Fussgänger von Betrunkenem überfahren

Versicherung zahlt Beerdigung

Kirchdorf/Landshut - Ute S. verlor ihren Sohn durch einen betrunkenen Autofahrer und musste auch noch vor Gericht um die Beerdigungskosten streiten. Jetzt widerfuhr ihr Gerechtigkeit.

Seit über einem Jahr hatte die 63-jährige Verkäuferin Ute S. aus Kirchdorf-Hirschbach (Landkreis Freising) nicht nur mit dem Schmerz und der Verzweiflung über den Unfalltod ihres Sohnes René K. zu kämpfen, der ihm Alter von 41 Jahren von ihrem betrunkenen Nachbarn angefahren und tödlich verletzt wurde. Fast schon makaber: Die Versicherung weigerte sich, die Beerdigungskosten und Schmerzensgeld zu zahlen, ließ es sogar auf einen Prozess ankommen (wir berichteten).

Die 5. Zivilkammer beim Landgericht Landshut verurteilte jetzt die Versicherung, sich mit rund 4200 Euro an den Beerdigungskosten zu beteiligen und gestand der Mutter ein Schmerzensgeld von 4000 Euro zu.

Der tragische Unfall hatte sich an Halloween 2007 ereignet. René K. und seine Freundin gingen am späten Abend nach einem Besuch im Gasthaus zu Fuß nach Hause. Der 41-Jährige hatte zwei Bier und einen Schnaps getrunken. Plötzlich hörten sie ein Auto von hinten ankommen. „Wir sind dann knapp hintereinander gegangen, haben uns an den linken Händen gehalten“, so die Freundin von René K. im Zivilprozess. „Ich habe meine Hand ausgestreckt und war der Meinung, dass uns der Autofahrer wegen meiner knallroten Jacke und den Silberstreifen darauf besser erkennt. Plötzlich gab es dann einen Knall, mehr weiß ich nicht mehr.“

Das Paar wurde in die angrenzende Wiese geschleudert. René K., der vom Auto direkt angefahren wurde, stirbt im Krankenhaus. Er hinterlässt zwei kleine Kinder, damals sechs und drei Jahre alt.

Unfallverursacher Wolfgang S. war, wie die Blutprobe ergibt, betrunken: 1,8 Promille wurden bei ihm festgestellt. Er flüchtet zunächst von der Unfallstelle, stellt sich aber später der Polizei. Mutter Ute S. trifft der Unfall schwer: Nervlich am Ende, völlig verzweifelt, bricht sie bei der Beerdigung zusammen, hat schlaflose Nächte, ist nicht mehr die Gleiche, wie ihr Schwiegersohn Franz M. (50) bestätigt: „Sie ist oft völlig abwesend.“

Zu allem Überfluss bekommt die 63-Jährige auch noch Ärger mit der Versicherung des Unfallfahrers: Sie weigerte sich, die Beerdigungskosten, die insgesamt rund 6000 Euro betragen, zu übernehmen und dachte auch nicht daran, der Mutter ein Schmerzensgeld für den geltend gemachten „Schockschaden“ zukommen zu lassen.

Ihre Forderungen musste die Verkäuferin vor der 5. Strafkammer beim Landgericht Landshut einklagen: Die Versicherung machte ein Mitverschulden des Sohnes am Unfall geltend und verwies hinsichtlich des Schmerzensgeldes darauf, dass sich Ute S. nicht in psychotherapeutische Behandlung begeben habe, obwohl ihr der Arzt eine Überweisung ausgestellt habe. „Ich hätte erst in diesem November einen Termin bekommen, deshalb habe ich mich einer Selbsthilfegruppe für verwaiste Eltern angeschlossen“, so die 63-Jährige dazu. Besonders „infam“ findet sie es, dass die Versicherung sogar in Abrede stellte, dass sie die Rechnungen bezahlt habe.

Der medizinische Gutachter bestätigt, dass die Chancen, die Depressionen mit einer Psychotherapie zu lindern, gegeben gewesen wären. Der Kfz-Sachverständige stellte fest, dass er Unfall nicht passiert wäre, wenn das Paar die linke Straßenseite benutzt hätte. Andererseits hätte der Unfallverursacher in der sternenklaren Nacht die Fußgänger bei eingeschaltetem Fernlicht auf 100 Meter Entfernung erkennen können. Der Richter verurteilte die Versicherung, sich mit 4200 Euro an den Beerdigungskosten zu beteiligen. Abstriche machte er, „weil zu 20 Prozent ein Mitverschulden des Getöteten zu Grunde gelegt werden muss“. Ute S. gestand er zudem ein Schmerzensgeld von 4000 Euro zu.

Walter Schöttl

Rubriklistenbild: © fkn

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