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Ein Mantelpavian sitzt am Ostersonntag im Tierpark Hellabrunn in München bei Schneefall unter einem Felsvorsprung und gähnt.

Wann Frühling in Sicht ist

Verkehrte Wetter-Welt: Winter lässt nicht locker

München - Schneefall an Ostern, Badewetter an Weihnachten – das Wetter macht seit Monaten nicht, was es soll. Und eine Besserung ist zunächst nicht in Sicht. Der Winter lässt auch im Frühling einfach nicht locker.

Schnee. Schon wieder. Schneit es mal nicht, ist es stattdessen richtig kalt. Und grau und trüb. So haben sich die wenigstens die Ostertage vorgestellt, denn mit Frühling hatte das wenig zu tun. Eher schon mit Weihnachten. Aber halt – das ist so auch nicht (mehr) richtig. Am Heiligen Abend 2012 schien die Sonne von einem klaren Himmel und das Thermometer zeigte mancherorts bis zu 18 Grad. Am Chiemsee legten Mutige einen Badetag ein. Verkehrte Wetter-Welt.

So ungewöhnlich wie das klingt, ist es allerdings nicht, stellt Jan-Bernd Schröer (26) klar. Der Diplom-Meteorologe vom Deutschen Wetterdienst in München gibt zu bedenken, dass Ostern heuer relativ früh war. „Und der März ist klimatisch gesehen noch ein halber Wintermonat.“ Dass es zu dieser Jahreszeit schneit, ist ganz normal. Zwischen fünf und zehn Zentimeter Neuschnee waren es in Südbayern im Laufe des Ostersonntags. Die Skifahrer freut’s: In den bayerischen Skigebieten herrschen perfekte Pistenbedingungen. Auf der Zugspitze lagen am Sonntag 3,30 Meter Schnee, am großen Arber waren es knapp 1,80 Meter.

Trotzdem hat es Bayern noch gut getroffen: „Mit Berlin oder Norddeutschland ist das gar nicht zu vergleichen“, betont Schröer. In München weicht der Temperatur-Mittelwert für März nur um 1,6 Grad ab, in Nord-Ost-Deutschland war es um drei bis fünf Grad kälter, erklärt der 26-Jährige. „Ansonsten ist das gar nicht so außergewöhnlich.“

Ungewöhnlich ist hingegen die festgefahrene Wetterlage. „Das Frühjahr ist eigentlich geprägt durch viele Wetterwechsel.“ Warum diese bislang ausgeblieben sind, liegt an einem Hoch über Skandinavien und Osteuropa, das sich dort seit Monaten hält und derzeit „Liebhild“ heißt. „Das zapft die Kälte aus dem Kältereservoir an“, erklärt Schröer. Seit Anfang März hat sich daher das Wetter kaum geändert, und kalte Luft strömt über Deutschland nach Bayern. Außerdem verhindert „Liebhild“ die atlantischen Tiefausläufer, die normalerweise nach Mitteleuropa hereinziehen und mildes Wetter bringen.

Daran ändert sich auch in nächster Zeit erst einmal nichts, stellt der Experte klar. Erst wenn die Sonne Stück für Stück kräftiger wird, löst sich das Kältereservoir auf. „Wir haben immer noch Nachtfrost“, sagt Schröer. Auch tagsüber kann es vor allem im Nordosten Bayerns Frost geben. „Es bleibt wechselhaft.“ Der relativ sonnige Ostermontag gestern war die Ausnahme.

Die Ausnahme war auch das Wetter an Weihnachten. 16,3 Grad maß der Deutsche Wetterdienst am 24. Dezember in München, berichtet Schröer. 17 Grad hatte es auf dem Hohenpeißenberg und zwei Grad plus auf der Zugspitze „Da sind positive Werte im Dezember schon sehr selten.“ An dem weltweiten Klimawandel liege es nicht. „Von Veränderungen beim Klima spricht man erst ab 30 Jahren“, erklärt der Meteorologe. Von einem Klimawandel könne daher keine Rede sein. „Global betrachtet ist Deutschland so eine kleine Fläche, da kann man nicht in einer Region nach nur einer Saison direkte Rückschlüsse ziehen.“

Insgesamt lässt sich festhalten: „Der Winter war zu feucht.“ Auch wenn der März nun zu trocken war. Die Temperaturen lagen im normalen Bereich. 2,3 Grad betrug der Durchschnittswert im März in München, sagt der Meteorologe. „Normal sind 3,9 Grad“, erklärt Schröer. „Da gab’s schon kältere Winter.“ Auch so dunkel wie vermutet war der März nicht. „Wir hatten 90 Prozent der erwarteten Sonnenscheindauer.“

Von Julia Pawlovsky

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