Die verwöhnten Memmen vom Berg

München - Sie kriegen kein Geld für ihren Einsatz, sind Tag und Nacht im Dienst: 18 Bergwachtler wurden am Mittwoch von Innenminister Joachim Herrmann (CSU) für ihre langjährigen Dienste ausgezeichnet.

Doch mit welch haarsträubenden Schwierigkeiten sie heutzutage am Berg zu kämpfen haben, erzählten dabei zwei erfahrene Bergwachtler. Alfons Lotter (67) ist schon seit 48 Jahren bei der Bergwacht, davon 33 Jahre als Bereitschaftsleiter in Oberaudorf (Kreis Rosenheim). Er hat sich das goldene Leistungsabzeichen redlich verdient.

Lebhaft berichtet er, wie es früher war, als es noch keine Handys gab und mancher Haushalt überhaupt kein Telefon hatte. „Ja, da bin ich in der Nacht zum Haus und hab’ Steine ans Fenster g’schmissen“ – damit die Familie des Kollegen nicht geweckt wird. Doch damals seien Verletzte auch oft noch selbst ins Tal oder zur nächsten Hütte gegangen – weil sie keine andere Möglichkeit hatten. „Heute, mit dem Handy, wird immer gleich um Hilfe gerufen.“ Das Anspruchsdenken habe extrem zugenommen. „Da ist man nachts um 3 Uhr bereits 20 Minuten nach dem Notruf bei dem Hilfesuchenden, und der schaut nur auf die Uhr und fragt, warum es so lange gedauert hat.

Dann sage ich: Ich musste erst einmal aufstehen, meinen Schlafanzug ausziehen …“ Dann schauen ihn viele mit großen Augen an und registrieren erst, dass bei der Bergwacht alle Ehrenamtliche sind, die einen normalen Beruf haben und nicht in voller Montur am Telefon auf den Rettungseinsatz lauern. Auch Robert Brunner (53) aus Ohlstadt (Kreis Garmisch-Partenkirchen), der seit 33 Jahren bei der Bergwacht ist und das silberne Leistungsabzeichen erhielt, sagt: „Die Dankbarkeit nimmt ab. Es wird als selbstverständlich gesehen, dass wir kommen.“

Ein Indiz: Die Zahl der Dankschreiben von Geretteten habe bereits abgenommen. Karten freuen zwar die Retter, aber Brunner meint dazu auch: „Es ist auch bergwachttypisch, dass wir keinen Dank erwarten.“

bo

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Wahrscheinlich betrunken: Fahranfänger überfährt Bub in Tempo-30-Zone
Eine Tragödie hat sich in der Nacht im Landkreis Bamberg abgespielt: Ein 18-Jähriger überfährt einen 14-jährigen Buben in einer Tempo-30-Zone - mutmaßlich betrunken und …
Wahrscheinlich betrunken: Fahranfänger überfährt Bub in Tempo-30-Zone
Vermisste Tramperin Sophia  L.: Verdächtiger wollte wohl Beweise verbrennen
Seit mehr als einer Woche wird die 28-jährige Sophia L. vermisst. Einem spanischen Medienbericht zufolge wurde jetzt ihre Leiche an einer Tankstelle gefunden. Polizei …
Vermisste Tramperin Sophia  L.: Verdächtiger wollte wohl Beweise verbrennen
Frau stirbt beim Überholen - Mutter und Kinder verletzen sich schwer
Bei einem misslungenen Überholmanöver in Oberfranken ist eine 35 Jahre alte Frau ums Leben gekommen; eine weitere Frau und ihre Kinder wurden schwer verletzt.
Frau stirbt beim Überholen - Mutter und Kinder verletzen sich schwer
Autofahrer fällt beim Anblick aus allen Wolken: Betrunkener löst Polizeieinsatz aus
Einen gehörigen Schock hat dieser Autofahrer erlitten. Er hielt einen am Straßenrand schlafenden Betrunkenen für eine Leiche.
Autofahrer fällt beim Anblick aus allen Wolken: Betrunkener löst Polizeieinsatz aus

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.