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Wetter-Wahnsinn in München und Oberbayern: „Es gab so viele Superzellengewitter wie lange nicht“

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Von: Claudia Schuri

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Schon am Mittwoch beginnt aus Sicht der Meteorologen der Herbst: Gewitterjäger ziehen jetzt Bilanz des Sommers, der so viele Unwetter mit sich brachte wie kaum jemals zuvor.

Jetzt ist es dann offiziell. Am 1. September, also am Mittwoch, ist der Sommer vorbei – zumindest aus Sicht der Meteorologen. Denn dann beginnt für die Wetter*-Experten der Herbst, der sich gefühlt eh schon bei uns breitgemacht hat… Es ist der Schlusspunkt eines Sommers, in dem es viel gestürmt, gedonnert und geblitzt hat – und in dem spektakuläre Fotos entstanden sind.

Bei Wolfratshausen stürmte und krachte es heuer immer wieder.
Bei Wolfratshausen stürmte und krachte es heuer immer wieder. © Unwetter-Freaks

Es war wie ein dunkles Ungetüm, das sich wild dreht: eine beeindruckende Erscheinung, begleitet von ununterbrochenem Donner­grollen. Michael Hutter war acht oder neun Jahre alt, als er dieses Wetterphänomen zum ersten Mal sah. „Es ist sehr faszinierend zu sehen, wie so eine Gewitterwolke auf einen zukommt“, erzählt er. Das Erlebnis war der Beginn einer großen Leidenschaft für Gewitter.

Wetter in Bayern: Michael Hutter (28) ist heute ein sogenannter Sturmjäger

Heute ist der 28-Jährige aus Fischbachau im Kreis Miesbach ein sogenannter Sturmjäger: Mit Gleichgesinnten verfolgt und fotografiert er als Hobby Gewitter in ganz Südbayern. Die Gruppe nennt sich ­Unwetter Freaks und teilt ihre Fotos und Videos in sozialen Medien wie Facebook, Instagram und Twitter. „Wir wollen die Menschen auch rechtzeitig vor Hagel oder anderen gefährlichen Wetterlagen warnen“, sagt Hutter.

Diesen Sommer hatten die Sturmjäger besonders viel zu tun. „Es gab so viele Superzellengewitter wie schon lange nicht mehr“, berichtet Hutter. Superzellen sind besonders große Gewitterkomplexe*, die zum Beispiel mit heftigem Starkregen, Hagel, schweren Sturm- und Orkanböen oder sogar Tornados einhergehen. „Sie sind sehr langlebig“, erklärt Hutter. Rund zehn Superzellen fotografierten er und die anderen Gruppenmitglieder heuer schon. Die meisten haben ihren Ursprung im Allgäu. „Es gibt zwei typische Zugbahnen“, sagt er. „Entweder die Superzellen ziehen Richtung Nordosten oder an den Alpenrand.“ München hatte Glück: „Alle Superzellen sind vorbeigezogen…“

Unwetter-Bilanz: 1399 Erdblitze in München in diesem Sommer aufgezeichnet

Doch auch in der Stadt gab es diesen Sommer einige Unwetter*. Der Siemens-Blitz-Informationsdienst zeichnete in München bis Ende vergangener Woche 1399 Erdblitze auf. Zum Vergleich: 2020 waren es im gesamten Jahr 698 Erdblitze – und 2019 nur 374 Erdblitze. Bayernweit liegt die Zahl der Erdblitze heuer schon bei 144 000. Im gesamten Vorjahr waren es 114 000… „Bei der Blitzdichte liegen derzeit der Landkreis Starnberg sowie Augsburg und Kempten vorne“, sagt eine Sprecherin.

„Der Juni und der Juli waren sehr gewitterlastig“, berichtet auch Guido Wolz, Meteorologe beim Deutschen Wetterdienst (DWD). Er betont: „Das hat zunächst noch nicht unmittelbar mit Klimaschwankungen zu tun, sondern ist immer der aktuellen Wetterlage geschuldet.“ Viele und schwere Gewitter träten insbesondere dann auf, wenn im Sommer feuchte, subtropische Luft aus Südwesten zu uns gelangt.

Michael Hutter ist mit seiner Kamera auf der Jagd nach den spektakulärsten Gewitter-Fotos.
Michael Hutter ist mit seiner Kamera auf der Jagd nach den spektakulärsten Gewitter-Fotos. © Thomas Plettenberg

Die Unwetter Freaks analysieren das Wettergeschehen immer ganz genau. „Vier oder fünf Tage zuvor gibt es bei schweren Gewittern schon eine Tendenz“, sagt Michael Hutter. „Ein bis zwei Tage vorher ist die Sicherheit dann relativ hoch.“ Für besonders außergewöhnliche Gewitter fährt die Gruppe manchmal auch ins Ausland. Nächstes Jahr ist zum Fotografieren eine Reise in die „Tornado Alley“ in den USA geplant.

Egal ob in der Ferne oder in Bayern: „Man fährt nie alleine, sonst kann es schnell gefährlich werden“, sagt Hutter. Deshalb ist neben dem Fahrer immer noch ein Navigator dabei und jemand, der die Wetterkarten verfolgt. „Die Kunst ist, immer im Trockenen zu bleiben“, erklärt der 28-Jährige. „Wir wollen nicht direkt im Gewitter sein, sondern am besten davor bleiben.“ Dort entstehen dann auch die schönsten Fotos und Videos. Michael Hutter ist auch heute noch jedes Mal fasziniert von der Gewalt der Gewitter: „Man spürt einfach, wie unkontrollierbar die Natur ist…“*Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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