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Jürgen Böhm, Verbandschef der bayerischen Realschullehrer.

brlv-Verbandstreffen in Rosenheim

Böhm: „Junglehrer brauchen in Bayern Perspektive“

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Die Realschule ist ein unverzichtbares Element im bayrischen Bildungssystem. Dieser Meinung ist der Vorsitzende der bayerischen Realschullehrer Jürgen Böhm. Wir haben mit ihm gesprochen.

Rosenheim – Beim Treffen des Bayerischen Realschullehrerverbandes (brlv) in Rosenheim hat sich der Vorsitzende Jürgen Böhm (52) für die Realschule als unverzichtbares Element im bayrischen Bildungssystem ausgesprochen. Am Freitag will er sich für weitere drei Jahre im Amt bestätigen lassen. Im Interview erklärt der Verbandschef, was die Schulform für ihn so erfolgreich macht und wie ihre Zukunft aussieht.

Herr Böhm, gibt es noch genügend Studenten, die Realschullehrer werden wollen?

Jürgen Böhm: In den letzten Jahren haben sich viele junge Leute eingeschrieben, weil sich die Schulart unheimlich positiv entwickelt hat. Wir konnten nur leider nicht alle einstellen. Zum Glück sind es auch dank unserer Verbandsarbeit inzwischen wieder mehr geworden. Das soll auch so weitergehen. Die guten Junglehrer in Bayern brauchen eine Perspektive. Und wir brauchen die jungen Realschullehrer: Unsere Rahmenbedingungen sind unter den allgemeinbildenden Schulen in Bayern nach wie vor die schlechtesten.

Mit welchen Problemen haben die Realschulen zu kämpfen?

Böhm: Wir haben immer noch die größten Klassen aller allgemeinbildenden Schularten. Und die wenigsten Lehrerwochenstunden pro Schüler. Das sind Kennziffern, die sich in den vergangenen Jahren zwar verbessert haben, aber auf jeden Fall noch steigerungsfähig sind. Andere Bundesländer wie Sachsen oder Berlin suchen händeringend Lehrer. Wir müssen zusehen, dass wir die guten bei uns halten.

Brauchen Sie die wirklich? Werden die Realschüler nicht immer weniger?

Böhm: Wir bemerken einen leichten demografischen Knick. Aber es werden wieder mehr Kinder geboren und immer mehr ausländische Kinder und Kinder mit Migrationshintergrund kommen an die Realschule – und erzielen dort gute Ergebnisse. Für sie gibt es genügend Integrationsmaßnahmen. Die Realschule steht sinnbildlich für den Aufstieg durch Bildung.

Gerät die Realschule durch das wieder eingeführte G9 unter Druck? Eltern könnten in dem Zusatzjahr eine Chance für ihre Kinder sehen, das Abitur am Gymnasium leichter zu erreichen.

Böhm: Wir haben dieses Jahr keinen solchen Effekt festgestellt. Die Zahlen sind stabil geblieben. Das Gymnasium führt nicht automatisch ins Glück – es gibt für ein Kind keinen Königsweg, sondern es muss der richtige Weg sein.

In Ihrer Bilanz für die vergangenen drei Jahre steht, der mittlere Bildungsabschluss sei auf dem Weg zur Anerkennung als gleichwertig zum Abitur. Ist das nicht ein wenig übertrieben?

Böhm: Die Realschule hält alle Möglichkeiten offen: von der dualen Ausbildung bis zum Hochschulzugang. Das meine ich mit gleichwertig. Es gibt kein Abitur zweiter Klasse. Manche Hochschulen suchen sogar bevorzugt Bewerber, die aus einer dualen Ausbildung kommen und mehr Bezug zur Praxis haben. Deshalb wird das deutsche Modell der beruflichen Bildung international so hoch geschätzt. Nur wir hierzulande haben über Jahre den Fehler gemacht, eine Abiturquote zum Evangelium zu erheben.

Beim Thema Digitalisierung schreiben Sie der Realschule sogar eine Führungsrolle zu.

Böhm: Sie ist die einzige Schulart in Bayern, die ein durchgängiges Leitfach Informationstechnologie besitzt. Wir haben uns schon vor Jahrzehnten auf diesen Weg gemacht. Es gibt keine Schulart, die beim Thema Digitalisierung so breit und qualitativ gut aufgestellt ist, wie die Realschule. Unsere Schüler arbeiten im Fachunterricht mit digitalen Medien und lernen Fähigkeiten von Zehnfingersystem bis CAD, dem technischen Zeichnen am Rechner. Und wir arbeiten mit dem Kultusministerium gerade an einem Konzept für Informationstechnologie als freiwilliges Abschlussprüfungsfach.

Interview: Josef Ametsbichler

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