Nach brutaler Vergewaltigung: Dritter Täter geschnappt!

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Ursula Herrmann

Verteidigung sucht Schwachstellen bei Gutachten

Augsburg - Im Prozess um die Entführung von Ursula Herrmann hat die Verteidigung am Donnerstag vor dem Landgericht Augsburg erhebliche Zweifel an dem vorgelegten Tonband-Gutachten geäußert.

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Das bei dem Angeklagten beschlagnahmte Gerät gilt der Anklage als Hauptindiz für die Täterschaft des Beschuldigten. Ein Gutachten des Bayerischen Landeskriminalamtes (LKA) hatte ergeben, dass die in dem Entführungsfall mitgeschnittenen Erpresseranrufe wahrscheinlich mit dem Tonbandgerät gemacht worden sind. Verteidiger Walter Rubach zweifelte die Übereinstimmung von Geräuschen auf den Erpresseranrufen und dem Tonbandgerät an.

Der Fall Ursula Herrmann

Entführungsfall Ursula Herrmann

Wegen erpresserischen Menschenraubes mit Todesfolge steht ein 59-jähriger Angeklagter mit seiner Frau vor Gericht. Er soll im September 1981 bei Eching am Ammersee die zehn Jahre alte Ursula entführt und in eine im Wald vergrabene Kiste gesperrt haben. Das Mädchen war Stunden später erstickt und erst 19 Tage später gefunden worden. In dieser Zeit waren bei Ursulas Eltern Erpresserbriefe mit Lösegeldforderungen von umgerechnet einer Million Euro eingegangen, die von der Frau zusammengeschnipselt worden sein sollen. Erpresseranrufe mit dem Verkehrsfunksignal des Bayerischen Rundfunks sollen von dem Angeklagten mit Hilfe des Tonbands gefertigt worden sein.

Das LKA-Gutachten hatte nach der Sicherstellung des Tonbands 2007 in der Wohnung des Angeklagten die Erpresseranrufe und das Gerät untersucht. Dabei wurde festgestellt, dass Ursachen für eine signifikante Verzerrung des höchsten Signaltons auf den Anrufen wahrscheinlich eine Fehlstellung des Tonkopfes in Kombination mit einem veränderten Stellungswinkel der Lautsprecher am Gerät sind. Hinzu kommen zwei typische Schaltgeräusche, die auch dem Gerät zugeordnet werden. Die Staatsanwaltschaft bezeichnete diese Indizien als "außerordentlich frappierende Ähnlichkeit". Die LKA-Gutachterin erklärte, es sei nicht vorstellbar, dass sich diese markanten Merkmale mit einem anderen Gerät wiederholen ließen.

Verteidiger Rubach wies darauf hin, dass auf den Erpresseranrufen zwei Schaltgeräusche seien, die definitiv nicht von dem fraglichen Tonbandgerät stammen. Zudem könnten die dem Gerät des Angeklagten zugeordneten Geräusche in den Erpresseranrufen auch von anderen Tonbandgeräten stammen. Er warf dem LKA vor, bei der Auswertung von Materialien und Tests für das Gutachten willkürlich vorgegangen zu sein. So sei nicht klar, ob es sich bei dem Signal auf den Anrufen um ein Original des Verkehrsfunks handle oder um eine Variante, durch die die festgestellte Tondämpfung auch erklärt werden könnte.

Michael Herrmann, Ursulas Bruder, stellte als Nebenkläger kritische Fragen zu den akustischen Auffälligkeiten. Er habe noch Zweifel an einigen Details, sagte er am Rande der Verhandlung. Er wolle zur Klärung des Sachverhalts beitragen. "Ich will, dass die Sache Hand und Fuß hat, damit bei einer Verurteilung durch das Hauptindiz unsere Familie sagen kann: Ja, jetzt haben wir den Täter", sagte Herrmann. Noch seien letzte Zweifel nicht ausgeräumt und die Alleintäterschaft des Angeklagten nicht überzeugend dargelegt.

dpa

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