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Mit den Renners gemeinsam frühstücken, das können Gäste, die auf dem Bauernhof in Walpertskirchen im Kreis Erding Urlaub machen. Sogar aus Saudi-Arabien kommen Touristen, um bei den Renners auszuspannen.

1600 Familien verdienen damit ihr Geld

Urlaub auf dem Bauernhof liegt im Trend

Walpertskirchen – Waldspaziergang statt Wellnessmassage, selbst gemachte Marmelade statt Fünf-Gänge-Menü. Immer mehr Touristen suchen im Urlaub nicht den Luxus, sondern das Besondere. Rund 1600 Bauernfamilien in Bayern haben diesen Trend bereits erkannt – und verdienen damit ihr Geld.

Neulich musste Johannes einspringen. Die Oma hatte Dienst an der Rezeption. Und sie hat den Gast aus Saudi-Arabien, der nach einem „Pillow“ fragte einfach nicht verstanden. Zum Glück spricht ihr zwölfjähriger Enkel schon ein bisschen Englisch – und hat schnell ein Kissen für den Urlauber geholt. Der ist schmunzelnd zurück auf sein Zimmer gegangen. „Herrlich, dieses Bayern“, hat er sich vielleicht gedacht. So authentisch. So familiär und unkompliziert. So absolut liebenswert.

Das war ihm die Reise in einen Ort, dessen Name in Saudi-Arabien niemand aussprechen kann, wert. Wer bei Familie Renner im 2000-Einwohner-Ort Walpertskirchen im Landkreis Erding Urlaub macht, bekommt keinen Swimmingpool oder Wellnessbereich geboten. Dafür aber echtes bayerisches Landleben. Frühstückseier, die die Hennen erst vor ein paar Stunden gelegt haben. Unberührte Natur direkt vor der Haustür. Heiße Schokolade oder frisch gekochten Kaffee nach dem Waldspaziergang, dazu selbst gebackenen Kuchen von der Oma.

Es ist ein Stück bayerisches Familienleben, das die Renners ihren Gästen bieten. Und das kommt an. Nicht nur in den Nachbarländern. Die Urlauber kommen von überall her, seit sich die Renners 2003 neben der Landwirtschaft ein zweites Standbein geschaffen haben.

Sie bieten „Landurlaub“ an. So heißt das Konzept offiziell. Es ist ein noch relativ junger Trend, der sich aus den bereits bewährten „Ferien auf dem Bauernhof“ entwickelt hat, sagt Thorsten Alms vom Landesverband Bauernhof- und Landurlaub Bayern. Ein Trend, der mehr Zielgruppen anspricht, betont er. Nicht nur Familien mit Kindern, sondern auch Senioren, Singles, Geschäftsleute, die ausspannen wollen. Einige der Bauernfamilien haben gar keine Tiere oder Felder mehr. Oder sie verdienen mit der Landwirtschaft nur noch im Nebenerwerb. „Besonders die Betriebe, die sich auf ein Thema spezialisiert haben, sind bei Touristen inzwischen sehr beliebt“, sagt Alms. Das können Pferde sein, Kräuterpädagogik, Bio oder Gesundheit. Es ist ein Konzept, das auch das ganze Jahr über funktioniert, sagt Alms. „Einige Bauern legen auf ihren Feldern gespurte Langlaufloipen an. Andere organisieren Pferdeschlittenfahrten.“

Sie punkten nicht mit Luxus, sondern mit Familienfreundlichkeit, Flexibilität und Authentizität. Trotzdem, sagt Ingrid Renner, ein Grundkomfort muss geboten werden. Sie und ihr Mann haben deshalb vor zwölf Jahren erstmal gewaltig investiert in ihren jahrhundertealten Zehmerhof. Jetzt gibt es dort schnelles WLAN für alle Gäste, moderne Zimmer mit Fernseher, ein Frühstücksbuffet mit selbstgemachter Marmelade, ein gemütliches Wohnzimmer für alle Gäste – mit gratis Kaffee und Kakao für die Kinder. Inzwischen haben die Renners soviele Stammgäste, dass sie sich um ihr Einkommen keine Sorgen mehr machen müssen. Allein mit der Landwirtschaft hätten sie das nie geschafft.

Die Zahl der Bauernhöfe geht in Bayern weiter leicht zurück, sagt Thorsten Alms. Die Mitgliederzahl im Landesverband Bauernhof- und Landurlaub hingegen steigt kontinuierlich. Mittlerweile sind es rund 1600. Sie sind gut vernetzt, geben sich Tipps, empfehlen sich gegenseitig weiter, wenn Anfragen kommen und schon alle Betten belegt sind.

Das ist bei Ingrid Renner und ihrem Mann Toni inzwischen oft der Fall. Bei ihnen sind die Urlauber nicht Gäste, sondern für kurze Zeit Teil der Familie. Manche nehmen sich bei ihrer Abreise sogar ein klein wenig Landzauber mit nach Hause: Neulich hat ein Gast sogar noch nachträglich per Post um ein Glas der legendären Kirsch-Schoko-Mandel-Marmelade gebeten. Natürlich hat Ingrid Renner gleich ein Paket losgeschickt. Sowas, findet sie, zählt manchmal eben mehr als Swimmingpool und Wellnessbereich.

Von Katrin Woitsch

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