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Auch Oberbayerns Bauernpräsident Anton Kreitmair diskutierte mit über die artgerechte Haltung von Nutztieren.

Interview mit Oberbayerns Bauernchef 

„Viele wollen eine Wunsch-Landwirtschaft“

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München - Die artgerechte Haltung ist ein hochemotionales Thema - das wurde auch auf der Regionalkonferenz Oberbayern klar. Wir sprachen mit Bezirkspräsident Anton Kreitmair:

Über Nutztierhaltung lässt sich emotional diskutieren. Der Bayerische Bauernverband (BBV) hat unter anderem Landwirte, Politiker, Verbraucher und Einzelhändler in Regionalkonferenzen versammelt, um genau das zu tun. Jüngst war Oberbayern dran. Das Ziel: In kleinen Gruppen debattieren, die andere Perspektive verstehen und die eigene, gegebenenfalls, ändern. Wie’s gelaufen ist, verrät Bezirkspräsident Anton Kreitmair.

Herr Kreitmair, nimmt die Öffentlichkeit das Thema Nutztierhaltung falsch wahr?

In weiten Teilen ja, weil die Bindung zur Realität abgeht. Das Ziel unserer Konferenz sollte sein, das Thema offen in der Gesellschaft zu diskutieren. Und wir Erzeuger wollten wissen, wie genau die Gesellschaft uns sieht.

Und, Ihre Erkenntnis?

Wir haben schon gemerkt, dass es aus Verbrauchersicht einfach selbstverständlich geworden ist, dass wir Fleisch in Hülle und Fülle haben. Vor 50 Jahren war das nicht so. Heute geht der Verbraucher davon aus, dass Fleisch hochwertig, günstig und uneingeschränkt verfügbar ist.

Das bringt Sie als Landwirte doch in Bedrängnis...

Natürlich. Der Verbraucher erwartet auch die Erzeugung in Ställen, die es nicht mehr gibt. Mit zehn Schweinen und 15 Hühnern. Das ist nicht mehr möglich. Wir müssen eine Akzeptanz für moderne Nutztierhaltung schaffen.

Und dem Verbraucher sagen, dass es in der Massentierhaltung tierfreundlich nicht geht...

Wie können Sie sich da so sicher sein? Das ist zwar die breite Meinung, das haben wir bei der Konferenz schon gemerkt. Aber wir hatten zum Beispiel noch nie eine qualitativ so gute Milch. Die Tierhaltung zu meiner Lehrzeit war viel schlechter. Das, was heute gebaut wird, das ist tierfreundlich. Und warum steht Landwirten Neuerung nicht zu? Der Gesellschaft wird jede neue Technik zugebilligt.

In den Diskussionsrunden waren Kirchenvertreter, Politiker, Landwirte usw. War der Dialog erfolgreich oder gab’s auch unversöhnliche Ansichten?

Es wäre schlimm, wenn alle einer Meinung wären. Unser Ziel war, andere Beobachtungsweisen kennenzulernen. Wir müssen auf das Denken in der Gesellschaft eingehen.

In welcher Hinsicht?

Ein Punkt ist: Wir müssen mehr Aufklärungsarbeit leisten. Nicht nur durch Texte, sondern durch Betriebs-Führungen, konkrete Beispiele eben. Aber wir müssen auch unsere Arbeit selbst überdenken. Vielleicht sind wir mit dem Thema Nutztierhaltung zu spät gekommen. Vielleicht waren wir zu verschlossen.

Vielleicht?

Man war vielleicht zu lange der Meinung, dass die Bevölkerung mit der Zeit mitgeht, so wie bei moderner Technik. Aber die Wahrnehmung der Landwirtschaft ist stehen geblieben. Es wird eine Wunsch-Landwirtschaft gefordert, die mit der Realität nichts zu tun hat.

Der Anspruch der Verbraucher hier, die Realität moderner Ställe dort. Kamen Sie in der Konferenz an diesem Punkt nicht in die Sackgasse?

Ich gehöre nicht zu der Generation, die jammert. Ich will die Verbraucher auffordern, über ihre Nahrung nachzudenken und gute Nahrungsmittel zu kaufen. Es gibt ja genug Bio-Erzeugnisse, aber nur wenige sind bereit, dafür viel auszugeben.

Was werden Sie mit den kritischen Verbraucher-Stimmen anfangen? Gibt es ein Umdenken?

Veränderbar ist, dass wir mit verschiedenen Gruppen reden, auch mit Umweltverbänden und Kirchen. Aber unsere Meinung muss auch gehört werden. Die Dialog-Versammlung war ja nur der Anfang.

Interview: Marcus Mäckler

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