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Mancherorts eine Rarität: Streusalz.

Knappheit statt Sicherheit: Verteilungskampf ums Streusalz

München - Frost und Glatteis kehren nach Bayern zurück. Aber das Streusalz wird knapp. Das führt zu Verteilungskämpfen: Das Innenministerium hat Straßenmeistereien verboten, an kommunale Bauhöfe Salz abzugeben.

Was wäre Deutschland in diesen Tagen ohne die drei Konzerne Südwestdeutsche Salzwerke (Heilbronn), European Salt Company (Hannover) und Wacker Chemie (Burghausen)? Unter Vollauslastung liefern die Salzgiganten das Elixier, ohne das der Verkehrsinfarkt drohen würde.

Allein Wacker produziert im Jahr 500 000 Tonnen Auftausalz, zum kleineren Teil für die eigene Chemieproduktion, zum Großteil aber für den Straßendienst. Wacker unterhält dazu im baden-württembergischen Stetten ein eigenes Bergwerk. Doch derzeit können nicht alle Anfragen auch bedient werden, bestätigt Pressesprecher Christof Bachmair. „Wir haben langfristige Verträge mit Autobahnmeistereien und Salzhändlern.

Bayern versinkt im Schnee

Bayern versinkt im Schnee

bayWer einen Vertrag hat, der bekommt sein Salz“ – im Umkehrschluss heißt das: und wer keinen hat, muss sehen, wo er bleibt. Es gebe deutschlandweit „Streusalzengpässe“, klagt der Bayerische Gemeindetag. Auch viele Kommunen in Oberbayern sind derzeit unter den Leidtragenden.

Im Landkreis Starnberg muss beispielsweise in Gilching Seefeld, Krailling und Andechs gespart werden, im Landkreis Dachau klagt der kreiseigene Bauhof über einen Mangel und beschränkt das Ausstreuen von Salz „auf die Gefahrenstellen“, wie es vergangene Woche in einer Pressemitteilung hieß.

Im Landkreis Fürstenfeldbruck klagt der Mammendorfer Bauhofleiter: „Wir haben vor vier Wochen bestellt und seitdem nichts bekommen.“ Der Kämmerer im nicht weit entfernten Moorenweis ahnt auch, warum das so ist: „Das ganze Salz geht sofort auf die Autobahnen – wir sind die letzten im Glied.“ Mit dieser Vermutung liegt der Kämmerer nicht ganz falsch.

Der Bayerische Gemeindetag hat beim bayerischen Innenministerium nachgefragt, ob der Freistaat mit Streusalz aushelfen könne, sich jedoch eine Absage eingefangen. Das Ministerium „hat auf unsere Nachfrage mitgeteilt, dass sie keine Möglichkeit sieht, über ihre Straßenmeistereien Gemeinden mit Streusalz mitzuversorgen, weil das vorhandene Streusalz für das eigene Straßennetz benötigt wird“, heißt es in einer Mitteilung an die Bürgermeister. Und weiter: „Die Straßenmeistereien wurden bereits vor rund 14 Tagen angewiesen, keinerlei Streusalz an Kommunen abzugeben.“

Von niedersächsischen Verhältnissen ist manche Ortschaft nicht mehr weit entfernt. In Niedersachsen hatte das Verkehrsministerium am Wochenende offiziell zum Verzicht auf das Autofahren aufgerufen. In Fürstenfeldbruck reicht das Salz trotz strenger Rationierung schon nicht mehr, um für einen Eisregen gewappnet zu sein. Sollte der kommen, sagt ein Mitarbeiter, müsse man an die Bürger appellieren, das Auto stehen zu lassen.

Dirk Walter

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