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Bernd Schottdorf in Augsburg  vor dem Landgericht. Für kommenden Mittwoch ist ein Urteil im Prozess erwartet.

Am Mittwoch soll ein Urteil fallen

Urteil im Prozess gegen Laborarzt Schottdorf steht bevor

Augsburg - Laborleistungen im Wert von knapp 79 Millionen Euro sollen der Laborarzt Schottdorf und seine Frau zu hoch abgerechnet haben. Kommende Woche soll der Prozess um das Unternehmerpaar zu Ende gehen.

Der Millionen-Betrugsprozess gegen das Augsburger Laborunternehmer-Ehepaar Schottdorf soll in der kommenden Woche zu Ende gehen. Am Montag sollen nach dem Plan des Gerichts die Verteidiger und die Staatsanwaltschaft die Plädoyers halten, das Urteil ist dann zwei Tage später am Mittwoch (13. Januar) geplant.

Der 75 Jahre alte Laborarzt Bernd Schottdorf und seine Frau Gabriele Schottdorf (61) sind vor dem Landgericht Augsburg angeklagt, weil sie Laborleistungen im Wert von knapp 79 Millionen Euro zu hoch abgerechnet haben sollen. Das Unternehmer-Paar soll ein Netz von fünf scheinselbstständigen Labors betrieben haben, um vorgeschriebene Rabatte nicht gewähren zu müssen. Dadurch soll den kassenärztlichen Vereinigungen, die die Honorare für die Behandlung von Kassenpatienten auszahlen, ein Schaden von fast 13 Millionen Euro entstanden sein.

Vorwürfe komplett zurückgewiesen

Die Schottdorfs haben die Vorwürfe komplett zurückgewiesen. Sie haben zum Prozessauftakt betont, dass die in den fünf Laboratorien tätigen Ärzte nicht wie in der Anklage behauptet ihre verkappten Angestellten gewesen seien, sondern selbstständige Unternehmer.

Bernd Schottdorf stand bereits im Jahr 2000 wegen ähnlicher Vorwürfe vor Gericht, wurde damals aber freigesprochen. Damals ging es um 17 Millionen Mark (8,7 Millionen Euro), um die der Augsburger Mediziner die Kassen in den 1990er Jahren geprellt haben sollte. Es war einer der größten Betrugsprozesse im deutschen Gesundheitswesen bis dahin.

Verliefen etliche Betrugsermittlungen im Sande?

Bei den neuen Vorwürfen geht es um Labor-Abrechnungen aus den Jahren 2004 bis 2007. Die Anklage ist bereits vier Jahre alt. Wegen anderer großer Wirtschaftsstrafverfahren konnte das Landgericht den Prozess nicht früher führen.

Bernd Schottdorf steht auch im Mittelpunkt von Ermittlungeneines Untersuchungsausschusses des Bayerischen Landtags. Der Ausschuss soll klären, ob in den Jahren 2007 bis 2009 politischer Einfluss aus der CSUdazu führte, dass groß angelegte Betrugsermittlungen gegen etliche Ärzte wegen Laboruntersuchungen im Sande verliefen. Diesen Vorwurf haben mehrere Ermittler des Landeskriminalamts in München erhoben. Ein Beleg für solch eine Einflussnahme konnte bislang in dem Parlamentsgremium aber nicht gefunden werden.

dpa

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