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Verwirrt und aggressiv: Trifft das auf Gustl Mollath, 57, zu? Die Nebenklage überraschte jedenfalls am sechsten Prozesstag durch neue Vorwürfe.

Nebenklage überraschte

Verwirrt und aggressiv: Neue Vorwürfe gegen Mollath

Regensburg - Verwirrt und aggressiv: Trifft das auf Gustl Mollath, 57, zu? Die Nebenklage überraschte jedenfalls am sechsten Prozesstag durch neue Vorwürfe.

Kurz vor der Mittagspause, die Kammer will sich schon zurückziehen, da meldet sich Jochen Horn zu Wort. Er ist der Anwalt von Petra M., der Ex-Frau Gustl Mollaths – und er stellt einen Antrag. Er will Akten aus Hannover in die Wiederaufnahme vor dem Regensburger Landgericht einbeziehen lassen. Denn in diesen Akten steht offenbar Brisantes: Mollath, 57, soll am 31. Dezember 2013 mit einer Bekannten so heftig an einer Tankstelle gestritten haben, dass sogar Passanten eingegriffen hätten. Die Frau sei „vollkommen verängstigt und schockiert“ gewesen, sagt Horn. Er sagt auch: „Hierdurch wird sich feststellen lassen, dass der Angeklagte nach wie vor nicht in der Lage ist, Konflikte angemessen verbal auszutragen, sondern seinen Affekten ohne inneren Widerstand rücksichtslos und hemmungslos nachgibt.“

Nur wenige Minuten später räumt Mollath eine Auseinandersetzung ein. In der Mittagspause spricht er mit Journalisten, erklärt, er habe tatsächlich „scharfe Worte“ gebraucht – doch handgreiflich sei er keinesfalls geworden. Und, das müsse er jetzt leider doch noch sagen: Die Bekannte, um die es hier gehe, leide unter dem Münchhausen-Syndrom, eine psychische Störung, bei der Betroffene Beschwerden erfinden und diese dramatisch präsentieren. Ob die Frau am Ende als Zeugin geladen wird, ist noch offen. Fest steht hingegen: Sowohl die Staatsanwaltschaft als auch die Verteidigung haben dem Antrag der Nebenklage zugestimmt. Die Akten werden also bald eingesehen. Mollath hat keine Bedenken: Er könne alles, was er gesagt habe, belegen, erklärt er.

Überhaupt meldet er sich in der Verhandlung immer öfter zu Wort, stellt Fragen, auch sehr viele Detailfragen, deren Sinnhaftigkeit sich nicht sofort erschließt. So wie heute, als der neue Mann seiner Ex-Frau Petra vernommen wird. Martin M., 60, steht kein Zeugnisverweigerungsrecht zu. Er muss antworten. Er erklärt, er habe Mollath als verwirrt und aggressiv erlebt – er und seine „Gattin“, so nennt er Petra M. stets, hätten sich von ihm bedrängt gefühlt, auch noch, als die Scheidung der Mollaths schon durch war. Mollath schüttelt immer wieder den Kopf. Das wird er heute noch öfter tun – vor allem dann, als die letzte Zeugin den Sitzungssaal 104 betritt. Es ist Renate B., 57, eine ehemalige Freundin von Petra M. Die erinnert sich an einen Vorfall, der sich Anfang der 1980er-Jahre zugetragen haben soll, an einem Wochenende im Sommer: Plötzlich sei Petra M. vor ihrer Haustür gestanden, habe gefragt, ob sie ein paar Tage bleiben dürfe. Der Gustl habe sie verprügelt, sagt Renate B. aus. Und: „Sie hat furchtbar ausgesehen.“

Kurz darauf soll es erneut geklingelt haben – jetzt stand angeblich Mollath vor der Tür, habe Renate B. beiseite gedrückt und „die Petra“ aufgefordert mitzugehen. Und die sei „anstandslos“ mitgegangen. Renate B. konnte das nicht verstehen. Einige Monate später habe sie erfahren, die beiden würden heiraten – und da habe sie den Kontakt zur Petra abgebrochen.

Barbara Nazarewska

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