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„Das ist die bitterste Stunde meiner bisherigen Laufbahn“, sagt Christoph Hillenbrand.

Tourismus-Verband: Pleite und verschuldet

München – Der letzte Auftritt des Tourismusverbands ist wenig pompös. In einem schmucklosen Pfarrsaal am Rande Münchens verkündet Verbandschef Christoph Hillenbrand das Ende des oberbayerischen Tourismusflaggschiffs.

Nachdem am Montagabend sein Todesurteil – der Gang in die Insolvenz – beschlossen wurde, findet in dem Saal nun seine Beerdigung statt.

Am Ende bricht dem Verband nicht nur der Subventionsbetrug das Genick, sondern auch die andauernde interne Untersuchung der Rechnungen. Ihr Abschluss war Bedingung für die Aufhebung des Förderstopps des Wirtschaftsministeriums. Ein Ende der Untersuchung ist laut Hillenbrand aber immer noch nicht absehbar. Der Insolvenzantrag soll noch diese Woche eingereicht werden. Der Verband ist aber nicht nur pleite, er ist auch verschuldet. Wie hoch die Forderungen sind, die nach dem Bekanntwerden des Subventionsbetrugs auf ihn zukommen, weiß niemand genau. „Das Schreckensszenario ist, wenn das zurückgefordert wird, was zugeflossen ist“, sagt Stephan Götschel, der Interims-Geschäftsführer des Verbands. Das könnten mehrere Millionen Euro sein. Ein Betrag, der dann aus der Insolvenzmasse des Verbands zu zahlen wäre. Nur: Da ist nicht viel. Kein Gebäude, kein Grundstück, die Computer in der Geschäftsstelle sind geleast. „Substanz ist nicht viel da“, sagt Götschel.

Dass Verbandschef Hillenbrand persönlich haften muss, ist ebenfalls unklar, gilt aber als unwahrscheinlich. Ob dann die Verbandsmitglieder, darunter viele Kommunen oder am Ende der Freistaat für die Betrügereien gerade stehen müssen, wird sich zeigen. Immerhin: Stephan Götschel versichert, dass der Verband sonst keine größeren Rechnungen offen hat. Hillenbrand, der auch Präsident der aufsichtsführenden Bezirksregierung ist, geriet stark in die Kritik, weil er die Manipulationen in seinem Haus nicht bemerkte. Die Grünen fragten bereits, ob Hillenbrand in seinem Amt als Regierungspräsident Oberbayerns noch haltbar ist. „Ein Beamter kann sein Amt nicht einfach aufgeben“, knurrt Hillenbrand zurück. Er habe zudem längst erkannt, dass seine Doppelfunktion „unglücklich“ ist. Er sei aber von einer Situation überholt worden, die er sich nie hätte vorstellen können.

Laut Hillenbrand war der Gang in die Insolvenz aber nicht alternativlos. Bei der Mitgliederversammlung am Montagabend stimmten sie auch über die Möglichkeit ab, den Verband aufrechtzuerhalten, um die Manipulationen lückenlos aufzuklären. Denn mit Beginn des Insolvenzverfahrens wird eine interne Untersuchung immer schwieriger, weil die noch verbliebenen Verbandsmitarbeiter dann ihre Jobs verlieren. Aber: „Das Votum war eindeutig. Alle anwesenden Mitglieder stimmten dagegen“, sagt Hillenbrand. Und: Sie machten sich im Anschluss an erste Planungen für einen neuen Verband. Ohne Hillenbrand. Es kommen dazu mehrere Modelle in Frage, die sich im Großen und Ganzen auf das bisherige Gebiet konzentrieren sollen. Der Hotel- und Gaststättenverband fordert hingegen, die regional gewachsenen Unterschiede besser zu vermarkten.

In den kommenden Monaten wird der Tourismusverband von der Bayern Tourismus Marketing GmbH vertreten. Bayerns Wirtschaftsminister Martin Zeil sagte, er betrachte dies als Hilfe zur Selbsthilfe. Er hoffe, dass die Tourismusregion Oberbayern die erforderlichen Aktivitäten bald wieder selbst in die Hand nehmen kann. Damit wieder Fördergeld fließt, stellte das Ministerium neben dem Abschluss der Untersuchungen noch eine andere Bedingung: Die neue Organisationsstruktur muss die aufgetretenen Probleme vermeiden.

Patrick Wehner

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