „Wir müssen aufpassen, dass wir nicht etwas machen, was des ADAC unwürdig ist“, zitierten ihn Teilnehmer. Medienvertreter hatte der ADAC von der Versammlung ausgeschlossen. Sicherheitsdienst-Mitarbeiter sperrten alle Saalzugänge hermetisch ab. Der Bayerische Journalistenverband (BJV) protestierte gegen dieses Vorgehen.

Klaus Tscharnke

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