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Krater bricht neben Wohnhaus auf – VW Golf stürzt ins 80 Meter tiefe Erdloch: Mutmaßen über Ursache

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Von: Katrin Woitsch

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Der VW Golf steht neben dem Krater, ein Reifen hängt bereits in der Luft
Zunächst hielt sich der Golf noch über dem Loch, am Samstag stürzte er in den Krater. © Michael Hudelist

Unmittelbar neben einem Wohnhaus im Berchtesgadener Land hat sich ein 80 Meter tiefer Krater in der Erde aufgetan. Die Familie blieb unverletzt – doch ihr Auto stürzte in das Loch. Ursache ist vermutlich ein alter Bergwerkschacht. Genaueres sollen geologische Untersuchungen klären.

Teisendorf - Für Astrid King und ihre Familie war es ein riesengroßer Schreckmoment. Direkt neben ihrem Haus in Teisendorf (Kreis Berchtesgadener Land) hat sich am Freitag plötzlich ein Loch in der Erde aufgetan. Direkt neben dem VW Golf, der in der Einfahrt geparkt war. Wie durch ein Wunder blieb das Auto zunächst stehen – obwohl bereits ein Reifen über dem Abgrund hing. Florian Pfisterer, Kommandant der örtlichen Feuerwehr, war mit mehreren Kräften vor Ort.

Krater bricht neben Wohnhaus in Bayern auf

„Wir konnten am Freitag nicht viel tun“, sagt er. „Es war schnell klar, dass wir das Auto aufgeben müssen. Es wäre viel zu gefährlich gewesen, es von dem Krater wegzubewegen.“ Lange hielt sich das Fahrzeug nicht mehr über dem Loch. Am Samstag krachte der Kanalschacht ein, auf dem es mehr oder weniger geschwebt hatte. Das Auto stürzte in den Krater. Der Durchmesser des Lochs habe sich seitdem etwa verdoppelt, schätzt Pfisterer. Auf rund zehn Meter. Die Tiefe schätzen die Einsatzkräfte auf etwa 80 Meter.

Eine Luftaufnahme auf das Anwesen mit dem Kraterloch
Das Loch wird immer größer: Am Wochenende schätzte die Feuerwehr die Tiefe auf 80 Meter. © Michael Hudelist

Astrid King und ihr Mann waren am Freitagnachmittag schon auf der Autobahn unterwegs nach Salzburg, als plötzlich ihre Schwiegermutter anrief. „Kommt sofort nach Hause, es ist ein riesiges Loch im Garten, der Golf stürzt ab“, berichtete sie aufgeregt. Die beiden drehten sofort um und fuhren zurück zum Haus am Teisenberg. „Zu Hause angekommen sahen wir das Loch zuerst nicht, der Golf stand ja noch da“, berichtet King. Die Schwiegereltern hatten sich bereits in Sicherheit gebracht. Auch das Nachbargebäude wurde evakuiert. Die fünfköpfige Familie King ist mitsamt der Schwiegereltern vorerst in einem Hotel in der Nähe untergekommen. Das Grundstück ist weiträumig abgesperrt. Samstagnachmittag durften die Kings nochmal kurz in ihr Haus, um das Nötigste rauszuholen.

„In der Nachkriegszeit gab es so etwas bei uns nicht mehr“

Die Region war früher ein Bergbaugebiet. Offenbar hatte sich unter der Zufahrt des Hauses ein tiefliegender Bergwerkschacht befunden. Einige der Stollen im Berchtesgadener Land waren bereits 1160 zur Eisengewinnung angelegt worden. 1432 wurde das Bergwerk wiedereröffnet. In den vergangenen Jahrhunderten hatte es hin und wieder mal Stolleneinstürze gegeben. Kommandant Pfisterer kennt diese Geschichten nur von Erzählungen der ältesten Dorfbewohner. „In der Nachkriegszeit gab es so etwas bei uns nicht mehr“, sagt er. Für die Feuerwehr seien solche Einsätze komplettes Neuland.

Familie King steht hinter der Absperrung zu ihrem Haus
Besorgte Blicke aufs eigene Haus: Familie King ist vorerst in einem Hotel untergekommen. © Michael Hudelist

Viel tun konnten Pfisterer und seine Kameraden am Wochenende nicht. Über der Einfahrt ist eine große Plane gespannt, direkt darunter befindet sich das Loch. Das füge sich gut, sagt der Kommandant. So wird der Krater vor dem Regen geschützt. Noch am Freitagabend war eine Geologin vor Ort. Auch Landrat Bernhard Kern machte sich am Wochenende persönlich ein Bild von der Situation. Montag sollen weitere Experten kommen und den Krater untersuchen. Auch ein Bodenradar soll eingesetzt werden. Momentan sei das Erdreich noch in Bewegung, erklärt Pfisterer. Erst wenn die geologischen Untersuchungen abgeschlossen sind, wird die Familie erfahren, ob sie wieder in das Haus zurück darf, das sie vor 20 Jahren gekauft hatte.

Michael Hudelist
Katrin Woitsch

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