+
Ein bisschen wie Luther: Die Münchner Stadtschulsprecherin Hannah Imhoff klopfte gestern Thesen des „Münchner Manifests“ für demokratisches Lernen im 21. Jahrhundert an ein Brett neben den Eingang des Kultusministeriums.

Das neunjährige Gymnasium startet im September 2018

Viel Lob für den G9-Beschluss

  • schließen

So viel Lob war selten: Verbände und Opposition preisen die Rückkehr zum neunjährigen Gymnasium in höchsten Tönen. Der Kultusminister ist gut gelaunt wie selten und gibt zum neuen G9 weitere Details bekannt.

München– Ob nun Direktorenvereinigung oder Philologenverband, ob nun SPD oder Freie Wähler: Es herrscht rundum Zufriedenheit mit dem Beschluss der CSU-Landtagsfraktion, das Gymnasium ab dem Schuljahr 2018/19 wieder über neun Jahre laufen zu lassen. Und jeder will seinen Anteil dazu beigetragen haben – die SPD zum Beispiel sieht im G9-Beschluss einen Erfolg ihrer „jahrelangen harten Oppositionsarbeit“, während der Philologenverband in einer internen Email an seine Mitglieder gestern betonte, er habe „den G9-Stein ins Rollen“ gebracht.

Von solchen Vorarbeitern wollten Kultusminister Ludwig Spaenle und sein Schulstaatssekretär Georg Eisenreich (beide CSU) gestern natürlich nichts wissen. Beide wirkten wie von einer schweren Last befreit, als sie die Details der „großen bildungspolitischen Leitentscheidung“ (Spaenle) vorstellten.

Das G9 startet wie bekannt zum Schuljahr 2018/19, dann in der 5. und 6. Klasse gleichzeitig. Die jetzigen Viertklässler sind also der erste G9-Jahrgang. Spaenle betonte auch die Bedeutung der Überholspur für diejenigen Schüler, die das Abitur weiterhin nach acht Jahren bestehen wollen. Jede Schule habe die Pflicht, so etwas anzubieten. Dazu sollen die Schüler in der 8. Jahrgangsstufe umfassend informiert werden. Ein zweijähriger Zusatzunterricht in der 9. und 10. Klasse soll es ermöglichen, dass begabte Schüler die 11. Klasse überspringen. An eine gesonderte Prüfung der Überholer ist nicht gedacht.

Spaenle lobte die Offenheit des Konzepts: Wie in einen Bus dürfe „jeder einsteigen“ und bei Bedarf (wenn der Lernstress doch zu viel ist) „wieder aussteigen“. Auf einen Prozentsatz, wie viele Schüler das künftig nutzen sollen, wollte sich der Minister nicht festlegen. Er sprach von einer „stattlichen Zahl“. Dass sich die Schülerströme durch das neue G9 deutlich verändern, erwartet Spaenle nicht. Derzeit wechseln im Schnitt rund 40 Prozent aller Grundschüler nach der 4. Klasse ans Gymnasium. Auf dem Land werde der Übertritt wohl zunehmen, sagte Spaenle. Doch würden Real- und Mittelschule sicherlich keinen nennenswerten Prozentsatz an Schülern verlieren.

Wie als zusätzliche Beruhigungspille wirken da Zusagen über exakt 2032,5 Stellen, die die CSU gleichzeitig mit dem G9 beschloss. Nach diesem Bildungspaket mit dem Titel „Fördern, fordern, forschen“ erhalten die Förderschulen bis 2020 insgesamt 250 Stellen, außerdem fünf neue Lehrstühle für Sonderpädagogik an den Unis München, Würzburg und Regensburg. Auch die Real- und Mittelschulen werden im bescheidenen Umfang (insgesamt 100 Stellen) gestärkt. Das Gros der Stellen, circa 1000, ist jedoch für das Gymnasium reserviert – schließlich muss ein Jahr mehr Schule organisiert werden. Höchstwahrscheinlich kommen die Stellen nicht in einem Schwung, sondern in größeren Chargen über Jahre verteilt. Denkbar ist, dass die Lehrer zunächst auf Zweidrittelstellen gesetzt und die Verträge dann aufgestockt werden. Kuriosum am Rande: Ministerpräsident Horst Seehofer hat verordnet, dass das Bildungspaket über eine Agentur öffentlichkeitswirksam vermarktet wird. Eine Pressemitteilung, auf die sich der Minister zunächst hinausredete, reiche keinesfalls.

Spaenle wiederholte gestern seine Einschätzung, dass der G9-Beschluss „ein Vierteljahrhundert tragen wird“. Doch in so viel Optimismus wollte die Opposition nicht einstimmen. Er habe „den Eindruck, dass sich der Minister gleich wieder die Schlafmütze überstreifen will“, ätzte der FW-Abgeordnete Michael Piazolo. So laufe das nicht. Wie zur Bestätigung hämmerte eine „Aktion gute Schule“ gestern Protest-Thesen für eine andere Pädagogik an ein Brett neben der Tür des Kultusministeriums.

Unseren Kommentar zum Thema lesen Sie hier

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

News-Ticker: Diesen Münchner im Himmel brachte der Orkan in Schieflage
Ein Unwetter war angekündigt worden - doch es kam heftiger als befürchtet. Orkanböen und dicke Regenwolken sind über Bayern hinweggezogen und haben deutliche Spuren …
News-Ticker: Diesen Münchner im Himmel brachte der Orkan in Schieflage
Pfaffenhofener Regionalgartenschau war Besuchermagnet
Die Regionalgartenschau „Natur in Pfaffenhofen an der Ilm“ hat mehr als 330 000 Gäste angezogen.
Pfaffenhofener Regionalgartenschau war Besuchermagnet
125-Jahrfeier der Bayern-SPD - kämpferischer Aufruf zum Wahlkampf
Bei der Feier der Bayern-SPD zu ihrer Gründung vor 125 Jahren hat die frühere Landesvorsitzende Renate Schmidt ihre Genossen zu einem engagierten und kämpferischen …
125-Jahrfeier der Bayern-SPD - kämpferischer Aufruf zum Wahlkampf
Autofahrer muss niesen und fährt ungebremst in die Leitplanke
Es waren nur wenige Millisekunden, die ein Autofahrer gezwungenermaßen unachtsam war - doch seine Niesattacke hat auf der A73 zu einem Unfall geführt. 
Autofahrer muss niesen und fährt ungebremst in die Leitplanke

Kommentare