Am Ende allein: Das Foto zeigt eine ältere Dame in ihrem Wohnzimmer beim Stricken. Die Rente reicht nicht, keiner hilft.

Spendenaktion

Verlassene Eltern

Mini-Rente, keine Zukunft: Immer mehr Senioren verarmen. Und viele können nicht mal auf die eigenen Kinder zählen. Wäre nicht die Patenschaftsaktion unserer Zeitung – all diese Menschen wüssten nicht mehr weiter.

Gerlinde Unger, 81, sucht oft nach den richtigen Worten, wenn sie von ihrem Leben erzählt: von dem Mann, der sie nach 20 Jahren Ehe sitzen ließ. Von den beiden Söhnen, die sich nicht um die Mutter kümmern. Von dem Kampf ums Überleben. Mit 840 Euro liegt die Rente von Gerlinde Unger knapp über der staatlichen Grundsicherung. Deshalb muss die ältere Dame alles bezahlen: Wohnung, Heizung, Krankenversicherung. Und am Ende? Da bleibt nichts. Als Gerlinde Unger ihren älteren Sohn einmal um Hilfe bat, weil ihr die Brille bei einem Sturz zu Bruch gegangen ist, da sagte der nur: „Was, Mutter? Du brauchst doch nix – Du lebst doch eh nimmer lange.“ Dabei liest Gerlinde Unger so gern.

Ja, sie hat immer gearbeitet. Als die Kinder noch kleiner waren, konnte sie nicht ganz so viel machen. Als sie dann 40 war, da ließ sich der Mann scheiden – und sie musste sich einen Vollzeit-Job suchen, der Ex-Gatte zahlte nichts. Gerlinde Unger verdingte sich als einfache Angestellte bei einer Stadtverwaltung. Und jetzt? Wie soll es weitergehen?

Erst kürzlich schaltete das zuständige Landratsamt den Verein Lichtblick Seniorenhilfe ein. Der unterstützt knapp 4000 bedürftige Rentner in Oberbayern. Der schoss auch die notwendigen 325 Euro für ein neues Brillengestell zu – damit Gerlinde Unger wenigstens wieder lesen kann.

„Zu uns kommen viele ältere Menschen, die keine Unterstützung bei den eigenen Kindern finden“, erzählt Lydia Staltner, die Vereins-Chefin. Oft sind es Mütter wie Gerlinde Unger, die einst für die Kinder alles aufgegeben haben.

Für diese Menschen ist eine Patenschaft in Höhe von 35 Euro monatlich „ein Geschenk des Himmel“ (siehe Kasten). So wie für Johanna Schmidt, 74. Sie ist eine frühere Akrobatin – deren fünf Kinder über alle Kontinente verstreut sind. Sie sagt: „Die sind froh, wenn sie ihre eigenen Familien über die Runden bringen.“ Sie, die Mama, muss selbst schauen, wo sie bleibt: mit ihren Rückenproblemen, der Arthrose – und einer Rente von 155 Euro.

Oder Emma Wittlich, 90, die Malerin. Deren Tochter die eigene Mutter in ein Mini-Zimmer verbannte – um sich in deren Wohnung breitzumachen. Emma Wittlich bekommt Grundsicherung. Und jetzt ist sie vor der Tochter in ein Seniorenheim geflüchtet. „Es war die Hölle, ich konnte in meinen vier Wänden nichts mehr tun“, sagt sie. Doch das Malen, das fehlt ihr jetzt.

Und Ursula Koch, 74. Noch so eine Frau, die an der Armutsgrenze lebt. Nach Abzug aller Fix-Kosten bleiben der ehemaligen Sekretärin knapp 300 Euro im Monat. Und gerade haben sie bei ihr wieder einen Tumor entdeckt. Ein Todesurteil. Aber: Wenigstens ist Ursula Kochs Tochter da.

Felix Barth

Schenken Sie ein bisschen Würde: Mit unserer Patenschaftsaktion für ältere Menschen

Bei der Aktion des Münchner Merkur und der Sparda-Bank München gegen Altersarmut können Sie eine Patenschaft für in Not geratene Senioren übernehmen. Eine Patenschaft kostet 35 Euro im Monat.

Das Geld kann viertel-, halbjährlich oder für ein ganzes Jahr gespendet werden. Auch einmalige Spenden sind willkommen. Der Verein Lichtblick Seniorenhilfe leitet stets die volle Summe an die Bedürftigen weiter. Überweisungen tätigen Sie bitte auf das Konto 490 1010 des Vereins Lichtblick

Seniorenhilfe (Balanstraße 45, 81669 München) bei der Sparda-Bank München, BLZ 700 905 00. Weitere Informationen gibt es beim Verein Lichtblick: 089/67 97 10 10. Die E-Mail-Adresse des Vereins lautet:

info@lichtblick-sen.de. Lichtblick Seniorenhilfe ist ein gemeinnützig anerkannter Verein. Für Ihre Spenden erhalten Sie eine Spendenquittung; bitte geben Sie Ihre Adresse an.

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