Vater versorgt minderjährigen Sohn mit Drogen

Ungläubig schüttelt Peter L. den Kopf. So, als könne er nicht glauben, was der Staatsanwalt ihm vorwirft. Der 45-Jährige habe seinen Sohn und dessen minderjährige Freunde mit Drogen versorgt, sagt der Ankläger.

„Er hat seinen Sohn nachhaltig in dessen Entwicklung geschädigt.“ Nur wegen Peter L.s „Kiff-Aktionen“ habe der damals 16-jährige Robert (Name geändert) angefangen, regelmäßig „Gras“ zu rauchen. Der Angeklagte habe monatelang gemeinsam mit seinem Sohn Drogen konsumiert. Das Landgericht wird Peter L. deshalb zu vier Jahren Haft verurteilen.

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Der bullige Mann sitzt auf der Anklagebank und zupft mit einer Hand am Ziegenbart. Seine andere Hand streicht über die tätowierte Glatze. Tattoos an den Fingern, Tattoos am Hals. Selbst unter dem Pullover blitzen sie bei Bewegungen gelegentlich hervor. „Ich werde wegen meines Aussehens immer wieder in eine Schublade gesteckt“, bemerkt Peter L. Was das mit dem Fall zu tun hat, sagt er nicht. „Wenn er schon kifft, dann lieber zu Hause“ – so, das meint der Angeklagte, habe er den Konsum seines Sohnes kontrollieren können. Auf die Idee, Robert von den Drogen abzubringen, kam Peter L. offenbar nicht. Er selbst möchte auch keine Therapie. Er habe alles „unter Kontrolle“, meint er. „Wenn ich nichts habe, rauche ich nichts.“

Sein Sohn habe bereits Drogen genommen, als er zu ihm gezogen sei, behauptet Peter L. Zuvor hatte Robert seit der Scheidung der Eltern bei seiner Mutter gelebt. Dort gab es Regeln. Regeln, die den Jugendlichen störten. Morgens pünktlich aufstehen, Zimmer aufräumen, abends zeitig ins Bett. Das wollte Robert nicht mehr.

Er zog zu seinem Vater. Von Wochenendbesuchen wusste er, dass dieser von Regeln wenig hält. Dort konnte er gemütlich abhängen. Robert sagt: „Es war voll chillig.“ Die Drogen trugen zur „entspannten“ Atmosphäre bei. Täglich ein bis zwei Joints drehte Peter L. seinem Sohn.

Mit dem Rest seines Marihuanas dealte der Angeklagte. Hartz IV, sagt er, habe immer nur bis zur Hälfte des Monats gereicht. Erwachsenen habe er das Marihuana verkauft, gibt Peter L. zu. Nicht aber den Kumpels seines Sohnes. Roberts Bekanntem könne man nicht glauben. Doch genau das macht der Vorsitzende Richter der 8. Strafkammer, Gilbert Wolf. Der Zeuge sei glaubwürdig. Wenigstens in einem Fall habe Peter L. diesem „Gras“ verkauft. Fünf Euro will Roberts Freund für ein halbes Gramm gezahlt haben. Das berichtet er als Zeuge und fügt Details hinzu: Entnommen habe Peter L. das Drogenpäckchen aus einer Metallbox. Darin habe er gut 50 „Plastiktütchen mit Teufelsaufdruck“ gesehen.

Peter L. schüttelt den Kopf. „Das stimmt nicht“, sagt er. „Das lasse ich mir nicht bieten.“

Bettina Link

Rubriklistenbild: © dpa

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