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Die Breze: Das Nationalgebäck der Bayern soll mit Aluminium belastet sein.

"Unser Nationalgebäck"

Verbraucherzentrale warnt: Belastete Brezn in Bayern

München - Große Mengen an gesundheitsschädlichem Aluminium enthalten bayerische Brezn nach einem Medienbericht. Jede fünfte Breze müsse bei Kontrollen aus dem Verkehr gezogen werden.

Bayerische Brezen enthalten laut einem Bericht der "Süddeutsche Zeitung" häufig große Mengen an gesundheitsschädlichem Aluminium. Wie das Blatt in seiner Freitagsausgabe unter Berufung auf die Verbraucherzentrale Bayern berichtet, muss bei Lebensmittelkontrollen "jede fünfte Breze aus dem Verkehr gezogen" werden, weil sie "den Höchstwert sprengt".

Einen gesetzlichen Höchstwert für Aluminium gibt es nicht. Aber das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit beanstandet Proben mit einem Wert von zehn Milligramm pro Kilo Brezen. „Das heißt nicht, dass es dort schon eine Gesundheitsgefährdung für den Verbraucher gibt“, erklärt eine Sprecherin.Teilweise seien die Grenzwerte der Proben um das 15-Fache überschritten worden.

Verunreinigung stammt von Aluminium-Blechen

Die Verunreinigungen stammen demnach von Aluminium-Blechen, die in vielen Bäckereien verwendet werden. „ Denn darüber gelangt der Stoff in die Brezen. Der Bäcker besprüht die noch rohen Teiglinge mit Natriumlauge oder taucht sie dort hinein. Anschließend wandern sie auf das Blech. Ist dies aus Aluminium, kann die scharfe Lauge das Material angreifen und winzige Partikel aus dem Metall herauslösen, die so in die Brezen gelangen.

Die Lösung scheint einfach, doch die Aluminiumbleche können nicht so einfach ausgetauscht werden. „Edelstahlbleche sind aber schwerer und deshalb in der Bäckerei nicht so leicht zu handhaben“, meint Wolfgang Filter, der Geschäftsführer vom Bayerischen Bäckerverband.

Außerdem sei es nicht so leicht, von heute auf morgen den 2200 Bäckereien im Land zu sagen, dass sie alle Bleche austauschen müssten. „Aluminium ist das beste Material, was die Wärmeleitung anbelangt. Und an Edelstahlblechen haften die Brezen zu sehr. Da braucht es jedes Mal einen Spachtel, um sie abzubekommen“, sagt Filter.

Das Aluminium sei kein neues Thema. „Diese Dauerthema muss immer wieder ins Bewusstsein gerufen werden, damit sich etwas ändert“, sagt er. Langfristig müssten die Bäckereien eben doch auf andere Bleche umsteigen. Fürs Erste könnte auch Backpapier helfen, aber auch das sei umständlich.

Gesundheitliche Folgen von Aluminium sind noch unklar

Was genau das Aluminium im Körper macht, ist nicht ganz klar. „Es ist aber so, dass zum Beispiel bei Alzheimerkranken oder Brustkrebspatientinnen ein erhöhter Aluminiumanteil im Körper festgestellt wurde“, erklärt Gabriela Tremp von der Verbraucherzentrale in Bayern.

Das Verbraucherministerium will nun die Kontrollen verschärfen und Bußgelder verhängen. Doch Verbraucherschützern reicht das nicht: „Das Bayerische Verbraucherministerium kuscht vor der Bäckerlobby. Es ist klar, dass mehr Kontrollen ohne konsequente Sanktionen das Problem nicht beseitigen werden“, meint die Organisation Foodwatch.

Die Grünen kritisieren, dass die Informationen nicht weitergegeben wurden: „In diesem Fall wäre es nicht zuletzt auch im Interesse der bayerischen Kinder gewesen, Aufklärungsarbeit zu leisten“, sagte Grünen-Verbraucherschutzexpertin Rosi Steinberger.

Vorbild Baden-Württemberg

Als Vorbild gilt Baden-Württemberg. Dort sank die Zahl der belasteten Brezen nach verschärften Kontrollen und drakonischen Strafen auf vier Prozent. Auch, weil inzwischen viele Bäckereien Backpapier unterlegen.

Bis dahin ist es in Bayern noch ein weiter Weg. Die Verbraucherzentrale rät deshalb, nicht allzu häufig in die Brezen zu beißen. „Man sollte beim Bäcker auch immer nachfragen, welche Bleche verwendet werden“, rät Tremp. Bei Kindern sei besondere Vorsicht angebracht: „Gerade bei uns in Bayern bekommen Kinder ja früh und häufig Brezen zu essen.“

AFP, dpa

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