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Nachwuchs gesucht: Auf die neu geweihten Priester (hier im Freisinger Dom) warten oft große Pfarrverbände.

Folgen des Priestermangels 

Verwalter sollen Pfarrer entlasten

München - Immer mehr Pfarreien werden zu Pfarrverbänden zusammengelegt. Für die Pfarrer ist das oft eine Mehrbelastung. Das Ordinariat versucht, ihnen Helfer für die Verwaltung zur Seite zu stellen. Trotzdem stehen die Gläubigen mancherorts am Sonntag vor verschlossenen Kirchen.

Mit seinem Pfarrbrief hat Pfarrer Jan-Christoph Vogler so manchen Gläubigen im Pfarrverband Walpertskirchen im Kreis Erding vor den Kopf gestoßen (wir berichteten). Über die Wortwahl, mit der er Einschnitte etwa bei der Zahl der Messen ankündigte, lässt sich streiten, nicht aber über den Fakt, dass die Pfarrer in der Region immer komplexere Aufgaben zu erfüllen haben. „Wenn es nach mir ginge, hätte jede Pfarrei ihren eigenen Pfarrer“, schrieb Vogler, „aber da dies nicht so ist, wird es Einschränkungen geben müssen.“

Kardinal Reinhard Marx hat dem Erzbistum München-Freising schon kurz nach seinem Amtsantritt eine Strukturreform verordnet. Seitdem schließen sich Pfarrgemeinden – mehr oder weniger freiwillig – zu größeren Einheiten zusammen. Zuletzt etwa Holzkirchen und Warngau im Kreis Miesbach, wo Pfarrer Gottfried Doll nun für 10 500 Gläubige aus sechs Pfarreien zuständig ist. Insgesamt wurden vergangenes Jahr acht Pfarrverbände im Erzbistum errichtet. 71 einzelne Pfarreien gibt es noch, die übrigen 676 sind in 220 Pfarrverbänden zusammengeschlossen. Bis 2020 sollen es 230 Verbände sein.

Das Erzbistum reagiert damit auf den Priestermangel, aber auch auf die veränderte Gesellschaftsstruktur. „In Gegenden, wo viele junge Familien leben, können wir so mehr auf Familienpastoral setzen, anderswo etwa mehr auf Senioren Rücksicht nehmen“, sagt Ordinariatssprecher Christoph Kappes. Er weiß aber auch, dass für die Pfarrer daraus „größere Aufgaben“ erwachsen.

In Holzkirchen sei die Fusion „ohne großen Widerstand“ abgelaufen, sagt Pfarrer Doll. „Begeistert war keiner, aber die meisten wissen, dass es notwendig ist.“ Er sieht auch positive Nebeneffekte: „Wir können eine größere Vielfalt bieten. Zum Beispiel steht nicht jeden Sonntag derselbe Pfarrer zur Predigt in der Kirche.“ Das Angebot an Gottesdiensten konnte Doll aufrechterhalten.

Das klappt nicht überall. Vor allem, wenn Vakanzen entstehen. So wie in Odelzhausen (Kreis Dachau), wo Pfarrer Richard Nowik ein knappes Jahr lang alleine für sieben Pfarreien mit 14 Filialkirchen zuständig war. „Es kam immer wieder vor, dass Kirchen am Sonntag leer stehen mussten. Wir haben versucht, die Ausfälle mit Wortgottesdiensten aufzufangen.“ Seit September steht Nowik nun wieder ein Pfarrvikar zu Seite. „Jetzt ist es besser.“

Was Nowik grundsätzlich ärgert, ist der hohe Verwaltungsaufwand, den er betreiben muss. Friedhof, Finanzen, Immobilien – die Verwaltung mache mitunter die Hälfte seiner Arbeit aus. „Kann da nicht jemand helfen?“, fragt er sich.

Theoretisch ja. Um den Priestern unter die Arme zu greifen, setzt das Ordinariat vermehrt auf Verwaltungsleiter. Fachleute, die den Pfarrern mehr Zeit für die Seelsorge freischlagen sollen. Im September hatte das Ordinariat angekündigt, dafür 67 Stellen zu schaffen. In 30 Pfarrverbänden, Pfarreien oder Stadtkirchen werden bereits Verwaltungsleiter eingesetzt. Für rund 30 weitere Stellen gibt es schon Anträge oder die Ausschreibung läuft bereits.

Pfarrer Nowik hat in Odelzhausen aber momentan keine Aussicht auf Hilfe, wie er sagt. Denn einen Verwaltungshelfer bekomme man nur, wenn der Pfarrverband auch einen gemeinsamen Haushalt habe. „Da sträuben sich aber die einzelnen Kirchenverwaltungen“, sagt Nowik – aus Angst, dass es künftig länger dauern könnte, bis eigene Projekte umgesetzt werden. „Bis jetzt konnte ich die Verwaltungen nicht überzeugen.“ Er fühlt sich in der Verwaltungsarbeit vom Ordinariat allein gelassen. Sein Eindruck: „Die Seelsorge gehört nicht zu den Prioritäten des Ordinariats.“ Hier widerspricht Kappes: „Unser Ziel ist immer die bestmögliche Seelsorge vor Ort.“

Auch Christian Weisner von der Kirchenvolksbewegung „Wir sind Kirche“ sieht die Gefahr, dass Pfarrer überfordert werden. Die Entscheidung, Verwaltungsleiter einzusetzen, sei richtig. „Auf Dauer muss man sich die Frage stellen, ob immer alles zentralistisch geregelt werden muss.“ Er plädiert für mehr Beteiligungsformen. Teil der Kirchenteams sollten eben auch Frauen und verheiratete Männer sein können. Denn auch wenn die Zeit des Dorfpfarrers vorbei sei – „der Gemeinschaftsgedanke darf nicht zerstört werden.“

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