Christian Kegel, Traunsteiner OB.

Verwelkte Blütenträume

Landesgartenschau Traunstein: So geht's nach dem NEIN weiter

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Traunstein - Nach dem ablehnenden Votum der Bürger in Traunstein wird die Landesgartenschau 2022 möglicherweise neu ausgeschrieben. Wer den Zuschlag bekommt, muss sich allerdings beeilen. Für Planung und Baumaßnahmen bleibt weniger Zeit als üblich.

Ursula Münch, Politologin.

Nach dem Aus für die Landesgartenschau (LGS) 2022 in Traunstein wird die Veranstaltung möglicherweise neu ausgeschrieben. Die Fördergesellschaft für die bayerischen Landesgartenschauen werde sich dazu mit dem Umweltministerium in München in Verbindung setzen, sagte Geschäftsführerin Dagmar Voß. Bis zu einer Entscheidung über das weitere Vorgehen würden aber einige Wochen vergehen. Das Umweltministerium teilte mit, dass es den Ausgang des Bürgerentscheids respektiere. „Großprojekte können nur mit den Menschen umgesetzt werden“, sagte ein Sprecher. Das Ministerium werde gemeinsam mit der Fördergesellschaft und allen Beteiligten das weitere Vorgehen besprechen. „Dabei ist auch die neue Ausschreibung eine Option.“

Christian Kegel, Traunsteiner OB.

Beim ersten Bürgerentscheid in der 36-jährigen Geschichte der weiß-blauen Gartenschauen hatten am Sonntag 63,3 Prozent für das von einem Aktionsbündnis initiierte Bürgerbegehren gegen die Blumenschau gestimmt. Das Ratsbegehren des Stadtrates zugunsten der Veranstaltung bekam lediglich 45,7 Prozent Zustimmung. Oberbürgermeister Christian Kegel (SPD) kündigte daraufhin an, die städtische Gesellschaft für die LGS aufzulösen. „Das Thema ist gestorben.“ Die Geschäftsführer werden entlassen.

Voß reagierte enttäuscht auf die Ablehnung. „Es tut mir vor allem für die Stadt leid, die sich zwei Mal beworben hat und sich so gefreut hatte, dass es beim zweiten Mal geklappt hat. Das ist bitter.“ Im Fall von Traunstein hätten die Gegner teils „mit Stammtischparolen“ argumentiert, kritisierte die Geschäftsführerin der Fördergesellschaft.

Die Grünen im Landtag begrüßten gestern das Aus: Für die Schauen sei ein „struktureller Neustart“ notwendig, forderte Fraktionschef Ludwig Hartmann. Das Organisationskonstrukt mit einer Fördergesellschaft, in der nur Lobbyverbände wie Gärtnerei-Verband und Bund der Baumschulen vertreten seien, müsse reformiert werden. Ähnlich formulierte es Hubert Aiwanger, Fraktionschef der Freien Wähler. Ursula Münch, Direktorin der Akademie für Politische Bildung in Tutzing, nannte das Traunsteiner Votum „nicht überraschend“. Bürger, „die dagegen sind, sind leichter zu mobilisieren“, sagte sie gegenüber unserer Zeitung. Das sei generell bei Bürgerentscheiden so; hingegen sei eine „schweigende Mehrheit“ schwer zu erreichen. Häufig sei ein Bürgerentscheid auch nur Anlass, ein generelles Unbehagen zu artikulieren, zum Beispiel dem Oberbürgermeister oder Stadträten zu signalisieren, dass man unzufrieden sei. Eine Gartenschau könne eine Stadt bereichern, doch dazu müsse man bereit sein, Unannehmlichkeiten während der Bauphase in Kauf zu nehmen – was die Traunsteiner offenkundig nicht wollten.

Wer anstelle von Traunstein die LGS in sechs Jahren ausrichtet, hat indessen weniger Zeit als üblich für Planung und Baumaßnahmen. Ausgeschlossen sei das nicht, sagte Voß gegenüber unserer Zeitung. Neumarkt in der Oberpfalz habe es schon mal in fünf Jahren geschafft. Zunächst muss aber der Vergabeausschuss der Fördergesellschaft wegen der Landesgartenschau 2024 tagen – sie soll nach Erlangen kommen.

Durch das Traunsteiner Votum ist die Vorfreude von Voß auf die diesjährigen Blumenschau etwas getrübt. Am Freitag nächster Woche soll die Schau in Bayreuth eröffnet werden. Motto: „Musik für die Augen“. 4000 „Events“, 45 Hektar neue Naturlandschaft – „das kommt in diesen Dimensionen dem Charakter einer Bundesgartenschau nahe“, rühmen sich die Organisatoren.

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