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Arzt oder Krankenpfleger? Majd Alali will Menschen helfen – welcher Beruf am besten zu ihm passt, hofft der 19-Jährige durch die Kompetenzanalyse herauszufinden. Der Test am Computer dauert knapp zwei Stunden

Problem Kompetenznachweis

Starthilfe für Flüchtlinge ins neue Arbeitsleben

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München - Helmut Blank hat einen Verein gegründet, um Asylbewerbern den Einstieg in die Arbeitswelt zu ermöglichen. Das scheitert meist nicht an den Fähigkeiten der Flüchtlinge – sondern an fehlenden Kompetenznachweisen. Blank hat dafür eine Lösung gefunden.

Seit anderthalb Stunden blickt Majd Alali konzentriert auf den Computerbildschirm. Seit anderthalb Stunden bekommt er kaum noch mit, was um ihn herum passiert. Das leise Klicken der 13 Computermäuse an den anderen Arbeitsplätzen im Raum hört er nicht. Er versucht gerade so viele identische Schlüssel wie möglich anzuklicken, bevor die Zeit abgelaufen ist. Alle kann er nicht schaffen – die Aufgabe ist so konzipiert, dass niemand fertig wird. Aber Majd kommt weit. Räumliches Denken liegt ihm. Die Aufgaben im Kopfrechnen vorhin sind ihm dagegen sehr schwer gefallen, sagt er. „In Mathe war ich noch nie gut.“

Majd spricht vier Sprachen

Majd ist 19 und vor einem Jahr mit seiner Familie aus Syrien nach Deutschland geflüchtet. Zu Hause in Manbidsch bei Aleppo war er fast fertig mit der Schule. Er spricht vier Sprachen, eine davon ist Deutsch. Im letzten Sprachtest waren 98 Prozent seiner Antworten richtig. Aber wie er seine Stärken einsetzen kann, um hier in Deutschland irgendwann auf eigenen Beinen zu stehen, das weiß Majd nicht. Zertifikate oder Zeugnisse konnte er aus Syrien nicht retten.

Die wenigsten Asylbewerber können das. Viele haben studiert oder in ihrer Heimat eine Ausbildung gemacht. In den Flüchtlingsunterkünften leben Ärzte, Dolmetscher oder Ingenieure mit viel Berufserfahrung – doch hier in Deutschland beginnen sie wieder bei null. Sie sind nicht mehr Arzt, Dolmetscher oder Ingenieur – sondern nur noch Flüchtling.

„Daraus müssen wir etwas machen"

Genau das möchte Helmut Blank ändern. Er ist Unternehmer und engagiert sich seit Monaten im Helferkreis seiner Heimatgemeinde Ottobrunn (Kreis München). „Wir haben Fachkräfte aus aller Welt bei uns zu Gast“, sagt er. „Daraus müssen wir etwas machen.“

Blank hat Anfang des Jahres gemeinsam mit sechs anderen Geschäftsmännern den Verein Arrive Institute gegründet, der Flüchtlinge und Unternehmen miteinander in Kontakt bringt. 17 Asylbewerber haben dank des Vereins bereits eine Arbeitsstelle in ihrem früheren Beruf gefunden (wir berichteten). Dieser Erfolg hat Blank angespornt. Er hatte die Idee, ein Verfahren zu finden, um Flüchtlingen den Einstieg in die deutsche Arbeitswelt leichter zu machen. Mit dem Unternehmen GFN, das Schulungen und Weiterbildungen für Unternehmen und Arbeitssuchende anbietet, hatte er schnell einen Kooperationspartner gefunden.

Biografie, Talente, Einstellungen - all das ermittelt der Test

Das Programm, mit dem die Stärken und Schwächen ermittelt werden, stammt von dem Unternehmen HR Diagnostics. Das Verfahren prüft berufsrelevante Merkmale in mehreren Bereichen. „In vier Sprachen werden zunächst Biografie, Interessen, Einstellungen und Fähigkeiten abgefragt“, erklärt Prokurist Matthias Kämper. „Es werden nicht nur Fähigkeiten getestet, sondern auch Persönlichkeitsmerkmale wie Gewissenhaftigkeit oder Belastbarkeit ermittelt.“ Mit der Auswertung erhalten die Teilnehmer eine Übersicht über hervorstechende Stärken sowie ein berufliches Interessenprofil. „Die Ergebnisse werden mit den Ergebnissen deutscher Testteilnehmer verglichen“, betont Kämper. Das ermöglicht Arbeitgebern eine objektive Einordnung der Bewerber um eine Stelle. GFN und Arrive Institute betreuen die Flüchtlinge nach dem Test weiter, beraten und vermitteln Weiterbildungen oder Praktika.

Samh Yousef ist neugierig, wie sein Testergebnis ausfällt. Er hofft auf einen Büro-Job.

So ist zumindest der Plan – denn es ist an diesem Tag das erste Mal, dass Flüchtlinge an der Kompetenzanalyse teilnehmen. Helmut Blank hat einige Helferkreise in Oberbayern angeschrieben – die 13 Plätze waren sofort vergeben. „Bei diesem Test kann keiner durchfallen“, sagt er am Anfang, um die jungen Männer aus Neuried, Ebersberg, Höhenkirchen und Miesbach zu motivieren. „Wer teilnimmt, kann nur gewinnen.“

Verein hofft auf Landratsämter

Majd ist der Erste, der nach knapp zwei Stunden mit allen Aufgaben und Fragen fertig ist. Sein Ergebnis wird die nächsten Tage ein GFN-Mitarbeiter mit ihm besprechen. Eigentlich weiß der 19-Jährige schon ziemlich genau, was er will: Menschen helfen. „Ich musste zu Hause nach einem Bombenangriff in einem Krankenhaus einem Arzt attestieren“, erzählt er. Das ist schon einige Jahre her – seit dem träumt er davon, selbst Arzt zu werden. Oder Krankenpfleger. „Ich hoffe, der Test hilft mir zu entscheiden, welcher Weg für mich besser geeignet ist“, sagt er. Der 22-jährige Samh Yousef hingegen ist einfach neugierig auf das Testergebnis. „Ich weiß nicht, was ich mit meinen Stärken machen könnte“, sagt er. Dass er gerne konzentriert arbeitet und Dinge perfekt machen möchte, weiß er. Zu Hause in Syrien konnte er keine Ausbildung machen, hier will er das so bald wie möglich nachholen. „Ich bin sehr dankbar für die Hilfe, die ich hier bekomme“, sagt er.

„Die Kompetenzanalyse ist die Starthilfe"

Helmut Blank hat es gereicht, die Motivation der Asylbewerber zu sehen, um optimistisch zu sein, dass die Kompetenzanalyse ein bayernweiter Erfolg wird. Sein nächstes Ziel: 30 Asylbewerber pro Woche sollen die Möglichkeit zu dem Test bekommen. „Wir müssen nun vor allem die Landratsämter überzeugen, dass sie uns bei diesem Verfahren unterstützen“, sagt er. Bisher finanziert er den Verein und das Projekt aus eigener Tasche. Doch Blank ist optimistisch, dass er bald erste Erfolge vorweisen kann. Spätestens dann glaubt er, werden sich die Kreise finanziell beteiligen. „Es ist ja in ihrem Interesse, dass die Flüchtlinge schnell auf eigenen Beinen stehen können“, sagt er. „Die Kompetenzanalyse ist die Starthilfe dafür.“

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