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Bei den Bayreuther Festspielen 2017 inszenierte Franz Castorf seine Version des „Ring der Nibelungen“. Die „Götterdämmerung“ ist der vierte Teil des Gesamtwerks.

Umstrittener Regisseur

Versöhnlicher Abschied von Frank Castorf in Bayreuth

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Es ist die letzte Spielzeit von Frank Castorfs „Ring des Nibelungen“ bei den Bayreuther Festspielen. Nach der „Götterdämmerung“ zeigte sich der Regisseur dem Publikum - und das reagierte überraschend.

Bayreuth - Fünf Jahre nach seinem Debüt bei den Bayreuther Festspielen ist Regisseur Frank Castorf vom Publikum bejubelt worden. Als der 66-Jährige am Donnerstag nach der „Götterdämmerung“ gemeinsam mit seinem Regie-Team vor den Vorhang trat, erhob sich das Publikum und applaudierte. Kein Pfeifkonzert. 2013 buhten die Zuschauer 15 Minuten lang und Castorf blieb stehen, tippte sich mit den Zeigefingern an die Stirn und provozierte noch mehr Protest. 2017 gab es 15 Minuten lang stürmischen Beifall, in dem die einzelnen „Buh“-Rufe untergingen. Es scheint, als habe das Wagner-Publikum seinen Frieden mit dem Castorfschen „Ring des Nibelungen“ gemacht.

Experiment mit umstrittenem Regisseur geglückt

Festspielleiterin Katharina Wagner zieht ein positives Resümee: „Da ist nicht nur eine Form von Frieden, sondern auch ein Verständnis für diese Sichtweise gewachsen“, sagte sie der Deutschen Presse-Agentur. Sie bedauert es, dass der Regisseur den Grünen Hügel nun verlässt. Noch zweimal ist dessen Inszenierung des vierteiligen Mammutwerkes zu sehen. Am 28. August gibt es die letzte „Götterdämmerung“ à la Castorf. Das Stück beschließt die diesjährige Festspielsaison.

Die schrill-frivole Inszenierung des Regie-Rabauken mit ihren zahlreichen - und bisweilen schwer nachvollziehbaren - politischen Anspielungen und den gewaltigen Kulissen wird als hochumstritten in die Geschichte der Festspiele eingehen. Phasenweise gerieten die Aufführungen zu einer Multimediashow. Auf Leinwänden waren Videosequenzen zu sehen, unter anderem Szenen aus dem Inneren der Kulissen, die den Zuschauern sonst verborgen geblieben wären.

Angesichts der Bildfülle drohte die Musik in den Hintergrund zu geraten. Dass das nicht geschah, lag an Dirigent Marek Janowski und dem grandios aufspielenden Festspielorchester. In den ersten drei Jahren hatte die musikalische Leitung noch der ebenfalls gefeierte Kirill Petrenko inne.

Ungewöhnliche Interpretation eines Klassikers

Die Drehbühne wurde für die vier Teile und „Götterdämmerung“ von Aleksandar Denic gestaltet. Das „Rheingold“ spielte sich in einem heruntergekommenen Motel und einer nicht weniger schäbigen Tankstelle im Stil der 60er Jahre an der Route 66 in den USA ab, die „Walküre“ verlegte Castorf in eine Ölraffinerie in Aserbaidschan. Bei „Siegfried“ wechselte die Szenerie zwischen einer bühnenhohen Replik des Mount Rushmore - jedoch nicht mit vier in Stein gemeißelten US-Präsidenten, sondern mit den Köpfen von Marx, Stalin, Lenin und Mao - und einem Berliner Alexanderplatz.

Bei der „Götterdämmerung“ zeigte die Kulisse wahlweise eine schäbige Straßenecke samt Mauerrest und Dönerbude in Berlin, ein „Plaste und Elaste“-Logo aus DDR-Zeiten oder die New Yorker Börse. Gestapelte Ölfässer erinnerten an Castorfs Leitmotiv - Geld, Macht und Gier - das sich durch seine „Ring“-Inszenierung ziehen sollte. Schlüssig war das nicht immer. Unklar war auch immer wieder, warum sich welche Szene vor welchem Kulissen-Abschnitt abspielte. Oft wirkte es, als gebe es keinen Zusammenhang zwischen Inhalt und Szenerie.

Schauspieler glänzen durch starke Stimmen und Bühnenpräsenz

Was von Castorfs „Ring“ ebenfalls in Erinnerung bleiben wird, sind die grandiosen Sänger. Stimmgewaltig und mit starker Bühnenpräsenz - allen voran die gefeierte Brünnhilde-Sängerin Catherine Foster - zogen sie die Konzentration der Zuschauer immer wieder auf sich.

Festspielchefin Wagner ist zufrieden: „Frank Castorf wurde engagiert, weil er eine ganz eigene Ästhetik hat und weil er in Bayreuth eine völlig neue Sichtweise auf das Stück bringen sollte. Und das hat er wirklich getan.“ Ob der langjährige Intendant der Berliner Völksbühne irgendwann zurückkehren wird? „Soweit waren wir jetzt noch nicht“, sagte Wagner. Ausgeschlossen scheint es nicht zu sein.

Auf ihrer Facebook-Seite dankten die Festspiele Castorf jedenfalls „für einen aufregenden „Ring“ von 2013 bis 2017“ und veröffentlichten ein Foto, das den Regisseur während des Schlussapplauses lächelnd hinter der Bühne zeigt.

dpa

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