Verwirrung um Zahl der Proben in der Grundschule

München - Eltern in Bayern beklagen seit längerem den hohen Druck in den 4. Grundschulklassen.

Die Noten der Kinder entscheiden über den Übertritt an weiterführende Schulen, und entsprechend gefürchtet sind die Proben. Das Kultusministerium hat mehr Beratung und Transparenz in der Übertrittsphase versprochen -dazu gehören das vorherige Ansagen von Proben und prüfungsfreie Zeiten. Doch bei der Obergrenze der Proben sorgt ausgerechnet Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) nun für Verwirrung, wie der Bayerische Elternverband (BEV) am Dienstag kritisierte.

Zuvor hatte das Ministerium eine Pressemitteilung zu den Leistungsprüfungen in den 4. Klassen der Grundschulen veröffentlicht. Spaenle wurde darin mit den Worten zitiert: "Der pädagogische Ermessensspielraum der Lehrkräfte bleibt bei den Regelungen zum Übertritt in der vierten Jahrgangsstufe in vollem Umfang erhalten." Und noch deutlicher: "Wie viele Proben die einzelnen Lehrkräfte bis zur Übertrittsempfehlung schreiben, liegt in ihrem Ermessen." Der Richtwert von 22 Proben "stellt für den Kultusminister eher die Obergrenze dar", hieß es weiter in der Mitteilung des Ministeriums.

Daraufhin rieb man sich beim Elternverband erst einmal die Augen. BEV-Vorsitzende Heike Hein wies auf eine Bekanntmachung des Ministeriums zur Übertrittsphase hin, die erst Anfang August in Kraft getreten ist. Darin heißt es zu den Proben in den 4. Klassen wörtlich: "Für das Fach Deutsch gilt der Richtwert zwölf, für die Fächer Mathematik und Heimat- und Sachunterricht gelten als Richtwert jeweils fünf bewertete Probearbeiten. Diese Richtwerte sollen abgesehen von begründeten Ausnahmen nicht unterschritten werden." Die Bekanntmachung im Amtsblatt sei für die Lehrer aber verbindlich, betonte Hein. Und demnach dürften die Richtwerte nur in Ausnahmefällen unterschritten werden, auch wenn Spaenle sich nun anders äußere.

Hein machte zugleich ein großes Fragezeichen hinter die große Rolle, die den Noten beigemessen werde. Dies führe auch an den Grundschulen vermehrt zu einem problematischen Bulimie-Lernen - dass man nämlich ein paar Tage vor einem Test lerne, dann alles sozusagen bei der Probearbeit ausspucke und den Stoff danach aber schnell wieder vergesse. Hein sprach sich auch gegen die frühe Auslese in der 4. Klasse aus. Pädagogisch besser wäre es nach ihrer Auffassung, die Kinder eine längere Zeit gemeinsam zu unterrichten - denn in der 4. Klasse lasse sich oft nicht gut absehen, welche Schule für das Kind am besten geeignet sei - einfach weil Kinder in diesem Alter oftmals noch einen Sprung in der Entwicklung machten.

dpa

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