Einige Dörfer von Außenwelt abgeschnitten

Unwetter in Bayern: Massen-Crash, Überflutungen und Chaos

Aschaffenburg - Das Unwetter hat am Donnerstag Teile von Bayern hart getroffen. Auf der A6 gab es eine Massenkarambolage, Ortschaften im Landkreis Aschaffenburg waren von der Außenwelt abgeschnitten.

Nach dem schweren Unwetter im Landkreis Aschaffenburg haben am Freitagmorgen die Aufräumarbeiten begonnen. „Wir befürchten einen Millionenschaden“, sagte Otto Hofmann von der zuständige Kreisbrandinspektion am Freitag. 

Hunderte Keller in der Gemeinde Krombach und in Markt Mömbris standen bis zum Morgen unter Wasser. Zudem sei Heizöl aus losgerissenen Tanks ausgelaufen. Feuerwehr und Technisches Hilfswerk mussten nach eigenen Angaben an 350 Einsatzstellen Schlamm und Wasser abpumpen. Einen Dammbruch der Kahl konnten die Helfer in der Nacht verhindern.

Bürgermeister und Landrat wollten sich am Vormittagvor Ort ein Bild von der Lage machen. „Teilweise waren die Ortschaften durch überflutete Straßen von der Außenwelt abgeschnitten“, sagte Hofmann. Inzwischen seien die Straßen wieder passierbar. Auch der Bahnverkehr war zwischenzeitlich unterbrochen.

Bilder vom schweren Unwetter

Das schwere Unwetter mit lang anhaltendem Starkregen hat in Unterfranken Schäden in zweistelliger Millionenhöhe verursacht. Besonders betroffen war Mömbris im Landkreis Aschaffenburg. „Wir gehen im Moment davon aus, dass in unserer Region die Schadenshöhe bei etwa zehn Millionen Euro liegen wird“, sagte Bürgermeister Felix Wissel am Freitag. „Das war ein Unwetter, das ich so noch nicht erlebt habe.“ Verletzt wurde dabei am Donnerstag glücklicherweise niemand. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) hatte für den Landkreis zuvor eine Unwetterwarnung herausgegeben.

Infrastruktur massiv beschädigt

Die Hochwasserschäden im Landkreis Aschaffenburg sind massiv. „Die private und öffentliche Infrastruktur wurden schwer beschädigt“, zog der Bürgermeister bittere Bilanz. Gut drei Dutzend Straßen waren nicht mehr passierbar, Hänge stürzten ein, die Kahlgrundbahn musste ihren Betrieb einstellen, Keller und Erdgeschosse wurden überflutet. 400 bis 500 Haushalte seien betroffen. Anwohner der benachbarten Gemeinde Krombach waren zeitweise ohne Strom, aus einem Öltank lief Heizöl aus. Einen Dammbruch des Flusses Kahl konnten die Helfer in der Nacht verhindern.

Zudem haben die Wassermassen den Friedhof von Mömbris überspült und 50 bis 60 Zentimeter tiefe Löcher in den Boden gerissen. „Jedes der etwa 150 Gräber hat einen Totalschaden.“ Leichenteile seien nicht zum Vorschein gekommen. Der Friedhof werde nun jedoch aus Sicherheitsgründen für längere Zeit gesperrt bleiben. Mehr als 650 Helfer von Feuerwehr und Technischem Hilfswerk waren stundenlang an rund 350 verschiedenen Orten im Einsatz. Am Freitag halfen sie mit teils schwerem Gerät beim Aufräumen.

Unwetter von außergewöhnlichem Ausmaß

Thomas Rollmann, Sprecher der Kreisbrandinspektion, sagte gegenüber der Nachrichtenagentur dpa: „Ein Unwetter in dem Ausmaß haben wir die letzten Jahre nicht gehabt.“ 

Auf der A6 geriet ein Pkw bei der Ausfahrt Wernberg-Ost (Landkreis Schwandorf) in Fahrtrichtung Nürnberg ins Schleudern. Der Wagen prallte gegen zwei Motorräder, deren Fahrer unter einer Brücke vor dem Hagel Schutz gesucht hatten. Da sie sich hinter der Leitplanke befanden, wurde niemand verletzt. Der Sachschaden dürfte aber bei rund 45.000 Euro liegen. Ebenfalls auf der A6 geriet ein Pkw beim Parkplatz Laubenschlag ins Schleudern und krachte gegen die Mittelleitplanke. Der Fahrer wurde dabei leicht verletzt.

Es haben sich etliche weitere Unfälle ereignet. Ein Nissan schoss aufgrund des Starkregens von der A9. Der Fahrer, ein 44-jähriger Thüringer, hatte zwischen den Anschlussstellen Pegnitz (Lkr. Bayreuth) und Trockau die Kontrolle über seinen Wagen verlor.

Das Hagel-Unwetter haben auch die Oberbayern am Donnerstag zu spüren bekommen, allerdings blieben die Schäden hier weitestgehend im Rahmen.

So kam es zu dem Unwetter

Wie es zu dem Starkregen kommen konnte, erklärte Martin Schwienbacher vom DWD: „Die Gewitter am Donnerstag haben sich kaum von der Stelle bewegt und die Orte lange Zeit mit kräftigem Niederschlag versorgt.“ Die Gewitterzellen hätten sich wie an einer Perlenkette aufgereiht von Frankfurt über Franken hingezogen. An einer Messstation in Frankfurt am Main fielen in einer Stunde 23 Liter Wasser auf den Quadratmeter, den Radardaten zufolge waren es in der Spitze im Landkreis Aschaffenburg sogar rund 30 Liter pro Quadratmeter. „15 Liter pro Stunde sind unsere Schwelle für eine Warnung“, sagte Wetterberater Schwienbacher weiter. Der heftige Regen hatte den Frankfurter Flughafen am Donnerstag für fast zwei Stunden lahmgelegt. 133 Flüge wurden annulliert.

Für die kommenden Tage sagte der DWD zumindest für weite Teile Bayerns weniger Regen voraus. Lediglich am Alpenrand werde es Dauerregen und damit die Gefahr von Hochwasser geben.

kg/dpa

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