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Michael Herrmann ist der Bruder von Ursula Herrmann

Mordfall Herrmann

Ursulas tapferer Bruder

Augsburg - Ein Nachbau der Kiste, in der Ursula Herrmann vor 27 Jahren qualvoll erstickte: Mit Blick auf dieses Beweismittel erinnerten sich Polizisten beim Augsburger Prozess an ihre grausige Entdeckung im Jahr 1981. Für Ursulas Bruder Michael ein erschütternder Tag.

Die Angeklagten Werner M. und seine Frau Gabriele F. Sie muss sich wegen Beihilfe verantworten.

Angespannt sitzt Michael Herrmann auf seinem Platz im Augsburger Gerichtssaal. Sein Blick ist wie versteinert, die Augen fixieren die nur wenige Meter vor ihm stehende Kiste. So sah das hölzerne Gefängnis aus, in dem seine Schwester Ursula vor 27 Jahren qualvoll erstickte. Es muss ein schrecklicher Anblick für den 46-Jährigen sein. Gleich dahinter sitzen die mutmaßlichen Entführer der damals Zehnjährigen, Werner M. (58) nebst Gattin. Michael Herrmann kann ihnen direkt in die Augen blicken - und genau das tut er immer wieder.

Der zweite Prozesstag am Landgericht Augsburg im Fall Herrmann - es war der Tag eines tapferen Auftritts: Fast den gesamten Tag verfolgte Michael Herrmann (der zur Tatzeit 18 Jahre alt war) als Nebenkläger die Zeugenaussagen. Und das, obwohl grausige Details geschildert wurden. Wollte das Gericht doch genau wissen, wie Ursulas Leiche gefunden wurde.

Unter anderem sagte ein ehemaliger Spurensicherer aus: Der Kriminalbeamte hatte am 4. Oktober 1981 die im Wald vergrabene Holzkiste als erster geöffnet. "Mir wurde mitgeteilt, dass ein rot-brauner Stoff gefunden wurde", erzählte er. Als er an der Stelle ankam, zog er den Stoff weg und bemerkte, dass eine Kiste darunter versteckt war. Zuerst dachten er und seine Kollegen, dass sie vielleicht ein Erddepot von Wilderern entdeckt hätten. "Die Kiste war verschraubt. So habe ich einen Spaten genommen und sie damit aufgehebelt."

Ein Polizeibeamter zeigt im Gerichtssaal einen originalgetreuen Nachbau der Kirste, in der Ursula Herrmann erstickte

Dann kam der Schock: "Da habe ich gesehen, dass das Mädchen drin ist." Sie sei ganz kalt gewesen. Ursula habe keine Überlebenschance gehabt, da es keine Luftzufuhr von außen gab, obwohl der Entführer ein Belüftungsrohr konstruiert hatte. Das aber war mit Laub verstopft.
Michael Herrmann atmete bei diesen Schilderungen immer wieder tief durch. Im Gerichtssaal wurden zur Verhandlung ein Nachbau der Kiste sowie das rote Fahrrad aufgestellt, von dem das Mädchen bei der Entführung heruntergezerrt worden war.

Auch der Beamte wurde in den Zeugenstand gerufen, der Werner M. kurz nach der Tat als erster vernahm. Er bezeichnete den Angeklagten als "egozentrisch, eiskalt und rücksichtslos". Aber: Trotz eines Haftbefehls und widersprüchlicher Angaben zu dessen vorgebrachten Alibis hätten sich gegen ihn damals keine Sachbeweise ergeben.

Damit nicht genug: Der heute im Ruhestand lebende Beamte berichtete über polizeiinterne Auseinandersetzungen in dem Entführungsfall. Er habe die Ermittlungen durch Kollegen als "absolut fehlerhaft und mangelhaft" nach oben gemeldet. Das sei aber nicht auf Gegenliebe gestoßen. Er sei daraufhin von dem Fall abgezogen worden. Die Spur des jetzt Beschuldigten sei trotz Tatverdachts nicht weiterverfolgt worden. Werner M. gab zu den Schilderungen keinen Kommentar ab.
Der Angeklagte hatte am ersten Tag betont, dass er "unschuldig" sei.

Die Verteidigung des Angeklagten sprach von heute nicht mehr nachvollziehbaren Umständen der damaligen Ermittlungen. Der Prozess dauert an.
mm

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