Vier Jahre Haft wegen Betrugs

Vater und Tochter nahmen reichen Mann aus

München - Er soll mit seiner Adoptivtochter deren reichen Ehemann gnadenlos ausgenommen haben: Das Münchner Landgericht hat einen Mann nun zu knapp vier Jahren Haft verurteilt.

Eine Dreiecksgeschichte wie aus einer TV-Seifenoper hat am Freitag vor dem Münchner Landgericht ihr vorläufiges Ende gefunden. Der Angeklagte ist wegen Betrugs im besonders schweren Fall und falscher Verdächtigung zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren und elf Monaten verurteilt worden. Opfer war ein erfolgreicher Wirtschaftsanwalt, den sich der 55-Jährige und seine 22 Jahre jüngere Adoptivtochter im Internet als Ehemann für sie ausguckten.

Frau gab sich als italienische Prinzessin aus

Die junge Frau, die sich als italienische Prinzessin und Großnichte eines despotischen Clan-Chefs mit Mafia-Kontakten ausgab, war zunächst mitangeklagt. Sie hatte während des Prozesses eine unklare Krankheit geltend gemacht, die Strafkammer trennte ihr Verfahren kurzerhand ab. Frühestens im November kann ihre Verhandlung neu angesetzt werden.

Für den Vorsitzenden war sie die treibende Kraft bei dem Riesenschwindel, auch das Opfer hat das so gesehen.Richter Norbert Riedmann ging von einer „gewissen Abhängigkeit“ des älteren Mannes von der jungen Frau aus. Die Anklagevorwürfe hatte der Beamte - im Gegensatz zu seiner Komplizin - unumwunden zugegeben.

Demnach hat die junge Frau den vermögenden Anwalt im Sommer 2008 in Las Vegas geheiratet. Zuvor hatte sich der Bräutigam auf einen Ehevertrag eingelassen, der seiner Frau praktisch seinen gesamten Besitz einschließlich des Erbes seiner Eltern sicherte.Er erwarb eine feudale Wohnung in Schwabing für 2,18 Millionen Euro und überschrieb sie ihr, zahlte immer wieder hohe Bargeldbeträge unter dem Eindruck angeblicher Morddrohungen des „Großonkels“. Der Ehemann war schließlich blank und nahm Geld auf, bis auch das nicht mehr ging. Auf 2,88 Millionen Euro bezifferte das Gericht den Gesamtschaden.

Sie starteten einen "Vernichtungsfeldzug"

Im November 2010 flüchtete der Anwalt vor seiner Frau und zeigte sie an. Die 33-Jährige und ihr Adoptivvater starteten nun gegen ihn einen „Vernichtungsfeldzug“ mit Schreiben an Kollegen, Freunde und Angehörige: Er sei ein Betrüger, beziehe zu Unrecht Sozialhilfe - was der inzwischen mittellose Mann völlig zu Recht tat - und gehöre ins Gefängnis.

Eine Reihe von Zivilprozessen folgte. Der materielle Schaden des Opfers ist mittlerweile weitgehend ausgeglichen. Mit dem verurteilten Adoptivvater seiner Ex-Frau kam ein Vergleich zustande: Der Angeklagte hat ein Schuldanerkenntnis abgegeben und sich verpflichtet, bei der Wiederherstellung des guten Rufes des Opfers mitzuwirken. Das Gericht berücksichtigte das zu seinen Gunsten.

dpa

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