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Die Szene ging glimpflich aus – anders als die in Untermeitingen, als ein Trainer schwer verletzt wurde.

Kopftreffer mit Folgen

Jugendlicher soll Trainer Schmerzensgeld zahlen

Augsburg - Es war ein Fehlschuss, der vor Gericht landete: Ein verunglückter Ball, den ein damals 13-Jähriger getreten hatte, traf den Trainer so unglücklich, dass er schwer verletzt wurde. Nun hat ihm ein Gericht Schmerzensgeld zugesprochen.

Die Geschichte begann harmlos. Am 26. Oktober 2010 trainierte die C-Jugend des SV Untermeitingen (Kreis Augsburg) auf dem vereinseigenen Fußballplatz, man übte „Tretze“, ein simples Pass-Spiel. Ein 13-jähriger Kicker machte irgendwann nicht mehr mit. Er schnappte sich einen Ball, lief von der Spielfeldmitte aufs verwaiste Tor zu und trat von der Strafraumgrenze den Ball Richtung Tor. Das ging schief: Der Bub traf nicht ins Netz, sondern seinen Trainer seitlich am Kopf. Der Übungsleiter skizzierte gerade eine Übung, er konnte nicht reagieren. Beim Unfall erlitt er nach eigenen Angaben ein Schädel-Hirn-Trauma und leidet seitdem an Schwindelattacken und einem Tinnitus.

Der Fall ging vor das Augsburger Landgericht – der Trainer forderte ein Schmerzensgeld von 25 000 Euro sowie Schadensersatz. Das Gericht gab dem Kläger im Prinzip Recht, ohne jedoch eine Summe festzulegen. Die soll ein Gutachter bestimmen. „Dem Buben ist keine böse Absicht nachzuweisen, da er mit diesen Folgen nicht gerechnet hatte“, sagt Hermann Wagner, Vorsitzender am Landgericht Augsburg. Entscheidend sei aber, dass „ein normal entwickelter Jugendlicher dieses Alters die Gefährlichkeit seines Tuns hätte voraussehen und dieser Einsicht gemäß hätte handeln können“. Außerdem habe kein Spielbetrieb stattgefunden, bei dem aufs Tor geschossen worden sei. Es entspreche dem „Ehrencodex“ der Spieler, dass nicht aufs Tor geschossen werden dürfe, wenn jemand neben dem Tor stehe und nicht aufpasse.

Nun ist die Frage: Muss über die Sicherheit beim Fußballtraining angesichts möglicher Strafen neu nachgedacht werden? Bisher, scheint es, ist das Thema eher wenig beachtet worden. Der Bayerische Fußballverband (BFV) hat keine offiziellen Richtlinien, wann der Ball im Training aufs Tor geschossen werden darf und wann nicht – „da der BFV für die Organisation des Spielbetriebs, aber nicht für das Training seiner rund 4600 Mitgliedsvereine verantwortlich ist“, wie Verbandssprecher Patrik Domanski auf Anfrage mitteilt.

Trotzdem will sich der Verband, dem bislang keine ähnlich schweren Unfälle bekannt sind, jetzt mit dem Fall aus Untermeitingen befassen.

Es kommt schließlich regelmäßig vor, dass im Fußballtraining versehentlich jemand von einem Ball getroffen wird – auch wenn für gewöhnlich niemand so stark verletzt wird wie im verhandelten Fall. „So etwas habe ich noch nie erlebt“, sagt Ivica Erceg, U19-Trainer beim TSV 1860 München. Nur ein- oder zweimal sei es ihm in zehn Jahren als Trainer untergekommen, dass jemand aus Versehen am Kopf getroffen wurde.

Bei verunglückten Bällen gilt bei seinen Schützlingen die Devise: „Lautstark Achtung! schreien.“ Vor allem dann, wenn mehrere Jugendteams parallel trainieren. Erceg sagt, er weise vor der Saison immer auf die Gefahr von Querschlägern hin.

Claus Schromm, Trainer der SpVgg Unterhaching, erinnert sich an einen vergleichbaren Fall in der Halle. Da sei allerdings der Getroffene nicht verletzt worden. Er selbst nimmt das Urteil gelassen: „Bei meinen Spielern mache ich mir derzeit keine Sorgen, denn sie treffen ja dahin, wo der Ball auch hingehört“, scherzt Schromm. Er hofft, dass der tragische Fall in Untermeitingen ein Einzelfall bleibe.

„Für unseren Verein war dieser Unfall natürlich sehr unerfreulich, genauso wie für die beiden Parteien“, sagte SV-Vorsitzende Isabella Uhl unserer Zeitung. Alle Risiken könne man freilich nicht ausschließen. „Dass jemand schießt, obwohl es verboten ist, kann vorkommen – wie Buben halt oft sind.“ Im Fall des heute 15-jährigen Schützen war es ein teurer Fehlschuss. Die Kosten übernimmt vermutlich die Haftpflichtversicherung des Jugendlichen oder der Eltern.

Marc Lamberger

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