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Die beiden Verteidiger von Mollath haben ihr Mandat niedergelegt.

Nach Mandatsniederlage

Mollath-Anwälte werden jetzt Pflichtverteidiger

Regensburg - Die beiden Wahlverteidiger von Gustl Mollath haben am Mittwoch völlig überraschend ihr Mandat niedergelegt - und wurden vom Landgericht Regensburg darauf umgehend zu Pflichtverteidigern bestellt.

Es ist kurz nach 14 Uhr und irgendetwas stimmt nicht. Eigentlich soll der Prozess jetzt weitergehen, ein Psychiater sitzt schon im Zeugenstand, wartet auf seine Befragung. Doch da meldet sich Gustl Mollaths Verteidiger zu Wort – und erklärt: „Wir nehmen Abschied. Mein Mandat ist beendet.“

Sekunden vergehen, dann verlassen die ersten Journalisten den Sitzungssaal 104 im Regensburger Landgericht. Diese Nachricht muss unbedingt raus, sie ist eine kleine Sensation: Mollath hat keinen Anwalt mehr. Nur eine knappe halbe Stunde später hat er wieder einen. Nämlich denselben: Gerhard Strate wird – zusammen mit Co-Anwalt Johannes Rauwald – zum Pflichtverteidiger bestellt. Die Vorsitzende Richterin Elke Escher erklärt zur Begründung, Strate sei „im komplexen Verfahren eingearbeitet“. Einst hatte er auch den komplizierten Wiederaufnahmeantrag formuliert.

Dass zwischen Mollath und seinem Verteidiger in jüngster Zeit eine gewisse Anspannung herrschte, war – wenn man genau hinschaute – durchaus erkennbar. Mal erklärte Strate wie beiläufig, er sei „selbstverständlich“ kein Anhänger einer Verschwörungstheorie, ein anderes Mal sagte er, sein Mandant sei „auf der Siegerstraße“, aber natürlich werde etwas hängenbleiben, jedoch „nichts strafrechtlich Relevantes“. Mit dieser Einschätzung dürfte Strate richtig liegen, zumal ein Gerichtsmediziner erst am vergangenen Freitag bescheinigt hatte, dass sich die Prügelvorwürfe von Mollaths Ex-Frau nicht eindeutig beweisen ließen; ein weiterer Sachverständiger erklärte gestern sinngemäß das Gleiche – diesmal jedoch bezogen auf Reifenstechereien, die Mollath ebenfalls vorgeworfen werden.

Doch dem Angeklagten reicht nur ein Mangel an Beweisen offenbar nicht aus – er will eine vollständige Rehabilitierung. Und er will, dass die angeblichen Schwarzgeldgeschäfte seiner Ex-Frau aufgeklärt werden. Denn Mollath glaubt fest an einen Komplott: Seine geschiedene Frau habe ihn mundtot machen wollen, nachdem er sie wegen illegaler Transfers angezeigt hatte.

Das Problem dabei ist: Diese Vorwürfe werden in der Wiederaufnahme nicht verhandelt, darauf weist auch der Oberstaatsanwalt am Mittwochvormittag hin – und verwirft zahlreiche Beweisanträge der Verteidigung, die in diese Richtung gehen.

Strate selbst, so scheint es, beharrt auch gar nicht mehr so sehr darauf. Doch dann fährt Mollath seinem Verteidiger dazwischen – was letztlich zu dem endgültigen Zerwürfnis führt. Mollath erklärt: „Ich empfinde es als skandalös“ – und meint damit nicht nur die verworfenen Beweisanträge, sondern vielmehr die Zeugenauswahl überhaupt. Er selbst pocht erneut darauf, dass Zeugen gehört werden, die – in seinen Augen – dazu beitragen könnten, „den größten Schwarzgeldskandal“ aufzudecken.

Während die Vorsitzende Richterin Escher ihn sanft einbremst, scheint Strates Geduld endgültig am Ende. Er wird später erklären, dass er selten ein Gericht erlebt habe, das die Aufklärung so sorgfältig versuche wie die Kammer in Regensburg. Und er wird auch sagen, dass er nicht nachvollziehen könne, warum sein Mandant entsetzt sei über einen „mangelnden Aufklärungswillen“.

In der Mittagspause stehen dann Strate und Mollath kurz zusammen, es sieht nicht nach einem angenehmen Gespräch aus, danach gehen sie in unterschiedliche Richtungen davon. Mollath sagt nach der Mandats-Niederlegung, er sei überrascht und erschüttert zugleich, damit habe er nicht gerechnet. „Ich wünsche mir, dass er in sich geht und die Sache durchzieht.“

Das tut Strate jetzt auch – aber auf Anweisung des Gerichts. Kurz vor der Zeugenbefragung des Psychiaters, der bereits seit rund einer Stunde wartet, sagt er: „Wir werden ohne Abstriche an dem, was wir für richtig halten, die Verteidigung weiterführen.“ Es ist klar: Mollath und sein – neuer – Pflichtverteidiger sind sich in der Strategie nach wie vor nicht ganz einig.

Barbara Nazarewska

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