Verhungerte Sarah: Eltern wegen Mordes angeklagt

Thalmässing - Die Eltern der verhungerten Sarah aus dem fränkischen Thalmässing sind wegen Mordes angeklagt.

Sie hatten die Dreijährige nach Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth so lange vernachlässigt, bis das Kind an Unterernährung starb. Die Anklagebehörde geht nach ihren Angaben vom Donnerstag davon aus, dass die 26 Jahre alte Hausfrau und der 30 Jahre alte Kraftfahrer aus dem Landkreis Roth ihrem Kind seit April 2009 nicht mehr genug zu essen gaben. Sarah starb am 10. August in einer Nürnberger Klinik.

Spätestens im Juli hätten die Eltern bemerkt, dass Sarah in Lebensgefahr schwebt, erläuterte die Staatsanwaltschaft. Einen Arzt zogen sie dennoch nicht hinzu, weil sie wegen der Abmagerung des Kindes eine Strafanzeige fürchteten. Erst am 8. August, zwei Tage vor Sarahs Tod, riefen die Eltern den Rettungsdienst. Doch für die Kleine kam jede Hilfe zu spät. Sie brachte nur noch rund acht Kilogramm auf die Waage - normalerweise wiegen Kinder in ihrem Alter knapp das Doppelte.

Sarahs Hungertod hatte großes Entsetzen ausgelöst. In der Kritik stand auch das Jugendamt Roth. Die Staatsanwaltschaft stellte das Verfahren gegen Mitarbeiter der Behörde nun jedoch ein. Es sei nicht nachweisbar gewesen, dass dem Amt ausreichende Anhaltspunkte für eine Unterernährung Sarahs vorgelegen hätten. Es habe deshalb im Jahr 2009 kein Anlass für einen Hausbesuch bestanden.

Sarahs Eltern hätte der kritische Zustand ihrer Tochter hingegen durchaus bewusst sein müssen: Psychiatrischen Gutachten zufolge ist der Vater voll, die Mutter vermindert schuldfähig. Die 26-Jährige hatte vor Sarahs Hungertod extrem an Gewicht verloren und lag danach mehrere Wochen - zeitweise ohne Bewusstsein - im Krankenhaus. Sie muss sich dennoch wegen gemeinschaftlichen Mordes und Misshandlung von Schutzbefohlenen vor Gericht verantworten, sofern die Schwurgerichtskammer des Nürnberger Landgerichtes die Anklage zur Hauptverhandlung zulässt. Derzeit sitzen beide Elternteile in Untersuchungshaft.

dpa

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Bilanz von 3,4 Milliarden: Noch sprudelt die Kirchensteuer für das Erzbistum
Die Finanzsituation der Erzdiözese München und Freising kann sich sehen lassen. Der Generalvikar erklärt: Die Kirche müsse teure Wandlungsprozesse finanzieren.
Bilanz von 3,4 Milliarden: Noch sprudelt die Kirchensteuer für das Erzbistum
Fall Ursula Herrmann: Tonbandgerät spielt erneut wichtige Rolle vor Gericht
Im Zivilprozess um den Entführungsfall Ursula Herrmann vor 37 Jahren wird sich das Landgericht Ausburg noch einmal mit dem zentralen Indiz beschäftigen.
Fall Ursula Herrmann: Tonbandgerät spielt erneut wichtige Rolle vor Gericht
Autofahrer fährt an Graben vorbei - darin macht er schreckliche Entdeckung
Es war gegen 12 Uhr als ein Autofahrer an einer Kreisstraße im Landkreis Kronach den Motorradfahrer in einem Graben entdeckte. Die Polizei rätselt über die Unfallursache.
Autofahrer fährt an Graben vorbei - darin macht er schreckliche Entdeckung
Flugtaxis sollen in Zukunft in Ingolstadt in die Luft gehen 
Der Raum Ingolstadt soll deutsche Modellregion für die Erprobung von Flugtaxis werden. Klingt verrückt, ist aber wahr.
Flugtaxis sollen in Zukunft in Ingolstadt in die Luft gehen 

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.