Vater (51) beklaut behinderten Sohn: Haft

Lindau - Wegen Untreue und Betrugs hat das Amtsgericht Lindau den Vater eines Gewaltopfers zu einer Haftstrafe von zweieinhalb Jahren verurteilt.

Wie eine Gerichtssprecherin am Mittwoch mitteilte, habe der 51-Jährige aus Lindau in 238 Fällen rund 36 000 Euro vom Konto seines schwerstbehinderten Sohnes veruntreut. Das Geld soll er zu großen Teilen an Automaten verspielt haben. Der Mann war zum gesetzlichen Betreuer für seinen Sohn bestellt worden, seitdem dieser durch einen Überfall ein Pflegefall ist. Zwei Skinheads aus Österreich hatten im August 2006 den damals 19-Jährigen in Lindau fast zu Tode geprügelt.

Die beiden Täter waren 2007 von einem österreichischen Gericht wegen schwerer Körperverletzung zu langjährigen Haftstrafen verurteilt worden. Sie hatten ihr Opfer derart brutal zusammengeschlagen, dass der heute 23-Jährige voraussichtlich den Rest seines Lebens ein Pflegefall bleiben wird. Er lag nach dem Überfall zweieinhalb Monate im Koma. Dem Opfer waren 100 000 Euro Schmerzensgeld, seinen Eltern und seiner Schwester je 10 000 Euro zugesprochen worden.

Als Betreuer hatte der Vater Zugriff auf das Konto seines Sohnes, auf das auch Spendengelder eingingen. Finanzielle Unregelmäßigkeiten wurden durch eine Rechtsanwältin entdeckt, die als zweite Betreuerin eingesetzt worden war. Sie erstattete Anzeige gegen den Vater. Der 51-Jährige räumte vor Gericht die Vorwürfe ein. Als Begründung gab er an, dass er seit 1990 spielsüchtig sei. Ein psychiatrischer Gutachter hatte den Beschuldigten dennoch als voll schuldfähig eingestuft. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

dpa

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