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Mehr Kontrollen sollen dafür sorgen, dass die Zahl der von Lastwagen verursachten Unfälle zurückgeht.

Konferenz zur Sicherheit auf Bayerns Straßen

Weniger Verkehrstote, aber immer noch zu viele

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München - Bis 2020 will Verkehrsminister Joachim Herrmann die Zahl der Verkehrstoten um ein Drittel reduzieren. Ganz zufrieden sind die Experten bei der fünften Bayerischen Verkehrssicherheitskonferenz aber noch nicht.

Die Halbzeitansprache des Verkehrsministers ist optimistisch, aber zum Jubeln ist ihm noch nicht zu Mute. „Wir müssen noch besser werden“, sagt Joachim Herrmann (CSU) bei der Bayerischen Verkehrssicherheitskonferenz in München. Gewinnen kann sein Ministerium den Kampf gegen die Gefahren im Straßenverkehr ohnehin nicht. Auch im vergangenen Jahr starben in Bayern wieder 614 Menschen bei Verkehrsunfällen. Aber zumindest soll die Zahl der Opfer sinken. Und zwar auf 550 bis zum Jahr 2020. Dieses Ziel hat Herrmann vor knapp fünf Jahren in dem Programm „Bayern mobil – sicher ans Ziel“ ausgerufen. Zur Halbzeit der Initiative ist die Zahl der Verkehrstoten so niedrig wie nie, 2011 waren es noch 780 – aber es gibt andere Baustellen.

Schwerverkehr  auf den Autobahnen breitet Sorgen 

Zum Beispiel den Schwerverkehr auf den Autobahnen. „Der bereitet uns Sorgenfalten“, sagt Thomas Hampel, Inspekteur bei der Bayerischen Polizei. Denn im vergangenen Jahr ist die Zahl der Unfälle, an denen Busse und Lkw beteiligt waren um knapp 17 Prozent gestiegen. 43 Menschen kamen dabei ums Leben. Besonders in Erinnerung blieb ein Unfall im Mai auf der A 6 bei Nürnberg. Ein Lastwagen-Fahrer hatte einen Stau an einer Baustelle übersehen und raste in den Wagen einer jungen Familie aus Baden-Württemberg. Die 27-jährige Mutter und ihre drei kleinen Kinder zwischen neun Monaten und fünf Jahren starben. Der Vater überlebte schwer verletzt. Gerade am Stauende häuften sich in diesem Jahr die schweren Unfälle. „Wir setzen deshalb vermehrt auf Kontrollen, auf Abstandsmessungen und den Einsatz von Videofahrzeugen“, sagt Hampel. Mit mehr Abstellflächen für Lastwagen soll außerdem dafür gesorgt werden, dass übermüdete Fahrer ihre Ruhezeiten einhalten.

Auch die Landstraßen, auf denen die meisten tödlichen Unfälle passieren, will Herrmann weiter im Blick behalten. Hier sollen vor allem Baumaßnahmen helfen: Mehr Kreisverkehre oder sogenannte „Fehler verzeihende Seitenräume“, etwa mit neuen Leitplanken. Auch Bäume direkt am Straßenrand seien ein Problem: „Die romantisierende Sehnsucht nach Alleen bringt keine Sicherheit“, sagt Siegfried Scheuer von der Obersten Baubehörde. Als letztes Mittel müssten deshalb auch immer wieder Bäume beseitigt werden.

Ulrich Klaus Becker, ADAC-Vizepräsident für Verkehr, wagte schon eine Prognose für die Statistik des laufenden Jahres: Auch 2016 werde die Zahl der Verkehrstoten wohl weiter sinken, vor allem die der getöteten Motorradfahrer. Dafür rechne er wieder mit mehr Pkw-Toten als im vergangenen Jahr. Es bleibt ein Auf und Ab.

Bei der Konferenz ging es aber nicht nur um motorisierte Verkehrsteilnehmer. Armin Falkenhein, Landesvorsitzender des ADFC, wies auf die steigende Zahl von verunglückten Fahrradfahrern hin. Zwar liege das auch daran, dass der Drahtesel wieder angesagter ist als noch vor fünf Jahren. Auffällig sei aber, dass vor allem ältere Radfahrer von Unfällen betroffen seien. Das müssten sich auch die Autofahrer bewusst machen: „Wir müssen auf die Älteren schauen“, mahnt Falkenhein – zumal der Pedelec- und E-Bike-Trend auch wieder mehr Senioren auf den Sattel locke. Außerdem gebe es vor allem innerorts bei der Sicherheit für Radfahrer noch in vielen Kommunen Nachholbedarf.

Herrmann kündigte an, gefährdete Gruppen wie Kinder, Fußgänger, Radfahrer und Motorradfahrer im Verkehr besser schützen zu wollen. Geschwindigkeits- und Alkoholkontrollen sollen dazu verstärkt werden.

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