Rein damit: Der Genuss von Schnupftabak soll auch künftig legal bleiben. Ein Vorstoß der EU, den Tabak durch die Hintertüre abzuschaffen, ist so gut wie vom Tisch. foto:

Von wegen "geschnupft"

Verbot fast vom Tisch: Tabak bleibt legal

Versuchter Angriff auf Bayerns Kulturgut: Die EU wollte Aromen im Schnupftabak verbieten – und damit im Grunde den Tabak selbst. Jetzt scheint die Sache so gut wie vom Tisch. Eh lächerlich, finden Schnupfer-Clubs. Angst um ihren Sport hatten sie nie.

2005 wär’s fast um das Dirndl geschehen gewesen. Damals sorgte sich die EU um erhöhtes Hautkrebsrisiko für Bedienungen mit weiten Dekolletees. Sie forderte ein Verbot nach EU-Sonnenschutzrichtlinie – und scheiterte. Aber die großen Reglementierer sorgten sich weiter. Diesmal um die Nasen bayerischer Schnupfer. Auch hier sollte ein Verbot her, nach EU-Tabakproduktionsrichtlinie. Auch hier heißt es jetzt wohl: gescheitert.

Aufatmen bei Bayerns Schnupfer-Clubs also. Wobei es die große Angst wohl nie gab. Die 150 „Schmaizl-Brüder“ aus Sachsenkam (Kreis Bad-Tölz/Wolfratshausen) etwa blieben gelassen. Ihr Vorsitzender Josef Bachler sagt: „Für uns war das Ganze einfach lächerlich.“ Auch Alfons Lechler, als Chef des „Schnupfverbands Deutschlands“ Ober-Schnupfer der Republik, hält den Vorstoß für absurd. „Irgendwann dadn’s dann s’Bier verbietn.“ Und überhaupt: „Mit welcher Begründung hätten’s den Tabak verbieten wolln?“

Klingt nach großer Selbstsicherheit. Und für die gibt es einen Grund. Der EU-Kommission ging es nämlich nicht um den Tabak selbst, sondern um die Aromastoffe darin. Menthol, Cherry, was auch immer. Die, heißt es, würden den Eigengeschmack und damit den Suchtcharakter des Tabaks verdecken. Deutschlands Schnupfer nutzen in Wettkämpfen aber meist aromafreien Tabak.

Die Angst liegt also woanders: bei der Tabak-Industrie. Patrick Engels, Geschäftsführer des weltgrößten Schnupftabak-Herstellers „Pöschl“ mit Sitz in Niederbayern, hält die Diskussion noch nicht für beendet. „Die Geschichte ist definitiv noch nicht in trockenen Tüchern.“ Käme das Aromaverbot, wäre das für ihn ein „Tabakverbot durch die Hintertür“. Denn „Pöschl“ macht sein Geld mit aromatisierten Produkten. Das Unternehmen beschäftigt europaweit 800 Mitarbeiter. „Ein Drittel der Arbeitsplätze wäre massiv bedroht.“

So weit wird es nicht kommen, verspricht Manfred Weber. Der Niederbayer sitzt für die CSU im Europa-Parlament und hat die Verhandlungen im dortigen Umweltausschuss verfolgt. Bei der Tabakrichtlinie, sagt er, „sind die großen Fragen andere“. Tabak unter Jugendlichen soll eingedämmt werden. Zigaretten sind ein wichtiges Thema. „Schnupftabak ist bei jungen Leuten ja eher uncool.“ Entsprechend schnell seien die Ausschussmitglieder davon überzeugt gewesen, dass Schnupftabak keine Einstiegsdroge sei. Endgültig entscheiden muss aber das Parlament. Das kann dauern. Webers Prognose: „Zu 99 Prozent kommt kein Verbot.“

Selbst wenn – Engels bleibt eine andere Angst. Auch ohne Verbot sei unsicher, dass die Aromen weiter als Aufschrift auf den Tabakboxen stehen dürften. Man wolle ja auch keinen Joghurt kaufen, ohne zu wissen, welcher es ist.

Tabak als Überraschungspaket? Solange nichts entschieden ist, ändert sich auch nichts. Für Christian Knauer die beste Lösung. Der ehemalige Weltmeister und Vorsitzende des „Schnupfclubs Dettenhofen“ im Kreis Neuburg-Schrobenhausen sagt, die Nachricht eines möglichern Verbots habe „groß die Runde gemacht in Schnupferkreisen“. Als Lachnummer. Aber käme es, wäre klar: „Da müssten wir was machen.“

Von Markus Mäckler

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