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Weniger ist mehr: Auf Bayerns Straßen sollen einige Schilder verschwinden, um mehr Übersicht zu schaffen.

Verkehrssicherheit: Radfahrern geht's an die Wäsche

München - Bis 2020 will die bayerische Staatsregierung rund 440 Millionen Euro investieren, um die Straßen sicherer zu machen. Deshalb gibt es einen Spezialauftrag für Modeschüler.

Das Experiment von Gunnar Johannson ist etwa 40 Jahre alt. Der Schwede montierte Glühlampen an den Gelenken von Personen – mit der Erkenntnis, dass ihre Bewegungen im Dunkeln zu erkennen sind. Schon bald könnte dieser Versuch für einen neuen Kleidertrend sorgen – um im Straßenverkehr für mehr Sicherheit. Die Meisterschule für Mode in München entwickelt Kleidung mit reflektierenden Punkten. So könnten Radfahrer und Fußgänger im Dunkeln besser erkannt werden. Die Wahrnehmbarkeit zu verbessern, ist aber nur eines von 32 Zielen, die das Sicherheitsprogramm 2020 enthält. Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) hat das Verkehrskonzept am gestrigen Freitag in München vorgestellt.

Bis 2020 will die bayerische Staatsregierung rund 440 Millionen Euro investieren, um die Straßen sicherer zu machen. 2011 starben auf Bayern Straßen 780 Menschen, rund 53 000 wurden verletzt. „Diese Zahlen wollen wir reduzieren“, sagt Herrmann. „Mobilität soll kein Risiko bedeuten. Das ist ein Thema, das alle angeht.“

Das Programm „Bayern mobil – Sicher ans Ziel“ haben daher nicht nur Experten entwickelt. Auch Bürger haben sich über das Internet beteiligt. Und das sollen sie weiterhin tun. Denn das erste große Ziel in diesem Jahr lautet, den Schilderwald auf Bayerns Straßen zu lichten. „Alle sind gefragt, auf Schilder hinzuweisen, die man ersetzen kann“, appelliert Verkehrspsychologe Berthold Färber, Professor an der Bundeswehruniversität in München, an die Bürger. „Das ist der erste Schritt.“

Ein weiterer Schritt ist laut Herrmann, in einem Pilotprojekt die dynamische Beschilderung auf Landstraßen auszuprobieren. Warnhinweise würden – wie auf vielen Autobahnen bereits gängig – elektronisch gesteuert. Wann und wo getestet wird, ist noch nicht bekannt.

Der Schwerpunkt des Sicherheitsprogramms liegt generell auf Landstraßen, also auf Bundes- und Staatsstraßen. „Hier ereignet sich ein Großteil der schweren Verkehrsunfälle“, erklärt Herrmann und verweist auf die Statistik. Von den im Jahr 2011 getöteten 414 Pkw-Insassen starben 78 Prozent auf Landstraßen außerorts. Bei den getöteten Motorradfahren waren es 126 von 159 Personen – das sind 79 Prozent. Auf Autobahnen passiert vergleichsweise wenig.

Um Unfälle wegen erhöhter Geschwindigkeit oder durch Alkoholeinfluss zu verhindern, wünscht sich die SPD-Landtagsfraktion eine stärkere Verkehrsüberwachung. Denn die Kontrollen seien in den vergangenen Jahren deutlich zurückgegangen, weil die Polizeidienststellen wegen Personalabbaus nicht mehr in der Lage waren, so intensiv zu kontrollieren wie noch vor zehn Jahren.

Verkehrsüberwachung ist auch für Herrmann wichtig. „Zentrale Voraussetzung für mehr Verkehrssicherheit ist, dass sich jeder an die geltenden Regeln hält“, betont er. „Wo diese Einsicht fehlt, sind Kontrollen und Sanktionen unverzichtbar.“ Ob es die reflektierenden Punkte auf der Kleidung ebenfalls werden, wird sich zeigen. „Verkehrssicherheit muss sexy sein“, sagt Färber. „Wenn es etwas Besonderes ist, wollen es viele. Und dann macht es auch Spaß.“ Im Sommer wollen die Münchner Modeschüler ihre ersten Modelle präsentieren.

Marc lamberger

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