Wegen Unwetterwarnung

LKW-Einreisesperre nach Italien verhängt

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München - Reinhold ist schuld daran, dass nichts mehr geht. Das Tief mit dem althochdeutschen Namen bringt massenhaft Schnee und hat die Südseite der Alpen fest im Griff. Der Lkw-Verkehr steht still – für wie lange, ist unklar.

Zwangspause seit 5 Uhr früh für Kraftfahrer Andreas Knobl an der Raststätte Kiefersfelden. Dem 51-Jährigen passt das gar nicht: „In Siena in einem Krankenhaus warten sie auf uns“, sagte der Lastwagenfahrer gestern um 15.30 Uhr. „Wir sind überfällig, um 14 Uhr hätten wir unsere Ladung, eine Röntgenanlage der Firma Siemens, dort abliefern sollen“, und dass das nicht klappte, konnte Knobl eigentlich gar nicht so recht nachvollziehen. „Man hört nichts mehr in den Nachrichten, was soll das denn überhaupt für ein Unwetter sein?“ Er war mit seinem Kollegen Alexander Höhn (40) von Nürnberg nach Siena unterwegs, doch die zwei kamen nur bis zur Raststätte Kiefersfelden an der Inntal-Autobahn. Dort war Schluss. „Wir haben die Schilder gesehen, dass in Italien für Lkw Einreisesperre gilt und jetzt warten wir ab.“ Sollte Dienstagfrüh immer noch nichts gehen, „fahren wir zurück nach Nürnberg“. Aber die eine Nacht warten sie auf jeden Fall im Lkw an der Autobahnraststätte, ob es nicht doch bald weitergeht. „Wir hoffen das sehr, sonst müssen die in Siena ja wegen uns den ganzen Zeitplan für die Baustelle verschieben."

Aber so wird es wohl kommen. Meteorologe Guido Wolz vom Deutschen Wetterdienst jedenfalls prognostiziert mindestens einen halben Meter Neuschnee in Norditalien in der Nacht von Montag auf Dienstag. Erst am Donnerstag scheine wieder die Sonne am südlichen Alpenrand, sagt Wolz: „Davor wirkt eine starke Südwestströmung wie ein Sog und zieht Wasserdampf aus dem Mittelmeer nach Norden“, erklärt der Meteorologe. An den Alpen stauen sich die Wolken und es schneit stark.

Deshalb sperrte Norditalien seine Autobahnen schon Sonntagnacht um 22.30 Uhr für Lkw über 7,5 Tonnen auf unbestimmte Zeit. Montagfrüh zogen Österreich und Slowenien nach. Und an der deutsch-österreichischen Grenze begann „das Riesenproblem“, wie es der Pächter der Autobahnraststätte Kiefersfelden nennt. Denn wenn Österreich zu ist, bleibt der deutschen Polizei meist nichts anderes, als die Lkw wie an einer Perlenschnur auf den Standstreifen an der Autobahn aufzureihen, wenn alle Rastplätze belegt sind. Und das ging auch gestern wieder schnell: Am Nachmittag meldete das Polizeipräsidium Oberbayern Süd, dass sämtliche Parkflächen entlang der Autobahnen München-Salzburg und Rosenheim-Kufstein voll waren.

Die 70 Parkplätze auf dem Rastplatz Kiefersfelden waren schon gestern Mittag belegt. „Wir sind komplett voll“, sagte der Pächter – und prognostizierte das „totale Chaos“. Obwohl der Verkehrsfunk seit Stunden über die Sperrungen informierte, strömten weiterhin Lkw zur Grenze. „Darunter viele Fahrer ausländischer Speditionen, die sich voll auf ihr Navi verlassen, weil sie keinen deutschen Verkehrsfunk verstehen“, sagt der Pächter.

„Ist ein Lkw erst einmal unterwegs, bleibt bei Einreise-sperren meist nichts anderes, als die Nacht auf dem Standstreifen zu verbringen“, sagt der Garchinger Spediteur Heinrich Strobl (60), Vorsitzender des Landesverbands Bayerischer Spediteure. „Immerhin haben die Lkw-Fahrer feste Kleidung, doppeltes Bettzeug, eine Standheizung, Speis und Trank an Bord, denen geht es im Stau viel besser als Autofahrern.“

Von Susanne Sasse

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