Vater missbraucht Töchter - Prozessbeginn

Memmingen - Er soll sich jahrelang an seinen beiden Töchtern vergangen und mit einer von ihnen zwei Kinder haben:

Von diesem Dienstag an muss sich ein 46-Jähriger wegen Inzests vor dem Landgericht Memmingen verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm sexuellen Missbrauch von Schutzbefohlenen in 96 Fällen und 392 Fälle von Beischlaf zwischen Verwandten vor. Seine heute 24 Jahre alte Tochter erlitt eine Fehlgeburt und brachte im vergangenen Jahr einen Jungen zur Welt.

Doch ihr Martyrium begann schon viel früher: Bereits 2006 bekam die junge Frau ein Kind vom eigenen Vater. Diese Taten können nach Angaben des Gerichts jedoch nicht mehr geahndet werden, weil der Beischlaf zwischen Verwandten nach fünf Jahren verjährt. Deshalb sind nur Fälle zwischen 2006 und 2011 angeklagt. Die Übergriffe auf seine jüngere Tochter begannen im April 2006 - damals war die 21-Jährige noch minderjährig. Der Familienvater nahm das Mädchen unter anderem mit in die Garage oder hatte mit ihr Sex im Wohnzimmer der Wohnung, wo er getrennt von seiner Frau schlief.

Im Februar war der Familienvater im schwäbischen Krumbach festgenommen worden, seitdem sitzt er in Untersuchungshaft. Ein rechtsmedizinisches Gutachten belegte zwischenzeitlich, dass er der Vater der Kinder seiner älteren Tochter ist. Beide Frauen waren aus Angst vor dem Vater jahrelang nicht zur Polizei gegangen. Sie seien es gewohnt gewesen, dass das Familienoberhaupt die Entscheidungen traf und auch gewaltsam durchsetzte, heißt es in der Anklage. Zudem zog die Familie im Landkreis Günzburg mehrfach um und war in die Dorfgemeinschaften kaum integriert.

Neben dem mutmaßlichen Inzest in Schwaben erschüttert zur Zeit auch der Fall eines 69 Jahre alten Vaters aus dem mittelfränkischen Willmersbach den Freistaat. Ihm wird vorgeworfen, seine heute 46 Jahre alte Tochter seit Jahrzehnten immer wieder vergewaltigt und drei Kinder mit ihr gezeugt zu haben. Erst eine Bewährungshelferin, die dem mutmaßlichen Opfer nach einer Straftat zur Seite gestellt worden war, brachte den Fall ans Licht. Anders als in Schwaben war die Familie im Dorf bekannt und es gab Gerüchte. Aber niemanden, der handelte.

dpa

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