Urteil im Inzest-Prozess: Angeklagter muss ins Gefängnis

Willmersbach - Er hat über Jahrzehnte hinweg mit seiner Tochter geschlafen, nun wurde ein 69 Jahre alter Rentner aus Bayern deswegen zu zwei Jahren und acht Monaten Haft verurteilt.

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Opfer macht schwere Vorwürfe

Angeklagter: Tochter wollte Sex

Richter Günther Heydner bemühte sich redlich um Verständnis für sein Urteil. Fast zwei Stunden lang beleuchtete der Vorsitzende der Großen Strafkammer in seiner Urteilsbegründung jedes Detail des sechstägigen Prozesses, verglich wortgenau die Zeugenaussagen und ließ fast keinen Aspekt unbeachtet. Die schwierige Beweislage habe ihm im Nürnberger Inzest-Prozess gar keine andere Wahl gelassen: Vergewaltigung habe sich nicht nachweisen lassen, und die Höchststrafe für Inzest liegt nun mal bei drei Jahren.

Das Urteil des als „harter Hund“ bekannten Richters im Saal 600 des Landgerichts Nürnberg-Fürth glich einem Paukenschlag: Der wegen fast 500 Vergewaltigungen seiner Tochter angeklagte Rentner muss wegen Inzests gerade mal für zwei Jahre und acht Monate hinter Gitter. Selbst die Verteidigung hatte für ihren Mandanten mehr gefordert.

Auf den Zuschauerbänken war nach der Verkündung des Strafmaßes ein kurzes Raunen zu vernehmen. Die Tochter, die kurz vor Prozessbeginn unauffällig im Zuschauerraum Platz genommen hatte, folgte fast eine Stunde der Urteilsbegründung, stürzte dann aber plötzlich aus dem Gerichtssaal – verfolgt von Fotografen und Kamerateams. Der Angeklagte hörte der Urteilsbegründung weitgehend teilnahmslos zu und meinte am Ende kurz, das Urteil sei schon in Ordnung.

Bilder aus dem Gerichtssaal

Inzest-Prozess wird fortgesetzt

Ein Fall wie der in Willmersbach scheint mit dem klassischen juristischen Instrumentarium kaum zu fassen. Doch Richter brauchen nun mal klare Beweise und widerspruchsfreie Aussagen des Opfers. Genau daran hat es, wie der Kammervorsitzende penibel belegte, hier gefehlt. Zu häufig habe sich das Opfer in dem ganzen Verfahren widersprochen oder „Schilderungen von Aussage zu Aussage dramatisiert“.

Anwältin Andrea Kühne, die die Tochter im Prozess vertrat, beklagt, dass in dem Urteil „Juristerei und Psychologie weit auseinanderklaffen“. Wer schon als Teenager und insgesamt mehr als 30 Jahre von seinem Vater mehrfach die Woche zum Sex gedrängt worden sei und drei Kinder von ihm zur Welt brachte, könne nicht mit normalen Wertmaßstäben beurteilt werden.

Von Klaus Tscharnke

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