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Kalinka starb im Alter von 15-Jahren.

74-jähriger Dieter K. bleibt vorerst in Haft:

Verhandlung über  mutmaßlichen Mörder von Kalinka vertagt

Lindau - Dieter K. wurde Mitte Oktober vor seinem Haus in Lindau zusammengeschlagen und nach Frankreich verschleppt. Ein Racheakt von Andre B., der K. für den Mörder seiner Tochter hält.

Andre B. ist überzeugt: Dieter K. hat die damals 15-jährige Kalinka ermordet und wurde nie dafür bestraft. Ob dem verschleppten Lindauer nun doch eine Strafe droht, soll die französische Justiz entscheiden.

Ein Pariser Gericht wollte gestern über die Frage befinden, ob Dieter K. wieder aus der Haft entlassen werden kann. Die Verhandlung wurde jedoch gleich nach Beginn um eine Woche vertagt. Dies sei der Wunsch der Anwälte von Dieter K. gewesen, erklärte eine Gerichtssprecherin. Die Bundesregierung hat sich bislang vergeblich für die Freilassung des Deutschen eingesetzt.

Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) und sein französischer Amtskollege Bernard Kouchner wollten sich am Vortag bei ihrem ersten Pariser Treffen nicht zu der Angelegenheit äußern, da es sich um ein laufendes Verfahren handle. Der Kriminalfall reicht bis ins Jahr 1982 zurück. Damals soll der heute 74-jährige Mediziner seine 15-jährige Stieftochter Kalinka ermordet haben. Das Mädchen wurde tot im Haus entdeckt. Ihre Leiche war mit Einstichen aus einer Spritze übersät – angeblich ein Eisenpräparat zur Bräunung.

Dieter K. stand schnell unter Verdacht, die Ermittlungen wegen vorsätzlicher Tötung wurden jedoch 1986 ergebnislos eingestellt. Die französische Justiz sah den Fall anders und verurteilte Dieter K. 1995 in Abwesenheit zu 15 Jahren Haft. Der Verurteilte wurde jedoch nie nach Frankreich ausgeliefert und musste seine Strafe somit auch nie antreten. Mit zusätzlichen Unterlagen aus Frankreich prüfte die deutsche Justiz den Fall Kalinka erneut – und stellte die Ermittlungen im April 2004 ein weiteres Mal ein.

Kalinkas leiblicher Vater Andre B. ist von der Schuld des Lindauers überzeugt und griff schließlich zur Selbstjustiz, indem er den mutmaßlichen Mörder seiner Tochter nach Frankreich verschleppen ließ. Sein Verdacht ist nicht ganz unbegründet, immerhin wurde Dieter K. 1997 wegen einer anderen Sexualstraftat in Deutschland verurteilt. Er bekam zwei Jahre Haft auf Bewährung, weil er eine 16-Jährige mit Schlafmitteln ruhiggestellt und vergewaltigt hatte.

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