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Oft herrscht Staugefahr im Allacher Tunnel – auch hier wird gezählt.

Wo ist das Straßennetz zu eng?

Verkehrszähler schwärmen aus

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München/Freising - Es ist eine Art von Volkszählung auf der Straße: Bundesweit werden in den kommenden Wochen Autos, Busse, Lkw und selbst Motorräder gezählt. Die Verkehrsplaner erwarten sich Hinweise darauf, wo das Straßennetz zu eng ist.

 Wer in den kommenden Wochen eine Person am Straßenrand sieht, die mit Warnweste bekleidet am Straßenrand sitzt und Autos zählt, der sollte sich nicht wundern. Der seltsam erscheinende Zeitgenosse hat einen amtlich beglaubigten Zählauftrag. Auf Anweisung der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) müssen 52 000 Kilometer Autobahnen und Bundesstraßen verkehrsstatistisch erfasst werden, außerdem zum Teil auch Staats- und Kreisstraßen.

Jeder vorbeirauschende Wagen bekommt einen Strich in einer Liste. An stark befahrenen Strecken haben viele auch eine Art Ticker in der Hand und klicken einmal schnell für jeden Pkw. Ungefähr drei Stunden dauert eine Zählschicht mit Dauerblick auf die Straße üblicherweise. Erfasst werden für jede Fahrtrichtung jeweils separat Motorräder, Pkw und Lieferwagen, Busse, Lkw ohne Anhänger und Lastzüge.

Zweck der Übung, die alle fünf Jahre stattfindet: Die Daten sollen Hinweise für den Erhalt und den Ausbau des Straßennetzes liefern. „Insbesondere sind sie auch Grundlage für Lärmberechnungen“, sagt Peter Döbl vom Staatlichen Bauamt Freising. Auch seine Behörde wird Dutzende von Zählern an den Straßenrand schicken. Ein Zählauftrag ist an ein Büro für Verkehrserhebungen vergeben worden. 50 Zählstellen müssen aber mit eigenen Zählern bestückt werden.

Um ein differenziertes Bild zu erhalten, sind bis in den Herbst acht Zähltage vorgesehen: zwei Werktage außerhalb der Schulferien, zwei in den Ferien, zwei Freitage und zwei Sonntage. Gezählt wird drei Stunden nachmittags, bei stärker befahrenen Straßen teils auch noch morgens zwischen 7 und 9 Uhr. Daneben setzen Länder wie Baden-Württemberg, Bayern und Nordrhein-Westfalen auch auf mobile Erfassungsgeräte in Leitpfosten am Straßenrand, die wochenweise an wechselnden Standorten Daten erfassen. Die Freisinger Baubehörde hat 20 solcher Geräte. Insgesamt dürfte der Verkehr bundesweit an rund 25 000 Standorten gezählt werden, schätzen die BASt-Experten.

Die Freisinger Behörde hat eine ganze Reihe von prekären Straßen, wo aktuelle Daten dringend erwünscht sind. Zum Beispiel die erst 2013 eröffnete, aber viel befahrene B 301 zwischen Ismaning und Hallbergmoos. Ebenfalls im Fokus: die B 471 zwischen Garching und Ismaning. Bei der letzten Zählung 2010 wurden hier 21 000 Fahrzeuge im Schnitt täglich gezählt; inzwischen dürften es noch mehr sein.

Gezählt wird auch auf Autobahnen, hier ist die Zählung aber zumeist automatisiert. „Der Trend ist auf allen Autobahnen gleich“, sagt Gerald Reichert von der Autobahndirektion Südbayern. „Es gibt pro Jahr ein bis zwei Prozent mehr Verkehr.“ Auf der Salzburger Autobahn A8 etwa wurden 2010 im Schnitt in beiden Fahrtrichtung insgesamt 70 000 Fahrzeuge gezählt. 2013 waren es schon über 74 000 – mit einem Maximalwert von 120 000 während der Sommerferien. Die aktuellen Daten müssten zu einer Prognose verdichtet werden, sagt Reichert. Das sei der Sinn der Verkehrszählung.

Nicht immer freilich könne die Vorhersage mit der Realität Schritt halten. Beispiel A 99, Allacher Tunnel. „Den hätten wir vierspurig machen müssen“, heißt es bei der Autobahndirektion. Die Prognose sei schon am Tag der Eröffnung Makulatur gewesen.

Zähler gesucht

Das Staatliche Bauamt Freising sucht noch Zähler. Das Honorar beträgt zwölf Euro je Stunde. Kontakt per Telefon unter 089-307970.

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