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28 Zuchtbullen verbrennen in diesem Stall bei Altomünster. Der Schaden: 1 Million Euro.

Unwetter: Als 15 Minuten lang die Welt unterging

München - Schon wieder hat eine heftige Unwetterfront Bayern heimgesucht. Gewitter, Hagel und Blitze haben Schäden in Millionenhöhe angerichtet. Die Bilanz einer unruhigen Nacht.

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Unwetter über Bayern: Hagel, Blitz und heftiger Regen

Als Kreisbrandrat Gerhard Bullinger gestern Nachmittag aufs Wetterradar blickte, „dachte ich, jetzt geht gleich die Welt unter“. Überall war die Karte rot, an manchen Stellen sogar violett: Hagelwarnung. Unaufhaltsam rollten die Unwetterzonen auf Bayern zu.

Hagelschlag am Walchensee

Hagel-Unwetter in Urfeld und Walchensee

Besonders hart traf es den Alpenrand. Von den Landkreisen Ostallgäu, Bad Tölz-Wolfratshausen bis zu Traunstein gingen schwere Hagelgewitter runter. Hinzu kamen Windböen der Stärke acht bis neun und extreme Regenmassen. „Mancherorts ist in 20 Minuten so viel Regen gefallen, wie sonst in einem halben Monat“, berichtet Andreas Wagner vom Wetterdienst meteomedia.

Blitze verursachten zahlreiche Brände, Hagelkörner, so groß wie Golfbälle, zerschmetterten Dachziegel und Autoscheiben. Die Versicherungskammer Bayern geht nach einer vorläufigen Schätzung von 3,5 Millionen Euro Schaden aus, sagte Sprecherin Claudia Scheerer.

Bilder aus Ober- und Unterammergau

Bilder vom schweren Hagel-Unwetter

Allein in Ober- und Unterammergau (Kreis Garmisch-Partenkirchen) dürfte der Schaden in die Zehntausende gehen. Früh setzte hier das Gewitter ein - um 16.20 Uhr ging es los, 15 Minuten später war alles vorbei. Doch der heftige Hagelschauer hinterließ eine Spur der Zerstörung. „Ich hab’ mir aus lauter Angst nur noch die Hände vor’s Gesicht gehalten, weil ich dachte, dass der Hagel jeden Moment die Windschutzscheibe durchschlägt“, sagte eine Augenzeugin. Aus Walchensee (Kreis Bad Tölz-Wolfratshausen) berichten Zeugen von „tennisballgroßen“ Eisklumpen, die vom Himmel fielen. Nachdem der Hagel Dachfenster durchschlagen hatte, setzte der Starkregen die Wohnungen unter Wasser.

Großbrand bei Altomünster

Großbrand bei Altomünster

Später erreichte das Unwetter den Kreis Dachau. Gegen 20.45 Uhr geriet ein Hof in Altomünster in Brand, nachdem ein Blitz eingeschlagen war. 28 Zuchtbullen verbrannten im Stall. Im Kreis Weilheim-Schongau schlug ein Blitz in einem Stadel ein. Das Gebäude in Wildsteig brannte völlig nieder - verletzt wurde niemand. Auch die Feuerwehren im Kreis Erding wurden im Minutentakt alarmiert. Kurz nach 22 Uhr meldeten Zeugen einen Baum in der Oberleitung am S-Bahnhof. Der Ast hatte Feuer gefangen, die Flammen drohten auf den Triebwagen überzugreifen.

Unwetter: Landkreis Erding säuft ab

Unwetter: Landkreis Erding säuft ab

Der Ebersberger Kreisbrandrat Bullinger hatte Glück - das Unwetter zog „acht Kilometer“ an ihm vorbei in Richtung Rosenheim. Dafür kam es nach einem Blitzeinschlag im Umspannwerk in Prien in vielen Ortschaften zu einem Stromausfall. 20 000 Menschen saßen im Dunkeln.

Auch auf Herrenchiemsee gingen die Lichter aus, als gerade ein Klavierkonzert stattfand. Per Notstrom wurde eine Lampe befeuert, die den Flügel erleuchtete. Beethoven kann eben auch das schwerste Unwetter nicht stoppen.

Von Thomas Schmidt

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