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Ein Veganer hat im Krankenhaus in Bad Reichenhall keine passende Kost bekommen.

Eine Krankenschwester hat irgendwann Mitleid

Nur Wasser und Tee: Veganer (26) muss in bayerischer Klinik hungern - weil es für ihn nichts zu essen gibt

  • Veronika Mahnkopf
    VonVeronika Mahnkopf
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Im Krankenhaus zu liegen ist nie lustig. Wenn man dann auch noch hungern muss, wird es richtig unangenehm. So hat es ein junger Mann in einer bayerischen Klinik erlebt - aus unglaublichem Grund.

Bad Reichenhall - Eigentlich soll sich Andreas Müller (26, Name auf Wunsch des Mannes geändert) auf seiner Reha im Berchtesgadener Land von einer Corona*-Infektion erholen - er leidet an Langzeitfolgen. Doch als der junge Mann aus Nordrhein-Westfalen am Donnerstagabend nahe der Klinik, in der er seit zwei Wochen zur Reha ist, unterwegs ist, erleidet er einen Schwächeanfall.

Bayern: Veganer muss in Krankenhaus hungern - weil es keine passende Kost gibt

Der Rettungsdienst bringt Müller ins Krankenhaus Bad Reichenhall. Dort wird er aufgenommen und bekommt ein Zimmer. Am Freitagmorgen stellt ihm eine Mitarbeiterin ein Frühstückstablett auf den Tisch. Aber: Müller kann all die Speisen darauf nicht essen. Er hat eine Glutenunverträglichkeit* und ist Veganer. Der 26-Jährige bittet um anderes Essen, glutenfreies Brot beispielsweise. „Sowas haben wir hier nicht“, sagt die Mitarbeiterin. „Und sie hat mich gefragt, ob das bei mir überhaupt nachgewiesen sei“, erzählt Müller. Das habe ihn besonders geärgert. Doch damit nicht genug.

Die Mitarbeiterin verlässt das Zimmer, sagt, sie schaue nach Alternativen - doch sie kommt nicht wieder. Zu dem Zeitpunkt hatte Müller seit Donnerstagabend nichts mehr gegessen, nur Wasser und Tee getrunken. „Gegen 11.30 Uhr hatte ich dann richtig Hunger.“ Irgendwann erscheint eine andere Mitarbeiterin, fragt, ob Müller zum Mittagessen Burgunderbraten oder Fisch wolle. „Auch ihr habe ich erklärt, dass ich mich vegan* und glutenfrei ernähre.“ Die Reaktion: ähnlich. Gibt‘s nicht im Krankenhaus Bad Reichenhall. „Ich habe zu der Frau gesagt: Dann muss ich jetzt entlassen werden, ich habe nämlich Hunger und vertrage das Essen hier nicht“, erzählt Müller. Ob er nicht einfach Reis oder Kartoffeln haben könne. Mit wenig Enthusiasmus macht sich auch diese Mitarbeiterin auf die Suche.

In bayerischem Krankenhaus: Veganer bekommt irgendwann wenigstens puren Reis

„Irgendwann kam dann eine liebe Krankenschwester und meinte, ich müsse doch etwas essen“, sagt Müller. Sie organisiert ihm Reis, der immerhin getrennt vom Fleisch auf einem Teller gereicht wird. „Ich habe dann auch noch Kartoffeln, Gemüse und glutenfreies Brot bekommen.“ Warum es plötzlich ging? Müller vermutet, dass sich jemand für ihn eingesetzt hat.

Tage später, wieder entlassen, erzählt Müller die ganze Geschichte einem Reha-Mitpatienten. Der ist entsetzt. „Ich habe mich geschämt, Bayer zu sein“, berichtet der gebürtige Garmisch-Partenkirchener. Vom Krankenhaus seiner Heimatgemeinde wisse er, dass vegane Kost angeboten wird*. „Ist doch normal im Jahr 2021“, findet er.

Menüassistenten unterstützen Patienten in bayerischem Krankenhaus bei Kostwahl - eigentlich

In Bad Reichenhall ist es das nicht. Auf Nachfrage von Merkur.de erklärt Evelyn Tauber, Sprecherin der Kreisklinik Bad Reichenhall, dass eine „vegane Ernährungsform zurzeit noch nicht explizit“ in den Häusern der Kliniken Südostbayern AG, zu der Bad Reichenhall gehört, angeboten werde. Man erhebe derzeit bei Patienten und Mitarbeitern, inwiefern dies gewünscht ist.

„Es ist uns wichtig, dass unsere Patienten mit der Kost und Ernährungsform zufrieden sind und stehen deshalb auch im regen Austausch und wollen auch neue Produkte anbieten“, so die Sprecherin in ihrer Stellungnahme. Außerdem befragen sogenannte Menüassistenten die Patienten täglich nach ihren Essenswünschen. Man könne sich aus „sämtlichen Kostvarianten geeignete reichhaltige Komponten auswählen“, auch eine „Wunschkost zusammenstellen“. Auch Veganger würden hier berücksichtigt und von den Menüassistenten unterstützt.

Warum das bei Andreas Müller nicht geklappt hat, darauf geht die Sprecherin nicht ein. Der 26-Jährige hat „keinen Stress“ mit dem Erlebnis, will sich nicht beschweren. Er findet nur: „Es sollte in einem Krankenhaus mehr geben als Fleisch und Fisch.“

Krankenhausessen* gilt aus Expertensicht nicht als besonders gesund. Ein Krankenhaus in Berlin macht vor, wie es anders gehen kann.*Merkur.de/bayern ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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