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Täter oder Opfer? Gustl Mollath.

Vor dem Urteil am Donnerstag

Gustl Mollath: Täter oder Intrigen-Opfer?

Regensburg - Gustl Mollath ist ein freier Mann ab Donnerstag - daran besteht kein Zweifel. Aber war er ein prügelnder Ehemann oder das Opfer einer Intrige seiner Ex-Frau?

„Die Beweislage ist schwierig“, sagt die Vorsitzende Richterin Elke Escher im Wiederaufnahmeverfahren gegen Gustl Mollath. Akribisch und detailversessen hat das Regensburger Landgericht den Fall des ehemaligen Psychiatrie-Patienten aufgearbeitet. 15 Prozesstage lang hat die Kammer über den Vorwurf der gefährlichen Körperverletzung, Freiheitsberaubung und Sachbeschädigung verhandelt. Der 57-Jährige soll seine Ex-Frau geschlagen, getreten, gebissen, bis zur Bewusstlosigkeit gewürgt und eingesperrt haben. Solche Fälle werden normalerweise innerhalb weniger Stunden abgeurteilt.

Gustl Mollath ist das alles aber nicht ausgiebig genug. Der 57-Jährige weiß, dass er das Gericht nach dem Urteil am Donnerstag als freier Mann verlassen wird und nicht wieder in die Psychiatrie muss. Bei einem Wiederaufnahmeverfahren zugunsten des Angeklagten darf dieser nicht schlechter gestellt werden als beim Ausgangsverfahren. Und in diesem war Mollath 2006 vom Landgericht Nürnberg-Fürth wegen Schuldunfähigkeit freigesprochen worden.

Der Nürnberger, der wegen damals attestierter Wahnvorstellungen mehr als sieben Jahre in der Psychiatrie saß, will aber mehr: „Ich will einen Freispruch erster Klasse, also aus bewiesener Unschuld.“ Er will unbedingt ein angebliches Komplott seiner Ex-Frau aufdecken, die Straftaten erfunden habe, „um mich kostengünstig zu entfernen“.

Dutzende Zeugen wollte er laden, um die Intrige, an der sich seiner Meinung nach Bankmanager, Rechtsanwälte, Gerichtsvollzieher, Psychiater und Staatsanwälte beteiligt haben, zu beweisen. Seitenlange Beweisanregungen liest er vor - zu den Taten in der Anklageschrift verliert er dagegen nur wenige Sätze: „Die mir vorgeworfenen Straftaten habe ich nicht begangen.“ Oder: „Ich habe nie den Weg des Rechts verlassen.“ Das Gericht lässt sich nicht darauf ein, das Verfahren noch mehr in die Länge zu ziehen. Der Staatsanwalt bringt es auf den Punkt: „Selbst wenn die Vorwürfe stimmen, ist das kein Grund, so auf seine Frau einzuwirken.“

Für das Ziel der vollständigen Rehabilitierung nimmt Mollath sogar den Bruch mit seinem Verteidiger Gerhard Strate in Kauf. Der renommierte Hamburger Strafverteidiger hatte die Freilassung des Nürnbergers und die Wiederaufnahme des Verfahrens erreicht - alles unentgeltlich, weil Mollath nach dem „Rosenkrieg“ mit seiner Ex-Frau und der Unterbringung nahezu mittellos war. Das ehemals gute Verhältnis ist zerrüttet, nachdem der Angeklagte der Strategie seiner Verteidiger nicht mehr folgen wollte. Strate will sich aber nicht zu Mollaths Marionette machen lassen. Erst legt er das Wahlmandat nieder, später will er auch das Pflichtmandat abgeben. Das Gericht lässt dies aber nicht zu.

Dabei fordert Strate einen Freispruch „ohne Wenn und Aber“. Er zeigt detailliert die angebliche Intrige von Mollaths Ex-Frau auf, als diese von ihrem Arbeitgeber wegen Schwarzgeldtransfers in die Schweiz unter Druck gerät.

Ob das Gericht dieser Version folgen wird oder der Anklage, die von gewalttätigen Auswüchsen in einem „Rosenkrieg“ ausgeht, wird sich am Donnerstag zeigen. Anders als die Richter in den vorherigen Verfahren gegen Mollath hat die Vorsitzende Richterin Escher den Nürnberger nun zumindest geduldig gewähren lassen. Dass der 57-Jährige nach dem Urteil und dem Freispruch Genugtuung oder gar Freude verspüren wird, ist jedoch nicht zu erwarten. Er wird wohl weiter gegen seine frühere Zwangsunterbringung und psychiatrische Gutachten kämpfen.

Andre Jahnke/dpa

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