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Josef Scheungraber

Urteil in Münchner Kriegsverbrecherprozess erwartet

München - In einem der letzten deutschen Kriegsverbrecherprozesse will das Münchner Schwurgericht nach fast elfmonatiger Dauer am Dienstag das Urteil sprechen.

Der 90 Jahre alte Angeklagte Josef Scheungraber wird des Mordes in 14 Fällen beschuldigt. Der ehemalige Kompaniechef des Gebirgspionierbataillons 818 im Range eines Leutnants soll im Juni 1944 in der Toskana den Befehl zu einem Vergeltungsschlag für den Tod zweier Soldaten in einem Partisanenhinterhalt erteilt haben. Dabei waren vier Angehörige der Zivilbevölkerung erschossen und zehn in einem Haus in die Luft gesprengt worden.

Die Staatsanwaltschaft sieht die Anklage durch die umfangreiche Beweisaufnahme bestätigt. Sie hat lebenslange Haft für den Rentner aus Ottobrunn bei München gefordert. Die Verteidigung plädierte auf Freispruch. Scheungraber hat im Vorfeld der Verhandlung jede Beteiligung an dem Massaker bestritten, er habe davon nicht einmal gewusst. In seinem Schlusswort beklagte er sich, er habe viele Jahre seines Lebens "diesem Vaterland geopfert" und stehe nun mit fast 91 Jahren als Angeklagter vor Gericht. "Das wünsche ich niemandem."

Zu der Urteilsverkündung wollen Angehörige der Opfer nach München kommen. Sie werden vom Bürgermeister von Cortona begleitet. Die Bluttaten vor 65 Jahren ereigneten sich in dem heute nicht mehr existierenden Weiler Falzano di Cortona. In Italien war Scheungraber 2006 in Abwesenheit zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Als deutscher Staatsbürger wurde er zur Strafvollstreckung nicht ausgeliefert, die Münchner Staatsanwaltschaft leitete aber ein eigenes Verfahren gegen den Träger der Bürgermedaille seiner Gemeinde ein und klagte ihn im Januar 2008 an.

dpa

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