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Blitze verletzten am Sonntag mehrere Menschen in Bayern.

Experte erklärt Gefahren

Mann (54) von Blitz getroffen

Kempten/Ingolstadt - Der tropische Gewittersommer – er hat Bayern fest im Griff. Und wieder wurden mehrere Menschen im Freistaat Opfer von Blitzschlägen. Ein Experte erklärt die Gefahren.

Der tropische Gewittersommer – er hat Bayern fest im Griff. Und wieder wurden mehrere Menschen im Freistaat Opfer von Blitzschlägen. So traf es unter anderem einen 54 Jahre alten Mann in Kelheim beim Überqueren einer Straße. Der Mann musste wiederbelebt werden und kam schwerverletzt ins Krankenhaus. Mehr Glück hatten vier Wanderer in Oberstdorf (Oberallgäu). Sie überstanden einen Blitzeinschlag in einer Scheune, in der sie sich untergestellt hatten, mit leichten Blessuren.

Das Unglück in Kelheim geschah am späten Sonntagnachmittag. Erst zogen Wolken auf, dann begann es stark zu regnen. Der Mann suchte zunächst unter einem Baum Schutz, seine Frau unter einem Garagendach auf der gegenüberliegenden Straßenseite. Als der Gatte zu seiner Frau eilen wollte, wurde er vom Blitz getroffen. Er war nicht mehr ansprechbar und wurde in eine Klinik gebracht. Nach Angaben der Polizei stehen die Chancen gut, dass er den Blitzschlag überleben wird.

In Deutschland gibt es jährlich gut zwei Millionen Blitze, die in die Erde einschlagen. Die Stromfackeln sind 30 000 Grad heiß.

Ein Blitzschlag – was passiert eigentlich genau mit dem menschlichen Körper? Ein schwieriges Forschungsfeld, sagt Prof. Dr. Berthold Schalke von der Uniklinik Regensburg – denn ein Blitzeinschlag kann natürlich nicht live gemessen werden. Der Neurologe leitet die bundesweite Arbeitsgruppe Blitzschlagverletzungen und verfolgt jeden einzelnen Fall – auch von dem in Kelheim hat er bereits gehört. Laut Schalke ist Blitzschlag nicht gleich Blitzschlag: Wird ein Mensch direkt getroffen, sprechen die Forscher von einem „Full Strike“: „Die Überlebenschancen sind dann sehr gering.“ In allen anderen Fällen – wenn der Blitz in einen Baum oder Metallpfosten einschlägt und auf den Menschen in der Nähe überspringt, wenn er in den Boden trifft oder das Opfer direkt Kontakt zu einem Leiter wie etwa einem Klettersteigseil hat – besteht nicht unbedingt Lebensgefahr. Der Widerstand in der Haut ist sehr groß, erklärt Schalke, im besten Fall fließt die Spannung ab. Weil das ganze sehr schnell geht, sind die Verbrennungen oft nicht so schlimm wie bei einer Verletzung durch offenes Feuer. Der Neurologe vergleicht es mit Wunden, die entstehen, wenn man ein Bügeleisen anfasst. Lebensgefährlich sind Störungen der Atmung und Herzstillstand. Was der Blitz dann genau mit dem Körper anstellt, ist nicht abschließend erforscht – es gibt mehrere Thesen. Unter anderem, dass er das Herz stilllegt, aber auch die Gehirnfunktionen. Und so ist der Mensch einfach wie gelähmt.

tz

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