Verbände drohen mit Zivildienst-Aus

Die Wehrpflicht soll schon ab 1. Oktober 2010 von neun auf sechs Monate verkürzt werden – für den Zivildienst gilt das schon ab 1. August. Das stellt die Wohlfahrtsverbände vor riesige Probleme.

Gleich in der Früh setzte sich Leonhard Stärk mit Kollegen zu einer Krisensitzung zusammen. Der Landesgeschäftsführer des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK) war „sehr überrascht“, als er gestern hörte, dass Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) die Wehrpflicht bereits ab 1. Oktober von neun auf sechs Monate verkürzen will. Im Zuge dessen soll auch der Zivildienst kürzer werden – und das schon ab 1. August. „Ich habe noch keine Vorstellung, wie wir das wirklich schaffen sollen“, sagt Stärk. Wenn der Vorstoß von Guttenberg „kein Strohfeuer“ gewesen sei, „dann haben wir ein ernstes Problem.“

Leonhard Stärk hält es für „fast unmöglich“, den kürzeren Zivildienst schon zum August umzusetzen. Die jungen Männer, die heuer Abitur machen, seien schon für den neunmonatigen Dienst eingeplant. Sollte es wirklich so kommen, wie vom Verteidigungsminister angekündigt, dann könnten viele Zivildienstleistende vielleicht nicht mehr eingesetzt werden, zum Beispiel auf Rettungsfahrzeugen. Denn dafür müssen die jungen Männer erst einmal gründlich angelernt werden.

Stärk hält nichts von dem neuen „Schnellschuss“. „Die Schnelligkeit der Politik macht es schwierig, qualifiziert zu reagieren“, sagt er. Sollte die Verkürzung aber doch so rasant kommen, müsse man eine freiwillige Verlängerung des Zivildienstes ermöglichen. Studienanfänger könnten dann freie Zeit so überbrücken. Stärk spricht von einem „Hilferuf“ der Wohlfahrtsverbände.

„Das ist zeitlich indiskutabel knapp“, sagt auch Bernd Hein vom Landes-Caritasverband Bayern, „wir hätten schon etwas mehr Zeit gebraucht.“ Denn nun müsse man in kürzester Zeit mehr Zivildienstleistende finden. Wenn der Staat glaube, Geld sparen zu könne, dann täusche er sich. Jetzt müsse man den Freiwilligen-Dienst ausbauen, zum Beispiel beim Essen auf Rädern oder in Altenheimen. „Und das gibt es auch nicht zum Nulltarif.“ Holger Kalippke vom Diakonischen Werk Bayern ist ein bisschen ratlos: Bisher wisse keiner, wie es wirklich weitergeht. Das Datum 1. August diene dazu, Sicherheit zu schaffen. Gleichzeitig spüre man aber nun, „wie groß der Handlungsdruck ist“. Er spricht auch von „Hilflosigkeit“. Und sagt es ganz deutlich: „Es gibt immer wieder Überlegungen, auszusteigen“.

Nina Gut

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